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Luxus und Genuss: Reichtum de Luxe

35,7 Milliarden Franken! Hotels, Schmuck, Champagner, Zigarren – die Anbieter von Preziosen für die Reichsten müssen nicht darben. 2005 war ein Superjahr für die Branche; wer mit Luxusgütern kein gutes Geld verdient, ist selber schuld.

Von red
29.11.2005

Karl-Heinz Kipp | GR

Hotels, Beteiligungen
4–5 Milliarden

Da werden Karl-Heinz und Hanni Kipp in der Schweizer Wahlheimat ihre helle Freude haben: Enkelin Laura Bechtolsheimer schrieb gerade Pferdesport-Geschichte. Die 20-Jährige gewann als jüngste Dressurreiterin aller Zeiten eine nationale Meisterschaft. Aber im falschen Land, aus hiesiger Sicht. Die Studentin an der britischen Universität Bristol reitet für England. Ihr Vater Wilfried Bechtolsheimer zählt selbst zur Spitze in der Disziplin und gilt in britischen Fachblättern gar als «Dressur-Guru». Der Kipp-Clan kann freilich auch aus dem Vollen schöpfen und in ganz Europa edle Rösser wie Don Davidoff, Placido, Landvogt oder Polarion für das eigene Gestüt im englischen Ampney St. Peter ankaufen.

Topleistungen erfordern aber tägliches Training – auch wenn Laura ihre Grosseltern im Tessin besucht. Deshalb späht der 82-Jährige lange schon nach Weideflächen für die wachsende Herde auch in der Schweiz. Der 80000 Quadratmeter grosse Palmengarten rund um das Parkhotel Delta unweit von Kipps Liebslingsquartier, dem Eden Roc in Ascona, würde fraglos ausreichend Auslauf für Warmblüter bieten.

Geld hortet der frühere Detailhändler im Überfluss; verschleudert wird das Vermögen aber allenfalls für Modernisierungsarbeiten in seinen Fünfsternehotels, eben im Eden Roc oder den Bündner Herbergen, Kipps Hauptwohnsitz, dem Tschuggen in Arosa und dem Carlton in St. Moritz. Mehr als 50 Millionen Franken aber wollte der (Gross-) Vater nicht für das Parkhotel hinblättern. Delta-Domina Barbara Ambrosoli verlangt deutlich mehr. Drum müssen die ausgewählten Grand-Prix-Pferde der Bechtolsheimers erst einmal weiter in England grasen.

Gianluigi Aponte | GE

Reederei
4–5 Milliarden

Die in Genf beheimatete Mediterranean Shipping Company (MSC) von Gianluigi Aponte (64) hat sich innerhalb von drei Jahrzehnten auf dem weltweit zweiten Rang unter den Container-Reedereien etabliert. Der gelernte Seemann Aponte aus Neapel freite als Traumschiffkapitän die vermögende Schweizerin Raffaela Denat und folgte ihr nach Genf. Nach einer Irrfahrt zum Anlagetrickser Bernie Cornfeld und zu dessen Schwindelvehikel IOS erwarb Aponte einen ersten Frachter. Dann noch einen. Und noch einen. Inzwischen durchpflügen gegen 250 Frachtschiffe der MSC die Weltmeere, spedieren mehr als drei Millionen Container pro Jahr und karren rund 4,5 Milliarden Dollar Umsatz ins Genfer Kontor. Schwiegersohn Pier Francesco Vago entlastet den Senior und kommandiert 23000 Mitarbeitende. Stammhalter Diego Aponte kontrolliert die Containersparte, hält seinem Vater den Rücken frei, damit dieser sich seiner frühen Leidenschaft widmen kann: der Kreuzfahrt. Bereits ein halbes Dutzend Luxusliner durchqueren inzwischen die Meere unter der Aponte-Flagge, ausstaffiert nach Plänen von Gemahlin Raffaela. Zur Schiffstaufe des bisher protzigsten Neubaus, der 251 Meter langen «MSC Opera», heuerte der Reeder allerdings den Schwarm seiner Jugend aus Neapel als Patin an: Alt-Filmdiva Sophia Loren.

Sergio und Geo Mantegazza | TI/GB

Tourismus, Immobilien
3–4 Milliarden

Wenn die Prominenz im Sommer an der Costa Smeralda rauschende Feste feiert, legt auch Sergio Mantegazza mit seiner 64-Meter-Yacht «Lady Marina» gerne in Porto Cervo an. Nur nutzt der 78-Jährige sein Schiff obendrein für Treffen mit Managern seiner vor allem im angelsächsischen Raum aktiven Tourismusgruppe Globus & Cosmos. «Wir haben diesen Sommer vor allem über Expansionsprojekte diskutiert», sagt er. So will er bei der von Grossbritannien aus operierenden Airline Monarch – sie fliegt mit 27 Maschinen 100 Destinationen an und befördert rund 5 Millionen Passagiere – den vorübergehend zurückgestellten Ausbau vorantreiben, insbesondere bei tiefpreisigen Linienflügen. Zudem drängt die Gruppe in den Markt der Kreuzfahrten auf grossen Flüssen: Unter dem Namen Avalon Waterways verkauft sie etwa Reisen auf der Donau, der Newa, dem Rhein oder dem Yangtse.

Während Sohn Fabio (50) in England eine Führungsposition innehat, ist Tochter Dolores (47) am Zweitsitz der Globus im Tessin tätig. Auch Vater Sergio wird jüngst wieder öfter in der Südschweiz gesichtet. In Lugano ist er mit Bruder Geo (77), der dort gross im Immobiliengeschäft mitmischt, an Projekten im Wert von vielen hundert Millionen involviert, unter anderem beim legendären «Palace», das zu einem Kulturzentrum werden soll. Die Mantegazzas bauen Luxuswohnungen und Büros. «Unsere Familie investiert bevorzugt im Raum Lugano, denn hier fällt uns das leicht», gesteht Sergio, um dann einzuschränken: «Die Immobiliengeschäfte sind private Investitionen. Mit den Aktivitäten der Gruppe haben sie nichts zu tun.»

Leonard A. Lauder | SZ

Kosmetik, Kunst
3–4 Milliarden

Die Wiederwahl von Leonard Alan Lauder als Chairman der Estée Lauder Companies am 10. November für weitere drei Jahre bis 2008 war reine Formsache. Schliesslich hatte der 73-jährige Wahlschwyzer exakt 43,8 Prozent der Stimmrechte schon persönlich zur Generalversammlung mitgebracht. Hohe Erwartungen setzt der Patriarch des weltgrössten Kosmetikkonzerns in seinen Stammhalter, William P. Lauder. Nur von Vergleichen zwischen Vater und Sohn hält er nichts. Mit den Worten «Ich bin nicht meine Mutter, und mein Sohn ist nicht ich» offenbart der Clanchef indirekt, dass ihn in der Vergangenheit zuweilen geärgert hat, an seiner legendären Mutter Estée Lauder gemessen worden zu sein. Senior und Junior baten die Mitaktionäre um Verständnis für künftig leicht höhere Reisespesen: Sie werden nie mehr gemeinsam fliegen.

Johann Rupert | ZG

Luxusgüter, Tabak, Uhren
3–4 Milliarden

Für Johann Rupert läuft alles rund. So ist die Börsenkapitalisierung des Luxusgüterkonzerns Richemont seit Anfang des laufenden Jahres um ungefähr ein Viertel gestiegen. Das hat bei den Ruperts kräftig eingeschenkt; die Familie hält 9,1 Prozent des Kapitals und 50 Prozent der Stimmen am Luxusgüterhersteller, der in seinem Portefeuille weltbekannte Marken wie Cartier und Van Cleef & Arpels im Bereich Schmuck führt sowie Baume & Mercier, Piaget, IWS, Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre und A. Lange & Söhne im Bereich der Uhren. Dazu gesellt sich die äusserst lukrative Beteiligung von 18,2 Prozent am Tabakkonzern British American Tobacco, dessen Börsenkapitalisierung bei mehr als 50 Milliarden Franken liegt. Gerade Cartier hat wieder spürbar an Fahrt gewonnen, nachdem die letzten Jahre für die Parademarke recht problematisch verlaufen waren. Seit der Übergabe der operationellen Leitung an Norbert Platt ist es um Johann Rupert etwas ruhiger geworden. Er nutzt diese Ruhepause und ist wieder öfter in seinem Heimatland Südafrika anzutreffen. Dort kann Rupert auch wieder ausgiebiger seiner Leidenschaft frönen, dem Golfspiel.

Familie Gérard Wertheimer | GE

Mode, Wein
3–4 Milliarden

Die Brüder Alain und Gérard Wertheimer kontrollieren den Luxuskonzern Chanel. Die weltberühmte Marke repräsentiert laut Schätzungen der Firma Interbrand einen Wert von fast vier Milliarden Euro. Die Familie besitzt daneben prestigeträchtige Weingüter sowie das Unternehmen Bourjois, das Schönheitsprodukte herstellt. Gérard Wertheimer wohnt mit seiner Frau Valérie in einem vornehmen Genfer Vorort.

Scheich Abdul Aziz Al-Sulaiman | GE

Hotellerie, Bauwesen
2–3 Milliarden

Explodierende Erdölpreise lassen die Einnahmen auch in Scheich Abdul Aziz Al-Sulaimans Konglomerat Rolaco Trading & Contracting Co. hochschiessen. Der Schwerpunkt mit Engagements im Bauwesen, in der Hotellerie, im Chemie- und Energiesektor sowie im Tourismus liegt in der saudi-arabischen Heimat. Am Wahlwohnsitz Genf hat Scheich Al-Sulaiman aber schon 1968 eine werthaltige Dépendance eingerichtet. Da kontrolliert er 48 Prozent der Rolaco Holding, die ihrerseits Beteiligungen hält, zum Beispiel am Club Med oder beim Luxusbesteck-Fabrikanten Christofle. Zum Portefeuille gehört ferner das Hotel Intercontinental in Genf.

Benjamin de Rothschild | GE

Bank, Wein, Kunst, Immobilien
2–3 Milliarden

Laurence Graff | GE

Juwelen, Kunst
1,5–2 Milliarden

Der Handel mit Edelsteinen ist ohne jeden Zweifel eine sehr profitable Tätigkeit. Vor vierzig Jahren erlernte der heute in Genf domizilierte Juwelier dieses Gewerbe in Hatton Garden, dem britischen Diamanten-Mekka. Heute erzielt die Firma Graff Diamonds bei fast 500 Millionen Franken Umsatz einen Gewinn von rund 120 Millionen. Das Geschäft ist anhaltend auf Expansionskurs, laufend werden exklusive Verkaufsgeschäfte eröffnet. Laurence Graff hat sich international einen wohlklingenden Namen geschaffen, nicht zuletzt mit seinem Aufsehen erregenden Auftritt in den USA, als er den «Star of America» präsentierte, einen eindrucksvoll geschliffenen Diamanten von rund 100 Karat. Edelsteine sind nicht das Einzige, was ihm lieb und teuer ist. Er gilt auch als Liebhaber zeitgenössischer Kunst und verfügt über eine bemerkenswerte Sammlung. Diese hat Laurence Graff 2005 ergänzt durch den zwölf Millionen Dollar teuren Kauf eines Liz-Taylor-Porträts von Andy Warhol.

Familie Mouawad | GE

Juwelen, Uhren, Immobillien
1–1,5 Milliarden

Zwar ist die von Genf aus geführte Mouawad-Gruppe hierzulande eher unbekannt, doch zählt sie zu den Topvertretern der internationalen Schmuckbranche. Am Ruder sitzt Robert Mouawad, Patriarch der aus Libanon stammenden, heute grösstenteils in Genf ansässigen Familie. Bei der Führung der stark diversifizierten Gruppe – neben dem Schmuckgeschäft ist Mouawad in der Hotellerie, im Immobiliengeschäft, im E-Commerce und in der Uhrenbranche tätig – kann er auf die Unterstützung seiner drei Kinder Alain, Fred und Pascal zählen. Sie repräsentieren die vierte Generation. Im Uhrenbereich hält der Konzern die Marke Robergé, zudem wurde kürzlich der Uhrengehäusehersteller Mica im jurassischen Dörfen Les Breuleux übernommen. Die Gruppe fungiert auch als Vertriebsorganisation zahlreicher prestigeträchtiger Uhrenunternehmen des Mittleren Ostens.

Pierre Castel | GE

Getränke
900–1000 Millionen

Die Mineralwasser Cristalline, Saint-Yorre, Thonon oder Vichy Célestins; die Weine Baron de Lestac oder Vieux Papes; das Bier 33 Export:

Wer eines dieser Produkte konsumiert, ist sich kaum bewusst, dass diese ausnahmslos vom gleichen Konzern stammen. Die Gebrüder Castel haben das Unternehmen 1949 in Bordeaux gegründet, inzwischen hat sich Castel Frères zu einem eigentlichen Imperium entwickelt: vertreten in 90 Ländern, Umsatz von annähernd drei Milliarden Euro, im Weingeschäft die Nummer eins in Frankreich und weltweit die Nummer drei. Nun will das Unternehmen auch in Russland gross einsteigen; in der Agglomeration von Moskau wurden insgesamt fünf Millionen Euro in eine Abfüllanlage für französische Weine investiert. Das Gründungsmitglied Pierre Castel ist CEO und Inhaber von Castel Frères, am Genfersee bewohnt der 79-Jährige eine Liegenschaft auf einem imposanten, 19495 Quadratmeter messenden Grundstück.

Ermenegildo und Familie Zegna | TI

Bekleidung, Stoffe
900–1000 Millionen

Mit der Stoffherstellung hat das Unternehmen eine solide Grundlage. Die (steigenden) Umsätze kommen aber zu immer grösseren Anteilen aus dem Bekleidungsgeschäft. Für Zegna zahlt es sich aus, dass man rechtzeitig mit Läden in den aufstrebenden Luxusmärkten Russland und China vertreten war – Zegna erzielt hier Wachstumsraten, die bei 30 Prozent liegen. In Russland, so erwartet CEO Ermenegildo Zegna, sollen sich die Erlöse in den kommenden zehn Jahren verdoppeln und dann bereits ein Zehntel zum gesamten Geschäftsvolumen beitragen. Luxus boomt in Moskau und Peking, aber auch in Europa, Nord- und Südamerika. Die Zegna-Gruppe baut ihr Geschäft aus, pflegt das Markenimage mit zahlreichen eigenen Shops und kratzt mittlerweile beim Umsatz an der Milliardengrenze.

Ernst und Familie Schneider | BS

Tabak, Luxuswaren
800–900 Millionen

Über 20 Millionen Zigarren wurden im vergangenen Jahr im Hause Davidoff produziert – beinahe 20 Prozent mehr als noch 2003. So kletterte auch der Umsatz der Oettinger Davidoff Group um mehr als zehn Prozent. Im laufenden Jahr überzeugte der Basler Luxuswarenkonzern seine rauchende Kundschaft wieder mit zahlreichen Neuigkeiten. Zum Beispiel mit der Davidoff Entracto, einer kleinen, aber feinen Zigarre, die speziell für den Rauchgenuss zwischendurch kreiert wurde – zum Beispiel für die Opernpause. Davidoff-Inhaber Ernst Schneider kommt trotz seinen 84 Jahren täglich ins Büro. Dort erledigt er seine Post und sämtliche Aufgaben, die sein Amt als Präsident des Verwaltungsrates mit sich bringt. Mindestens zweimal pro Woche steht Ernst Schneider auf dem Tennisplatz. Im Sommer hält er sich zusätzlich mit Schwimmen fit.

Familie Taittinger | VD

Getränke, Luxusgüter, Hotels
800–900 Millionen

Im Jahr 1997 zog sich Jean Taittinger in den Kanton Waadt zurück und überliess die Konzernleitung seiner Tochter Anne-Claire. Sie sorgte dafür, dass die gleichnamige französische Unternehmensgruppe – diese erwirtschaftet in der Hotellerie, mit Champagner und Luxusprodukten einen Umsatz von 843 Millionen Euro – weiter gedieh. Im vergangenen Sommer allerdings wurde Taittinger, eines der letzten französischen Familienimperien, verkauft; den Zuschlag für 2,6 Milliarden Euro erhielt der amerikanische Investment-Fonds Starwood Capital. Damit endet in der dritten Generation der Familieneinfluss auf die 1932 von Pierre Taittinger gegründete Gesellschaft. Dafür konnten seine rund 40 Nachkommen insgesamt 450 Millionen Euro an Verkaufserlös einstecken.

Hesham Amin El-Nasharty | VD

Hotellerie
500–600 Millionen

Hesham Amin El-Nasharty hat die Schweiz von Kindsbeinen an immer wieder besucht. Es gefiel ihm so gut hier, dass er sich vor einigen Jahren an den Ufern des Genfersees niedergelassen hat. El-Nasharty, der einer der ältesten Familien Ägyptens entstammt, hat sein beträchtliches Vermögen in den Aufbau einer Kette von Viersternehotels in der Schweiz investiert. Von einer bestimmten Grösse an fasst er eine Expansion ins europäische Ausland ins Auge. Der Hotelier zeigt sich höchst zufrieden mit der Ertragslage, erzielt er doch immerhin eine Nettorendite von fünf Prozent.

Gernot Langes-Swarovski | ZG

Kristallglas, Wein
300–400 Millionen

Wenn Not am Mann ist, springt Gernot Langes-Swarovski schon noch mal ein im operativen Topmanagement der Familienfirma Swarovski mit Hauptsitz in Feldmeilen ZH oder bei Ablegern des österreichischen Kristallkonzerns mit rund 2,5 Milliarden Franken Umsatz. Leidenschaftlicher aber ackert der 62-Jährige in seinen Nebenerwerbs-Weingütern. Hat er zunächst Rotweine seiner argentinischen Domäne Norton in die Weltspitze gepusht, loben die Sommeliers der Welt nun erste Resultate aus Langes-Swarowskis Reblagen auf 200 Hektar Pachtland nahe dem Gelben Meer in China. Während sich der Wahlzuger Patron bei der Namensgebung in Südamerika noch bedeckt hält, trägt der Weinkeller im Reich der Mitte seinen Namen: Bodega Langes.

Horst Rahe | GR

Schifffahrt, Hotels
300–400 Millionen

Zur Eröffnung seines neuesten Wellnesshotels mit dem Markenzeichen A-Rosa lädt der Wahlbündner Tourismusindustrielle Horst Rahe im Dezember in den österreichischen Nobel-Wintersportort Kitzbühel ein. Viel lieber noch hätte der kreative Entrepreneur einen solchen Anlass in seinem privaten Lieblingsdomizil in Ftan GR abgehalten: Dort besitzt er seit vielen Jahren mit dem Haus Paradies eines der besten Ferienhotels der Schweiz. Nur: Ausbaupläne wird der «Paradies»-Hausherr vorerst nicht im gewünschten Umfang realisieren – Angebote angefragter Baufirmen befindet der 66-Jährige schlicht als überrissen. «Ich bin kein Hobbyhotelier», sagt der kühle Kalkulator Rahe, «ich führe einen Gewerbebetrieb, der sich rechnen muss.» So lieb ihm das Bündnerland auch ist: Reich wird niemand durch Geldverschwendung. Zweifellos sieht der Investor («Die Welt ist voller Möglichkeiten») derzeit lukrativere Geschäftsfelder. Ausserhalb der Schweiz.

Juri Shefler | GE

Spirituosen
300–400 Millionen

Der Exilrusse Juri Shefler kontrolliert unverändert vom Genfer Wahlwohnsitz aus den Welt-Wodkamarkt. Seine Spirits Product International, kurz S.P.I., hat allerdings inzwischen Rechte an rund zwei Dutzend (verkaufs)starken Marken wie dem Bestseller Stolichnaya nach Holland bugsiert. Im niederländischen Zepp kassiert neuerdings eine Spirits Product International Intellectual Property hochprozentig – und steuergünstig – Lizenzgebühren. Russlands Regierung, die Shefler jahrelang beschuldigt hatte, sich in den Wirren des untergehenden Sowjetreiches die Marken widerrechtlich für einige Promille des echten Marktwerts unter den Nagel gerissen zu haben, scheiterte mit ihren Repatriierungsversuchen.

Arthur Eugster | TG

Kaffeeautomaten
200–300 Millionen

Der Firmenname Eugster/Frismag klingt irgendwie nach «no name». Doch die Hightech-Komponenten dieses Herstellers stecken überall drin: Jura, Nespresso, Turmix, Siemens, Bosch. Ausser bei Saeco-Produkten sorgt praktisch in allen Kaffee-Vollautomaten Technik made by Arthur Eugster für Hochgenuss. Der geniale Erfinder aus dem Thurgau hat in drei Jahrzehnten ein neues Marktsegment aufgeschäumt – Luxus-Kaffeemaschinen für bis zu 2500 Franken pro Stück. Jura-Chef Emanuel Probst lobt seinen Partner in höchsten Tönen: «Der aussergewöhnlichste Unternehmer der Schweiz.» Eugster selbst überlässt Ruhm und Ehre für seine Kreationen gern den Kunden. Er selbst sieht sich bescheiden als Original Equipment Manufacturer (OEM), als Produzent von Einzelteilen. Konkurrent Francesco Illy, der Wahlschweizer aus der italienischen Caffè-Dynastie und Erfinder der Espressomaschine FrancisFrancis!, schätzt Eugsters Jahresumsatz auf eine Grössenordnung von einer Milliarde Franken.

Den Konzern teilt er sich mit Bruder Markus Eugster, der allerdings nur mit zwölf Prozent partizipiert. Produktionsstätten hat Eugster/Frismag in den Thurgauer Gemeinden Romanshorn und Amriswil sowie neu in Eschenbach SG eingerichtet. Gegen 1000 Beschäftigte stehen in der Heimat auf der Lohnliste. Weitere Fabriken nutzt die Eugster-Gruppe in Portugal und China, überschwemmt die Konsumwelt mit einer Jahresproduktion von ungefähr 3,5 Millionen Elektrogeräten – natürlich nicht nur Kaffee-Vollautomaten, sondern auch normale Kaffeemaschinen, Bügeleisen und Wasserkocher. Angefangen hatte der Tüftler aus dem Thurgau 1976: Mit einem Dutzend Mitarbeitenden fertigte Eugster damals Eierkocher und Waffeleisen.

Uwe Holy | TG

Mode, Beteiligungen
200–300 Millionen

Junior Marc Holy (33) sitzt wieder im Änderungsatelier und skizziert Verfeinerungen der Unternehmensstruktur im Modeimperium der Gebrüder Uwe und Jochen Holy. In Kreuzlingen TG beim Premiumschneider Strellson laufen verstärkt die Fäden zusammen. Vom Bodensee aus forciert die Familienfirma parallel dazu Windsor als zweite eigene Edelmarke. Marcs Vater Uwe Holy (65) schaut temporär vorbei; er kann mit dem Velo vorfahren, denn seine gläserne Villa am See liegt nicht nicht weit weg vom Strellson-Hauptquartier. Die helvetische Herkunft des Labels stellen Holys neu demonstrativ zur Schau: «Strellson Swiss Cross – Mode für aktive Männer», verspricht der Hersteller. Nach einer Swiss-Cross-Originaljacke mit echter Schweizer Militärdecke als Innenfutter gibt es nun bei Globus die so genannte Silver Edition mit Offiziersmesser an der Jacke und – für 180 Stutz extra – einem echten Schweizer Militärvelo.

Hans Imholz | ZH

Tourismus
200–300 Millionen

Zwar hat TUI wie die meisten grossen europäischen Touristikkonzerne für das erste Halbjahr 2005 ansehnliche Zahlen präsentiert, wobei sich in der Schweiz vor allem die Marke Imholz positiv entwickelte. Doch von wirklich goldenen Zeiten ist die Branche noch immer eine Weltreise entfernt. Hans Imholz, der die Städtereisen erfand und damit in die Touristikgeschichte einging, braucht das keinen Kummer mehr zu bereiten: Er verkaufte sein Lebenswerk 1991 für über 120 Millionen an Jelmoli und gab die operative Leitung auf, zwei Jahre später trat er als VR-Präsident zurück. Seither geniesst er das Leben und engagiert sich über eine Stiftung für Kultur und Ökologie – während seinen Nachfolgern unter dem Dach von TUI Suisse die Sonnenseiten des Lebens vor allem aus den eigenen Prospekten entgegenlachen.

Michel Lacoste | GE

Sportbekleidung
200–300 Millionen

Von seinem erkrankten älteren Bruder Bernard Lacoste hat der 62-jährige Michel Lacoste einen nach jahrelangem Durchhänger wieder exzellent aufgebügelten Modekonzern übernommen. Seit dem 1. September strickt der Physiker, Vater von sieben Kindern und seit Jahren Bürger von Genf, nun persönlich in der ersten Reihe weiter am Erfolgsmodell Lacoste, zusammen mit seinen Geschwistern auch als Teilhaber. 42 Millionen Teile mit dem grünen Krokodil hatten Kunden in 110 Ländern im vergangenen Jahr gekauft und dafür indirekt und umgerechnet gegen 1,7 Milliarden Franken in die Kassen von La Chemise Lacoste eingezahlt. Einen wahren Kaufrausch registriert Neu-Chairman und CEO Michel Lacoste speziell in China, wo er flugs in 25 Regionen einige Dutzend Verkaufsshops einrichten liess.

Henri-Ferdinand Lavanchy | VD

Golfhotels, Kunst
200–300 Millionen

Sein Golfplatz-Gemeinschaftsprojekt mit dem amerikanischen Finanzguru George Soros in Spanien hat Henri-Ferdinand Lavanchy abgeschlossen. Zur Inspektion jettet der 79-jährige Entrepreneur zwar bisweilen noch auf die Iberische Halbinsel. Mit Wohlgefallen beobachtet der Gründer der Zeitarbeitsfirma Adia (heute Adecco) zurzeit die rasante Entwicklung im Technologiezentrum Y-Parc – Parc Scientifique et Technologique in Yverdon-les-Bains. Das Areal hatte Lavanchy nach dem Adia-Verkauf seinem Heimatkanton dediziert. «780 neue Arbeitsplätze sind da entstanden», freut sich der Initiator. Inzwischen haben sich gegen 80 Firmen auf dem Gelände angesiedelt.

Michel Reybier | GE

Wein, Nahrungsmittel, Hotellerie
200–300 Millionen

In Genf ist der französische Geschäftsmann Michel Reybier vor allem als Eigentümer des Fünf-Sterne-Etablissements La Réserve bekannt, eines prächtigen Palastes in einzigartiger Umgebung vor den Toren der Stadt. Er hat das Haus vor sechs Jahren für 24 Millionen Franken erworben und kostspielig renovieren lassen. Heute ist es eines der teuersten Hotels am See. Der ehemalige Wurstkönig besitzt noch die Marken Cochonou, Jambon d’Aoste und Justin Bridou. Durch den Kauf des Weingutes Cos d’Estournel, eines berühmten Deuxième Cru classé Saint-Estèphe aus dem Médoc, hat Michel Reybier von sich reden gemacht. Auf Kuba ist er zusammen mit einer bunt zusammengewürfelten Schar von Prominenten, darunter der französische Schauspieler Gérard Depardieu, Inhaber der Erdölgesellschaft Pebercan, die über fünf Konzessionen auf einem Gebiet von insgesamt 6055 Quadratkilometern verfügt.

Daniel Hechter | VD

Mode
100–200 Millionen

Der ehemalige Modeschöpfer und Fussballfan Daniel Hechter räumt seinem humanitären Engagement einen hohen Stellenwert ein: Als einer der Ersten unterzeichnete er den Aufruf von Collectif Urgence Darfour (Sudan) und unterstützte den Marsch «Ni putes, ni soumises». Damit sollte eines jungen Mädchens gedacht werden, das in einem Wohnghetto in Vitry-sur-Seine bei lebendigem Leib verbrannt worden war. Der 1938 in Paris geborene Daniel Hechter, der heute in Rolle im Waadtland zu Hause ist, hat es verstanden, mit Prêt-à-porter die Mode unter die Leute von der Strasse zu bringen. Sein Unternehmen verkaufte er 1997 für 125 Millionen Franken an den deutschen Konzern Miltenberger Otto Aulbach.

Familie Illy | SZ

Kaffee
100–200 Millionen

Andrea Illy will die Konkurrenz rösten – mit exklusiven Illy-Coffeeshops an ersten internationalen Adressen. Ungefähr 100 Illy-Bars werden es bereits zum Jahresende sein; insgesamt 500 architektonisch herausragende Lokalitäten unter dem Illy-Logo plant der Kaffeeclan bis zum Jahr 2010. Die Idee stammt vom Italoschweizer Francesco Illy, Andreas älterem Bruder. Der Stammhalter («Ich bin total draussen aus dem operativen Kaffeegeschäft») kultiviert derweil andere Neigungen. Zum Beispiel keltert er gerade als junger Brunello-Winzer in der Toscana seine dritte Ernte. «Die ersten Flaschen kommen 2008 auf den Markt», meldet er aus seinem 13-Hektar-Weinberg. Francesco Illy teilt sich mit drei Geschwistern gegen 90 Prozent der berühmten Illycaffè-Gruppe, 10 Prozent besitzen die Eltern. Komplett in Eigenregie betreibt der 52-Jährige den Schweizer Ableger mit Sitz in Küssnacht am Rigi SZ – aus markenrechtlichen Gründen unter dem Namen Amici. «Wir befinden uns in einer schwierigen Phase», bemerkt der Schwyzer Illy angesichts des zunehmenden Drucks durch Nespresso, aber: «Wir wachsen immer noch. Und das ist positiv.»

Hubertine Underberg Ruder | ZH

Spirituosen
100–200 Millionen

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