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Volvo-Chef: «Geely gab uns Freiheit und Eigenverantwortung»

Håkan Samuelsson
Håkan Samuelsson: Der 67-jährige Schwede krönt seine lange CEO-Karriere mit dem einzigartigen Erfolg bei Volvo. Den Autobauer führt er seit Oktober 2012.Quelle: Kevork Djansezian/Getty Images

Volvo-Chef Håkan Samuelsson über den Höhenflug seiner Marke, E-Tochter Polestar und seine Bosse in China.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
07.05.2018

Polestar 1 ist der Erstling Ihrer neuen Elektrotochter. Wo soll die Marke hin?
Das wird das erste Serienauto, wir bauen es ab 2019 in einer neuen Fabrik in China.

Offiziell geplant sind 500 Exemplare, aber offenbar überlegen Sie, die Produktion auf 1000 aufzustocken?
Darüber denken wir tatsächlich nach. Weil wir viel mehr Vorbestellungen haben als erwartet. Und das bei einem Auto, das wohl immerhin 130'000 bis 150'000 Euro kosten wird.

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Der Polestar 1 ist kein reiner Elektriker.
Stimmt, er hat einen Verbrenner als Back-up, die elektrische Reichweite liegt bei 150 Kilometern. Polestar 2 und Polestar 3 werden aber rein elektrisch sein.

Volvo Polestar 1
Der Polestar 1 ist ein 600 PS starkes Coupé mit Hybridantrieb.
Quelle: ZVG

Niemand hätte vor fünf Jahren gedacht, dass Volvo heute auf einer Erfolgswelle reiten würde. Wie kam es?
Erstens waren wir gezwungen, als Stand-alone Company zu arbeiten. Da kamen keine allwissenden Kontrolleure, wir waren selber verantwortlich. Geely gab uns diese Eigenverantwortung, und das war gut für uns. Zweitens, das verdanken wir auch Geely, bekamen wir Zugang zum Markt China.

Und drittens?
Wir haben die Firma globalisiert. Die Hälfte des Topmanagements ist jetzt international. Und letztlich Design und Produkt. Unterschätze nie das Produkt.

Für Volvo war Geely ein Glücksfall. Daimler scheint dagegen not amused über den Einstieg von Geely. Liegt Daimler falsch?
Jeder entscheidet selbst, was er für richtig hält. Für Volvo war die Geely-Eigentümerschaft sehr vorteilhaft. Sie gab uns mehr Freiheit, öffnete uns die Tür zum chinesischen Markt, und unsere kleine Plattform CMA für den Kompakt-SUV XC40 haben wir zusammen mit Geely entwickelt. Damit haben wir erstmals eine eigene Plattform, die bei Kosten und Leistung wettbewerbsfähig ist. Und dieses Auto ist keinen Millimeter weniger Volvo als die grösseren Autos.

Li Shufu
Geely-Chef: Volvo gehört zu Li Shufus chinesischem Autobauer Geely.
Quelle: China News Service/Getty Images

Wie unabhängig von Geely können Sie agieren?
Wir haben nicht den Ehrgeiz, die unabhängigste aller Firmen zu sein. Wir haben den Ehrgeiz, im Interesse unseres Unternehmens und unserer Eigentümer zu handeln. Geely will eine starke Marke Volvo sehen, und eine chinesische Automarke haben sie ja schon.

Was ist mit Geelys Elektroauto-Marke Lynk & Co, die nach Europa strebt?
Das macht uns keine Sorgen. Lynk & Co agiert in einem anderen Preissegment. Die verhalten sich zu uns wie Skoda zu Audi. Letztlich gilt für uns dasselbe wie für die VW-Gruppe: Es ist am besten, wenn die Verkäufe in der Gruppe bleiben.

Wann wird Volvo den letzten Motor mit Verbrenner bauen?
Am 27. Oktober zweitausend… nein, ernsthaft, das entscheidet der Kunde. Wir haben gesagt, wir bauen nach 2019 keine reinen Verbrenner mehr. Es gibt derzeit einen klaren Trend zu Hybriden und reinen E-Autos. Eine Prognose: Ich wäre nicht überrascht, wenn 2025 die Hälfte unserer Verkäufe reine Elektriker wären. Und der Rest Hybride.