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Oldtimer 
«Ein Milliardenmarkt am Scheideweg»

Vermögensverwalter Fritz Kaiser
Fritz Kaiser und sein Aston Martin DB4 Short Wheel Base. Der Schätzwert liegt bei vier Millionen Franken.Quelle: ZVG

Der Liechtensteiner Vermögensverwalter Fritz Kaiser bringt erstmals Licht in den undurchsichtigen Markt für Classic Cars: Er hat ein ­Ranking der 100 wichtigsten ­internationalen Sammler erstellt.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
13.07.2018

Herr Kaiser, man kennt Sie als ­Finanzmann. Wie kommen Sie zu Oldtimern?
Man hat als Mensch ja nicht nur ein Interessengebiet! Ich bin nun 63 und habe in der Vergangenheit so einiges gemacht. Da war auch Motorsport dabei.

Motorsport?
Ich hatte früh das Vertrauen von vermögenden Familien als deren Vermögens­berater. Darunter waren auch Künstler und Sportler – ich war selber als Judoka 1976 im Olympiateam in Montreal. Einige Sportkollegen wollten damals, dass ich ­ihnen helfe, ihre Verträge zu verhandeln, ihre Erfolge zu Geld zu machen und dieses dann zu verwalten. Hanni Wenzel, Marc Girardelli oder Jakob Hlasek waren dabei. Und natürlich Gerhard Berger, mit dem ich sehr eng in seiner Formel-1-Zeit gearbeitet habe. Zudem war ich damals bei der Gründung der DTM dabei …

… der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft, einer der wichtigsten Klassen weltweit für seriennahe Sportwagen.
Genau. Eine Firma von mir hat die DTM in der Anfangsphase ein Jahrzehnt lang vermarktet. Und in den 1990er Jahren war ich dann mit Peter Sauber und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz Teilhaber der Red Bull Sauber Holding, wo ich auch Verwaltungsratspräsident war. Damals war ich mit dem Schweizer Formel-1-Rennstall fünf Jahre lang bei den Rennen unterwegs. Dies war eine spannende, erfolgreiche, aber auch intensive Zeit.

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Was machen Sie und Ihre Firma heute?
Ich teile meine Unternehmen in drei Bereiche ein. Die Kaiser Partner Privatbank verwaltet hauptsächlich Gelder von vermögenden Familien. Im letzten Dezember haben wir die Vontobel Bank (Liechtenstein) übernommen und verwalten nun auch institutionelle Vermögen. Die Privatbank ist zu 100 Prozent in unserem Familienbesitz. Kunden schätzen es, wenn sie auch mal mit dem Inhaber direkt reden können.

So weit die Bank. Und zweitens?
Unser Bereich Family Office, Trust und Wealth Services hat eine Tradition seit 1931. Wir helfen Familien und Unternehmern, ihr Vermögen in Zeiten rasanten Wandels nachhaltig zu organisieren. Dies sind komplexe Fragen. Dafür haben wir unsere «Wealth Table»-Philosophie. Wir nehmen uns Zeit zuzuhören, um die Themen der Kunden wirklich zu verstehen, bringen die richtigen Experten an den Tisch, eigene oder externe Spezialisten, setzen die Lösungen um und verwalten sie.

Fehlt noch der dritte Bereich.
Die Holding mit meinen eigenen Investitionen in Immobilien, Internet und erneuerbare Energie. Mit 21iLab in Vaduz und Mailand entwickeln wir Geschäftslösungen für mobile Geräte, und unsere Seawind Holding hat ein Team in Hamburg, das Windparkprojekte entwickelt. Wir haben im April für unser «Baltic Eagle»-Projekt in der Ostsee bei der deutschen Energie-­Auktion den Zuschlag für den Bau eines 486-Megawatt-Windparks gewonnen. Er wird 2021 grünen Strom für rund eine Million deutsche Haushalte liefern.

Der Tausendsassa

Fritz Kaiser (63) war Leistungssportler, Inhaber des Kreditkartenanbieters Diners Club Schweiz und ist heute mit seiner Firma Kaiser Partner Vermögensverwalter, Investor sowie Bankier und sammelt alte Sportwagen. Mit dem Classic Car Trust bietet der Liechtensteiner Dienste für Oldtimersammler an. Philanthropisch ist er in der Mentor Stiftung aktiv, die sich für die Bildung Jugendlicher einsetzt. Beim WEF Davos hat er einen Arbeitskreis gegründet, der Fragen zur Verantwortung grosser Privatvermögen thematisiert.

Fritz Kaiser

Wie passen Classic Cars in das Portfolio?
Das hat mit meiner Leidenschaft für ­Design und Autos zu tun. Ich habe früh einmal mit meiner Frau am Marokko-Rallye teilgenommen, und wir haben im dritten Jahr dort mit unserem Mercedes 300 SL Roadster gewonnen. Ich habe dann begonnen, Sportwagen-Ikonen der 1950er und 1960er Jahre zu sammeln.

Die Traumwagen Ihrer Kindheit?
Absolut. Da steckt viel Herzblut drin. Als Sammler stellt man dann aber auch fest, dass alte Autos auch Kopfweh erzeugen können. So ist mein «Collectors’ Office» entstanden. Unsere Family-Office-Leute helfen bei administrativen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Angelegenheiten oder bei Versicherungsfragen – also den Kopfweh-Themen. Heute helfen wir auch einigen befreundeten Sammlern. Wir nennen dies «Aspirin» für Kopfweh und «Champagne» für die Freuden.

Wie kam es zur Gründung des «Classic Car Trust»?
Das war 2014, als wir auch als Partner der Mille Miglia aufgetreten sind. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit mit dem globalen Classic-Car-Markt befasst. Hier gab es unglaubliche Wertzuwachsraten, aber der Markt war intransparent, und gleichzeitig standen wichtige Fragen im Raum.

Was für Fragen?
Wo sind die historisch wichtigen Fahrzeuge? Wer sind die wichtigsten Sammler? Was sind ihre Motive und langfristigen Pläne? Was machen Investoren und Spekulanten in diesem Markt? Was bedeutet die Entwicklung der Automobilindustrie für den Classic-Car-Markt? Stichworte Elektroautos und Mobilität als Service. Dürfen Oldtimer in zehn Jahren noch auf die Strasse? Gibt es dann noch Ersatzteile und Benzin dafür? Wie nachhaltig sind die Werte und der Spassfaktor dieser Fahrzeuge?

Und, haben Sie Antworten gefunden?
Wir sind auf gutem Weg, unseren Beitrag zu leisten. Dafür haben wir die letzten 18 Monate viel Marktforschung betrieben und haben heute gute Informationen von mehr als 200 wichtigen Sammlern, 5000 der wichtigsten Autos, Listen von Preisen und Awards, Handelsdaten, Informationen von Veranstaltern und vieles mehr.

Das ist erstaunlich. Bisher hiess es doch, dass viele Sammlungen sehr ­privat seien.
Ja, das stimmt. Doch wir hinterlassen alle unseren digitalen Fussabdruck, wenn wir kaufen und verkaufen oder unsere Autos etwa an Rallyes oder Concours-Veran­staltungen teilnehmen. Wenn man alle im Internet zugänglichen Informationen verknüpft, kann man erstaunlich detaillierte Profile erhalten. Zudem haben uns einige Sammler direkt Informationen gegeben.

Ein Blick in Fritz Kaisers Garage, 20 Autos umfasst seine Sportwagen-Sammlung. Im Vordergrund der Porsche 550 Spyder, dahinter der nicht weniger legendäre Mercedes-Flügeltürer.
Ein Blick in Fritz Kaisers Garage, 20 Autos umfasst seine Sportwagen-Sammlung. Im Vordergrund der Porsche 550 Spyder, dahinter der nicht weniger legendäre Mercedes-Flügeltürer.
Quelle: ZVG

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Wir sprechen hier von einem Milliardenmarkt, der an einen Scheideweg kommt. Zukünftige Strassenzulassungen und die Entwicklung der Automobilindustrie sind ein Thema. Gleichzeitig steht ein wichtiger Generationenwechsel an. Die 100 wichtigsten Sammler der Welt besitzen rund 3500 der bedeutendsten Autos im Wert von gut acht Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon ist in den USA, und die Sammler sind im Schnitt 72 Jahre alt, gut 20 Prozent sind bereits um die 80 oder älter.

Sie haben soeben eine Liste der 100 wichtigsten Sammler weltweit publiziert.
Ja, wir wollen damit unseren Beitrag leisten, um den Markt transparenter zu machen. Viele Sammler haben ein Leben lang leidenschaftlich fantastische Autos gesammelt und historische Werte gepflegt – und man kennt sie nicht. Sie verdienen es, ­gefeiert zu werden. Gleichzeitig erhalten sie mit dieser Liste einen Referenzpunkt, wo sie im internationalen Vergleich mit anderen Sammlern stehen. Das wird geschätzt, das wissen wir aus zahlreichen Gesprächen. Die Datenbasis ist bereits gut und wird sich laufend verbessern.

Wie ist die Rangliste entstanden?
Wir wollten das Ranking nicht einfach in Geld ausdrücken, sondern haben zusätzlich qualitative Werte berücksichtigt. Mit unserem Scoring-System kann ein Sammler maximal 100 Punkte erreichen. 50 Prozent davon repräsentiert der finanzielle Wert der Sammlung, die andere Hälfte setzt sich zusammen aus der historischen Bedeutung der Sammlung, der Reputation, welche Auszeichnungen Fahrzeuge erhalten haben und welchen Beitrag der Sammler für die Classic-Car-Community leistet.

Und der Sieger?
Eine kleine Überraschung: Es ist der Amerikaner Miles Collier mit 87,34 Punkten.

Warum?
Ich hatte zunächst Ralph Lauren, den ­Modemacher, mit der wertmässig grössten Sammlung vorn gesehen. Collier hat aber letztlich mit den qualitativen Punkten das Rennen gewonnen – nicht zuletzt als ­Gründer des Revs Institute in Florida, ­einer einzigartigen Dokumentationsplattform zur Geschichte des Automobils.

Sie präsentieren im Report auch einen der diskretesten Sammler überhaupt: den Schweizer Albert Spiess. Er soll die weltweit spektakulärste Lamborghini-Sammlung haben.
Ja, Albert Spiess hat eine unglaubliche Sammlung. Die Lamborghini-Sammlung, ja, sicher, aber auch wichtige Ferraris, Alfa Romeos, Maseratis, Bugattis und mehr. Er ist weltweit in den Top Ten unseres Rankings und hat uns ein exklusives Interview für unseren Jahresbericht gegeben.

Wer taucht noch auf?
Evert Louwman mit der für uns wichtigsten europäischen Sammlung in seinem Museum in Amsterdam. Nick Mason, der Drummer von Pink Floyd. Talkmaster Jay Leno. Umberto ­Panini, der mit den Klebebildchen. Modeinvestor Lawrence Stroll, dessen Sohn Lance in der Formel 1 fährt. Oder Rumäniens Tennis-Ikone Ion Tiriac mit seiner Rolls-Royce-Sammlung.

Ihr Magazin «The Key – Top of the Classic Car World» soll nun jedes Jahr erscheinen.
Wir bieten interessanten Persönlichkeiten eine Plattform. Diesmal dabei sind FIA-Präsident Jean Todt, Lorenzo Ramaciotti, Präsident der Jury bei der Villa d’Este, Sandra Button, die Vorsitzende von Pebble Beach, und viele mehr. Wir planen auch, einmal pro Jahr die wichtigsten Protagonisten des Classic-Car-Marktes zu einem Forum einzuladen, um Antworten auf die dringlichsten Fragen zu suchen. Dieses Forum wollen wir als gemeinnützigen Verein organisieren.

Sie sind als Sammler auch in der Liste der Top 100. Welches ist derzeit das ausser­gewöhnlichste Fahrzeug in Ihrer Garage?
Das ist vermutlich der Pegaso Z-102 ­Saou­tchik Cabriolet aus dem Jahr 1953. Saou­tchik war zu der Zeit eine extravagante ­Designerpersönlichkeit und hat ein besonderes, gern gesehenes Einzelstück bei wichtigen Concours-Veranstaltungen geschaffen. Besonders ist vielleicht auch der Formel-1-Rennwagen aus meiner Zeit bei Red Bull Sauber Petronas, den damals Jean Alesi gefahren hat.

An der Mille Miglia sind Sie offensichtlich mehrmals schon mitgefahren.
Ja, 2014 waren wir mit einem grossen Team dabei. Ich fuhr mit meiner Frau Birgit im Cisitalia 202 aus dem Jahr 1947, und wir hatten Paloma Picasso und die Filmschauspieler Adrien Brody und Luke Evans als Gäste dabei. Paloma Picasso und ihr Mann Eric Thevenet fuhren unseren Lancia ­Aurelia B24 Spider America, Brody unseren Flügeltürer und Evans den Lancia ­Aurelia B20 GT. 2016 war ich mit meinem Sohn Benedikt nochmals im Mercedes-300-SL-Flügeltürer am Start.

Welche sind Ihre zwei wichtigsten Autos?
Den Aston Martin DB4 GT aus dem Jahr 1960 finde ich grossartig, ein Gentlemen Racer. Die Short-Wheel-Base-Version, also ein verkürztes Rennauto als Strassenversion, aus Aluminium gefertigt mit einem 300 PS starken Motor. Meiner ist linksgelenkt und wurde so nur 30 Mal gebaut. Eine Ikone als Sportauto ist der Porsche 550 Spyder. Bekannt als «Little Bastard», in dem James Dean gestorben ist. Mein Exemplar hat 1956 an der Mille Miglia teilgenommen und im selben Jahr den Grossen Preis am Nürburgring gewonnen. Mit dem bin ich dieses Jahr die Mille Miglia gefahren.