1. Home
  2. Loanboox: Das Fintech-Start-up hat hochfliegende Pläne

Fintech-Start-up 
Loanboox: Erst Europa, dann die Welt

Stefan Mühlemann
Stefan Mühlemann gründete 2015 Loanboox. Mittlerweile wurden Darlehen im Ausmass von mehr als zwölf Milliarden Franken nachgefragt. Wachstum ist vor allem im Ausland möglich.Quelle: Keystone

Das Fintech-Start-up Loanboox will sich in den nächsten drei Jahren in ganz Europa verbreiten. Anschliessend ist der Sprung in die USA geplant. Spätestens dann wird ein IPO zum Thema.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
03.07.2018

Dem auf die Finanzierung von Gemeinden und Kan­tonen spezialisierten Start-up Loan­boox wird die Schweiz nach 21 Monaten der operativen Tätigkeit bereits zu klein. Das von Stefan Mühlemann gegründete Unter­nehmen hat nach Deutschland und ­Österreich jetzt in Frankreich Fuss gefasst. Potenzielle Kunden sind 33 000 französische Gemeinden. Dreimal so viele wie in Deutschland.

Erste Mitarbeiter wurden bereits eingestellt. Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren ganz Europa abzudecken. «Man kann die Märkte rasch aufrollen», sagt der 46-Jährige. Das Potenzial ist enorm. Liegt der Finanzierungsbedarf des öffentlich-rechtlichen Sektors und anderer ­Investment-Grade-Schuldner in der Schweiz bei 200 Milliarden Franken, sind es in Europa 13 000 Milliarden. Für Kapitalgeber wie Banken oder Pensionskassen seien die ausländischen Märkte spannend: «Sie bekommen für die gleichen Risiken eine höhere Rendite.»

Sprung in die USA

Ist der alte Kontinent abgedeckt, ist noch nicht Schluss. «Nach Europa kommt die ganze Welt», sagt CEO Mühlemann. Im ersten Schritt plant man den Sprung über den ­Atlantik. In den Vereinigten Staaten ist der Markt für kommunale Finanzierungen rund 18 000 Milliarden Franken gross.

Das Geld für die Expansion holt sich ­Loanboox derzeit in der Series-B-­Finanzierungsrunde, der zweiten Erhöhung der Kapitaleinlagen nach dem Proof of Concept. Man spricht mit Family Offices, Business Angels, Venture-Capital-Gebern, Grossunternehmen und Banken. Die Finanzierungsrunde soll im Herbst ab­geschlossen sein. Noch besitzen Mitarbeiter und Gründer mehr als 80 Prozent der Aktien. Unter die 50-Prozent-Marke wird der Anteil im Zuge der Finanzierungsrunde laut Mühlemann nicht fallen.

Die Anteile könnte man noch gut brauchen. «Wir wurden von verschiedenen Seiten, darunter auch Börsen, auf ein Initial Public Offering an­gesprochen», sagt Mühlemann. Ihm gefällt die Idee, Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich an Loanboox zu beteiligen. In den kommenden Jahren ist ein Börsengang für Mühlemann «sicher eine interessante Lösung und Option».

Ausland zahlt höhere Preise

Doch die Investoren sprechen ein Wörtchen mit. Ihnen gehe es natürlich mitunter um die Maximierung des Gewinns. Im Ausland werden laut Mühlemann für Jungunternehmen höhere Preise bezahlt. «Deshalb werden viele tolle Start-ups am Ende ins Ausland verkauft.»

Loanboox hat die Finanzierung von Gemeinden vollständig digitalisiert und somit verbilligt. Die Zürcher kassieren für die Zusammenführung von Kapitalgebern und -nehmern eine Gebühr von einem Basispunkt. Bisher wurden über die Plattform Darlehen im Ausmass von mehr als zwölf Milliarden Franken nachgefragt.

Das schlägt sich in der Bilanz nieder. Im ersten Quartal lag der Umsatz um rund 800 Prozent über dem Vorjahr. Trotz des hohen Expansionstempos sind schwarze Zahlen geplant. Der Break-even soll etwa auf den Abschluss der Expansion in Europa treffen.

Anzeige