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Bioweine: Das Geheimnis von Mist

Die etablierten Winzer belächelten bis vor kurzem den biodynamischen Rebbau. Mittlerweile setzen auch sie immer mehr auf Bioweine – aus Qualitätsgründen.

Rudolf Trefzer

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Seit Weinbau betrieben wird, haben sich Winzer die immer gleiche Frage gestellt: Was braucht es alles, um einen guten Wein zu erzeugen? Was kann ich selbst dazu beitragen, um das Resultat noch zu verbessern? Auch wenn die Antworten je nach Zeit, Wissen, Anbaugebiet und Persönlichkeit unterschiedlich ausfallen, so sind sich wohl alle Weinproduzenten über die wichtigsten Voraussetzungen einig. Um einen guten Wein zu keltern, braucht es gesunde, gut ausgereifte Trauben und eine sorgfältige Kellerarbeit. Doch darüber, wie dies im Alltag umgesetzt wird, gehen die Meinungen mitunter diametral auseinander. Während die einen auf modernste Technik und agrochemische Präparate setzen, hat sich bei einer wachsenden Zahl von Qualitätsproduzenten in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Weg zu qualitativ hochstehenden, authentischen Weinen nur über eine umweltverträgliche, ganzheitlich-nachhaltige Bewirtschaftung der Reben und eine schonende Weinbereitung führt.

Neben der Integrierten Produktion, als Bindeglied zwischen der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft, und dem biologisch-organischen Landbau hat sich im Qualitätsweinbau vor allem die auf den Grundsätzen der Anthroposophie beruhende Biodynamik durchgesetzt. Sie sieht die kultivierte Natur als komplexes Ökosystem, als einen geschlossenen Kreislauf und zielt darauf ab, die Fruchtbarkeit des Bodens, die Vitalität der Reben und die Qualität der Trauben zu verbessern.

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«Die biodynamische Kultivierungsmethode ist die konsequenteste Form des Arbeitens im Rebberg», sagt der renommierte Südtiroler Winzer Alois Lageder, der einer der Wegbereiter des umweltschonenden, qualitätsorientierten Weinbaus ist und seit 2004 die rund 50 Hektaren gutseigenen Rebberge biodynamisch bewirtschaftet. «Im Grunde genommen tut die Biodynamik nichts anderes, als auf jahrtausendaltes Wissen der Bauern zurückzugreifen, das im technikgläubigen 20. Jahrhundert weitgehend verloren gegangen ist.»

Die wichtigste Grundlage des biodynamischen Landbaus ist der lebendige, gesunde Boden. Dieser wird mit aus Rindermist und organischen Materialien gewonnenem Kompost gedüngt und zweimal pro Jahr mit in Wasser verrührtem und dynamisiertem Hornmist besprüht. «Der auf die Weise vitalisierte Boden speichert das Regenwasser besser, ist lockerer, luftiger und erlaubt den Reben, mit ihrem Wurzelwerk tief in den Boden einzudringen. Das Ziel des biodynamischen Weinbaus ist, die Rebstöcke vorbeugend zu stärken, damit sie besser auf Pilz- und Schädlingsattacken, Hitze- und Trockenstress vorbereitet sind», erläutert Alois Lageder. «Die Abwehr- und Selbstheilungskräfte der Rebpflanzen sollen gestärkt werden, sodass man ihnen nur in Ausnahmefällen zu Hilfe eilen muss, um Krankheiten mit kleinsten Mengen Kupfer und Schwefel zu bekämpfen.» Tatsächlich könne man beobachten, dass die Reben seit der Umstellung straffer, aufrechter wachsen und insgesamt kräftiger und elastischer seien. «Die Trauben wachsen gleichmässiger und sind um einige Tage früher reif als solche aus konventionellem Anbau. Sie erreichen ihre physiologische Reife und ihre Zuckerreife gleichzeitig. Dadurch erhalten wir alkoholärmere, elegantere und aromareichere Weine.»

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Auch andere biodynamisch arbeitende Winzer bestätigen diesen Sachverhalt, der gerade vor dem Hintergrund steigender Durchschnittstemperaturen von wachsender Bedeutung sein dürfte. Biodynamischer Weinbau bedeutet mehr Handarbeit und den gänzlichen Verzicht auf agrochemikalische Hilfsmittel. «Noch sind wir nicht so weit, dass wir in den Rebbergen das biologische Gleichgewicht erreicht haben», resümiert Alois Lageder. «Das wird noch etliche Jahre dauern. Aber unsere Weine widerspiegeln das Terroir besser und sind insgesamt eleganter, vielschichtiger, ausgewogener und ausdrucksstarker geworden.»

Die Weine der Tenutae Lageder sind bei Bindella erhältlich. Eine grosse Auswahl von guten Bio-Weinen bietet Delinat an.

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