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Gleichstellung 
«Die Kultur muss sich ändern»

Confident businesswoman writing on flip chart in meeting at creative office
Eine Mehrheit der Schweizer sieht Gleichstellung von Mann und Frau im beruflichen Umfeld nicht erreicht. Quelle: Getty Images

Es liege an den CEOs, mehr Frauen in die Firmen zu holen, sagt Simone Stebler. Denn erst ab einem Anteil von 30 Prozent spüre man einen Wandel.

Von Maren Meyer
06.05.2019

Frau Stebler, beim Event «Leaders & Daughters» bringt Egon Zehnder Top-Führungskräfte und ihre Töchter zusammen an einen Tisch, um über das Thema Frauen in der Wirtschaft zu diskutieren. Wie kam es dazu?
Egon Zehnder engagiert sich seit Jahren für Diversity und Inklusion – intern wie extern. In den letzten Jahren hat sich seitens der Schweizer Unternehmen zwar etwas getan, aber immer noch nicht genug. Wir wollen das Thema von einer emotionalen Seite angehen. Und so die Unternehmen antreiben, ihre Kultur zu ändern. Aus Studien geht hervor, dass sich die Unternehmenskultur am ehesten ändert, wenn der CEO Diversität als Ziel erklärt. Zudem sind aus unserer Erfahrung männliche Führungskräfte, die Töchter haben, eher bestrebt, Diversität in ihrem Unternehmen zu fördern.

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Wie sehr ist der Frauenanteil Thema bei den Töchtern?
Vor allem Frauen, die sich beruflich mit Vorurteilen konfrontiert sehen, setzen sich verstärkt damit auseinander. Einige Töchter besuchen noch die Universität oder sind erst frisch ins Berufsleben gestartet. Hier ist das Thema weniger präsent. Interessant zu sehen war, dass negative Erfahrungen auch abhängig von der Industrie gemacht wurden.

Gender-blind

Gleichstellung Top-Managerinnen sind rar. Mit der nächsten Generation soll sich das endlich ändern. Wie ein Wandel möglich ist, diskutieren Töchter mit ihren Manager-Eltern. Was sie dabei von ihnen lernen können und andersherum lesen Sie hier.

Zum Beispiel?
In der Wissenschaft sowie im Pflege- und Gesundheitswesen scheinen sich unbewusste Vorurteile Frauen gegenüber noch stärker zu zeigen.

Unbewusste Vorurteile?
Wenn man zum Beispiel von einer Arbeitnehmerin automatisch annimmt, sie sei dem gleichzeitig anwesenden Mann unterstellt. Oder man traut ihr weniger zu, weil ihr vielleicht ein gewisser Erfahrungshintergrund fehlt. Wobei man bei einem Mann annimmt, dass er das schon schafft. Sobald eine Frau heiratet, wird angenommen, dass sie nun Kinder kriegt und ihre beruflichen Ambitionen zurückstellt. Überhaupt wird die Kindererziehung immer noch vornehmlich der Frau zugeschrieben.

Was erwarten die Töchter von ihren Manager-Eltern?
Sie wollen in einem diversen Team arbeiten, wünschen sich Lohngleichheit und die Möglichkeit, Karriere und Familie zu vereinbaren. Besonders dieses Thema liegt auch den CEOs am Herzen. Sehr deutlich wurde auch, dass das kein Frauenthema sein sollte. Erst wenn die Kindererziehung als Elternaufgabe gesehen wird, kann sich nachhaltig etwas ändern. Das war eine Forderung der jüngeren Generation an ihre Eltern.

Zu welchen Lösungsansätzen kamen Eltern und Töchter?
Es muss darum gehen, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die männliche und weibliche Führungsqualitäten gleich bewertet. Oft wird von Frauen unbewusst erwartet, dass sie sich an die männlich dominierte Kultur anpassen. Erst ab einem Frauenanteil von rund 30 Prozent spürt man einen Wandel. Die Führungskräfte haben es in der Hand, diese Kultur zu beeinflussen.

Zurich & Geneva Egon Zehnder September 2017
Beim Personalberater kümmert sich Simone Stebler um mehr Frauen auf der Shortlist.
Quelle: ©JUERGKAUFMANN.COM