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Mit dem MBA ins Rennen um die grossen Saläre, auch wenn der Glamour etwas verblasst. Das Rating der besten Anbieter.
Ruedi Arnold
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Gross im Geschäft sind auch die Fachhochschulen. An sich wäre gegen ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft und Management nichts einzuwenden, würden sie ihre Angebote nach der Bologna-Doktrin Master of Advanced Studies (MAS) statt Master of Business Administration nennen. Doch weder die Fachhochschulen noch viele private Anbieter können gewährleisten, was der Brite George Bickerstaffe von MBA-Schulen fordert. Er schreibt seit 20 Jahren für die Economist Intelligence Unit die Bücher «Which MBA? Making the right choice of education». Sie verkaufen sich so gut, dass auch die jüngste Ausgabe von 2009 bereits vergriffen ist. Unerlässlich für einen MBA- oder EMBA-Studiengang sind nach seiner Überzeugung:
Globaler Titel. Sinnvoll ist ein MBA-Lehrgang nur für jene, die unternehmerische Verantwortung tragen werden. Das ist kaum denkbar ohne Kenntnis der globalen Märkte. Also sind es vorwiegend internationale Konzerne, die Wert auf Mitarbeitende mit MBA legen. Das IMD in Lausanne arbeitet mit über 1000 Unternehmen aus aller Welt zusammen. Mit 200 ist es eine sogenannte «learning partnership» eingegangen, darunter ABB, Daimler, IBM, Royal Dutch Shell, Caterpillar und Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern hatte 1957 die Business School Imede in Lausanne gegründet, die sich 1990 mit der Alcan-Gründung IMI in Genf zum IMD zusammenschloss.
In der Schweiz hat der MBA keine so grosse Bedeutung wie der EMBA, auch nicht unter Arbeitgebern. Danach gefragt, geben alle Banken und Versicherungen ähnliche Auskunft: Sie haben nichts gegen einen MBA-Abschluss, aber zwingend ist er für praktisch keine Funktion. Er ist nicht einmal für den Lohn relevant. Der richte sich nicht nach der Ausbildung, sondern nach Funktion und Leistung. Nicht einmal mehr die Beratungsunternehmen McKinsey oder Boston Consulting Group, bei denen viele mit MBA-Abschluss arbeiten, verlangen von ihren Bewerbern den Titel.
Ist der MBA-Titel also doch tot? Keineswegs, er hat einfach an Glamour verloren. Er hat dahin zurückgefunden, wohin er gehört: in die Palette aller anderen Mastertitel von Medizin bis Theologie, ohne Mythos und ohne übertriebene Erwartungen zu wecken. Er ist Zeugnis eines wissenschaftlich fundierten, in der Praxis abgestützten, von qualifizierten Professoren und Mitstudenten begleiteten anspruchsvollen Studiums in Betriebswirtschaft und Management. Aber er ist keine Garantie für den schnellen Weg nach oben und auch nicht für ein Traumsalär. «In der Schweiz ist der MBA-Titel zu wenig verbreitet, um seine Rendite zuverlässig zu berechnen», sagt der Bildungsökonom Stefan Wolter. «Dass ein allfällig höherer Lohn eine direkte Folge des MBA wäre, lässt sich kaum nachweisen.»
Was die Schulen nicht daran hindert, den Durchschnittslohn ihrer Absolventen vor und nach dem Studium zu publizieren (siehe Tabellen im Anhang). Das IMD Lausanne kommt nach eigenen Angaben auf einen Lohnsprung von 86 Prozent. Das ist – ebenso wie beim EMBA – weit weniger, als Business Schools in den USA ausweisen. Aber Vergleiche sind angesichts der unterschiedlichen Lohnstrukturen in der Schweiz und in den USA problematisch. Nicht einmal die Studiengebühren sind einfach zu vergleichen. In der Schweiz liegen sie für ein EMBA-Programm von etwa 18 Monaten bei 65 000 Franken. Zum Vergleich: Das Schulgeld für einen EMBA-Lehrgang am Insead bei Paris beträgt 90 000 Euro. Für Schweizer ist es immerhin möglich, ein paar Mal im Jahr nach Paris zu fahren. In den USA hingegen sind diese berufsbegleitenden Lehrgänge praktisch ausschliesslich für Amerikaner reserviert. Die Studiengebühren für einen normalen MBA-Lehrgang belaufen sich sowohl an der Universität St. Gallen als auch am IMD in Lausanne auf 60 000 Franken und in Harvard auf 48 300 Dollar. Doch Qualität lässt sich bekanntlich nicht am Preis messen.
Teurer Titel. Die Bereitschaft, für ein gutes Angebot viel zu zahlen, ist nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Arbeitgebern vorhanden. Viele grosse Unternehmen wissen offenbar sehr genau, was sie tun, wenn sie Leute mit MBA-Titel zu nicht eben bescheidenen Löhnen rekrutieren, wie eine weltweite Studie des Graduate Management Admission Council (GMAC) zeigt. Die Antworten aus 1900 Unternehmen in 57 Staaten sind für Schulen und Studierende eine Genugtuung: 99 Prozent sind «zufrieden» mit den Absolventen, 76 Prozent davon «sehr zufrieden». Denn die Masters of Business Administration zeichneten sich durch ihr überdurchschnittlich grosses Fachwissen aus. Geradezu auffallend seien ihre Kompetenz in Strategie, Innovation und Entscheidungsprozessen, aber auch ihre Leadership-Qualitäten. Ein besseres Zeugnis für MBA ist noch nie ausgestellt worden.
Die Einschätzung der Unternehmen zeigt auch, dass in Fachkreisen ein MBA-Lehrgang an der richtigen Business School respektiert wird. Diese Schulen selektieren derart streng und stellen so hohe Anforderungen an Studierende, dass sich die Absolventen nicht nur durch den Titel, sondern auch durch Tatkraft, Durchhaltewillen oder Analysefähigkeit auszeichnen. Viele fühlen sich zum MBA berufen, aber nur wenige sind auserwählt. Die wahren Masters of Business Administration sind eben immer noch eine Elite.
Weitere Informationen:
BILANZ-Dossier: Ausbildung & Studium
TopMBA Scorecard: Die richtige Universität für Ihr MBA
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