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Idorsia bringt alles mit für den Erfolg

Die Biotechfirma Idorsia feierte erfolgreich ihr Börsendebüt. Doch trotz des starken Rückhalts durch Actelion sind nicht alle Analysten überzeugt. Dabei sind die Voraussetzungen nicht schlecht.

Annika Janssen

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Idorsia: Von der Gründung bis zum Börsengang dauerte es nur ein paar Monate.Keystone RMS

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Von der Gründung bis zum Börsengang der Actelion-Abspaltung Idorsia dauerte es nur wenige Monate. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Actelion im Zuge der Übernahme durch den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft abspalten und an die Börse bringen wollte. Vor zwei Wochen war es dann schon so weit: Idorsia feierte ihr Börsendebüt an der Schweizer Börse SIX.

Und wie: Die Idorsia-Valoren kamen für zehn Franken an den Markt, wurden allein in den ersten drei Handelsstunden fast sieben Millionen Mal gehandelt und stiegen in diesem Zeitraum um 22 Prozent. Inzwischen steht der Kurs bei über 15 Franken – Tendenz steigend. Investoren haben offenbar grosses Vertrauen in den Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel, der die neue Forschungs-Abspaltung leiten wird.

Clozel war jahrelang Chef von Actelion und führte den Pharmakonzern mit Sitz in Allschwil im Kanton Basel-Land innerhalb weniger Jahre an die Spitze des europäischen Biotechnologie-Marktes. Mit Idorsia strebt er nun das gleiche Ziel an. Anleger erwarten anscheinend, dass ihm dieses Kunststück gelingen kann.

Gut gefüllte Produkt-Pipeline

Ob sie recht behalten, wird sich erst in vielen Monaten herausstellen. Die Voraussetzungen sind indes nicht schlecht: Idorsia hat mit Actelion einen starken Rückhalt. 650 ehemalige Mitarbeiter des Pharmakonzerns arbeiten nun für Idorsia, forschen vor allem zu Störungen des zentralen Nervensystems, Herz-Kreislauf- sowie Immunerkrankungen. Für ein gutes finanzielles Polster ist ebenfalls gesorgt: Aus dem Verkauf von Actelion an Johnson & Johnson dürfte der Forschungsabspaltung etwa eine Milliarde Franken zugeflossen sein.

Auch die Produkt-Pipeline von Idorsia ist schon jetzt gut gefüllt: Vier Wirkstoffe sind bereits in Phase II ihrer Entwicklung, fünf in verschiedenen Phase-I-Programmen. Am weitesten fortgeschritten in ihrer Entwicklung sind die beiden Wirkstoffe Ponesimod zur Behandlung Multipler Sklerose sowie das Antibiotikum Cadazolid. Sie gelten als vielversprechend. Bis sie zur Marktreife gelangen, dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern: Firmenchef Clozel will zwar schon in fünf Jahren mit dem Verkauf von zwei bis fünf Idorsia-Arzneimitteln starten.

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Experten uneins über Kursentwicklung

Analysten halten dieses Ziel jedoch für überaus ambitioniert: Zum einen dauert es bis zur Markteinführung eines Medikaments meist zehn Jahre oder mehr. Zum anderen gelangen manche Medikamente nie zur Marktreife, weil sie sich in der Studienphase oder in klinischen Tests als unbrauchbar herausstellen.

Analysten bewerten den Idorsia-Valor bislang recht unterschiedlich: Während die US-Investmentbank Jefferies ein Kursziel von 20 Franken avisiert und klar zum Kauf des Titels rät, senkte Notenstein La Roche vor wenigen Tagen den Daumen: Anleger sollten die Idorsia-Aktie verkaufen. Die monetäre Starthilfe von Johnson & Johnson werde rasch wegschmelzen. In den kommenden Jahren werde Idorsia erst einmal Geld verbrennen.

Bis die Actelion-Abspaltung tatsächlich Gewinne einfährt, dürfte es in der Tat noch eine Weile dauern. Dessen sollten Anleger sich bewusst sein, wenn sie einsteigen – und den Valor nur kaufen, wenn sie Geduld mitbringen. Dann könnte Idorsia in Zukunft durchaus für positive Überraschungen sorgen. Die Voraussetzungen dazu hat das Unternehmen.



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Das Machtnetz von Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel sehen Sie in der Bildergalerie:

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Das sind die Verbündeten und Gegner von Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel:
Die Verbündeten:Der frühere Roche-CEO und -Verwaltungsratspräsident Franz Humer hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Clozels Erfolg hatten. Jahrelang forschten Jean-Paul und seine Frau Martine für Roche. Als sie sich Mitte der 1990er Jahre dann selbständig machen wollten, hätte ihnen Humer mit einer Konkurrenzverbotsklausel das Leben schwer machen können - doch er legte ihnen keine Steine in den Weg. Daher ist Clozel heute noch freundschaftlich mit Humer verbunden.
Ein früher Förderer ist auch Stratec-Gründer Rudolf Maag, der bis heute mit rund fünf Prozent der zweitgrösste Actelion-Aktionär ist. Er unterstützte Clozel 2011 im Kampf gegen den Hedge-Fund-Investor Paul Singer, damit Actelion unabhängig bleibt.
Eine schwierige Rolle hat Actelion-VR-Präsident Jean-Pierre Garnier. Der Ex-CEO des Pharmariesen GlaxoSmithKline muss die Interessen aller Aktionäre wahren. «Garnier ist sehr um seine eigene Reputation besorgt», meint ein Ex-Actelion-Kadermann. Einen Affront gegen die Eheleute Clozel kann sich Garnier auch kaum leisten. Sollten sie im Zuge der Übernahme gehen, würden vermutlich weitere Schlüsselmitarbeiter das Weite suchen. Actelions Kapital sind aber ihre klugen Köpfe.
Die Gegner:«Geld ist ihm nicht so wichtig», sagen Vertraute über Clozel. Unabhängigkeit dagegen umso mehr. 2011 geriet der Actelion-Gründer deswegen heftig mit dem US-Investor Paul Singer aneinander. Der war mit seinem Hedge Fund Elliott Management mit gut fünf Prozent bei Actelion eingestiegen. Das Ziel: Das Unternehmen sollte die Strategie ändern und sich als Übernahmeziel andienen. Dazu wollte Singer den Verwaltungsrat neu besetzen lassen...
Beim Showdown an der Generalversammlung hielten die Aktionäre indes Clozel die Stange. «Der Kampf hat ihn persönlich stark mitgenommen», erinnert sich ein Weggefährte.
In Sachen Übernahmen hat aber auch Clozel schon Niederlagen einstecken müssen. 2015 wollte er das US-Biotech-Unternehmen ZS Pharma kaufen, das auf Mittel gegen Kaliumüberschuss spezialisiert ist. Damit sollte das Portfolio verbreitert werden...
Doch AstraZeneca-CEO Pascal Soriot schnappte Clozel das Unternehmen für 2,7 Milliarden Dollar vor der Nase weg. Nun ist Clozel wieder der Gejagte.
Auch Sanofi-Chef Olivier Brandicourt buhlte bereits um das Allschwiler Erfolgsunternehmen. Die Franzosen wollten Actelion jedoch ganz schlucken - was Clozel offenbar nicht passte. Daher setzte er sich überraschend wieder mit Johnson & Johnson an den Verhandlungstisch.Bilder: Keystone
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