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Das ist das Machtnetz von Actelion-Gründer Clozel

Mit dem Verkauf von Actelion an Johnson & Johnson geht für Gründer Jean-Paul Clozel eine Ära zu Ende. Wer ihn bei seinem Erfolg begleitet hat - und wer ihm Steine in den Weg gelegt hat.

Holger Alich

Das sind die Verbündeten und Gegner von Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel:
Die Verbündeten:Der frühere Roche-CEO und -Verwaltungsratspräsident Franz Humer hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Clozels Erfolg hatten. Jahrelang forschten Jean-Paul und seine Frau Martine für Roche. Als sie sich Mitte der 1990er Jahre dann selbständig machen wollten, hätte ihnen Humer mit einer Konkurrenzverbotsklausel das Leben schwer machen können - doch er legte ihnen keine Steine in den Weg. Daher ist Clozel heute noch freundschaftlich mit Humer verbunden.
Ein früher Förderer ist auch Stratec-Gründer Rudolf Maag, der bis heute mit rund fünf Prozent der zweitgrösste Actelion-Aktionär ist. Er unterstützte Clozel 2011 im Kampf gegen den Hedge-Fund-Investor Paul Singer, damit Actelion unabhängig bleibt.
Eine schwierige Rolle hat Actelion-VR-Präsident Jean-Pierre Garnier. Der Ex-CEO des Pharmariesen GlaxoSmithKline muss die Interessen aller Aktionäre wahren. «Garnier ist sehr um seine eigene Reputation besorgt», meint ein Ex-Actelion-Kadermann. Einen Affront gegen die Eheleute Clozel kann sich Garnier auch kaum leisten. Sollten sie im Zuge der Übernahme gehen, würden vermutlich weitere Schlüsselmitarbeiter das Weite suchen. Actelions Kapital sind aber ihre klugen Köpfe.
Die Gegner:«Geld ist ihm nicht so wichtig», sagen Vertraute über Clozel. Unabhängigkeit dagegen umso mehr. 2011 geriet der Actelion-Gründer deswegen heftig mit dem US-Investor Paul Singer aneinander. Der war mit seinem Hedge Fund Elliott Management mit gut fünf Prozent bei Actelion eingestiegen. Das Ziel: Das Unternehmen sollte die Strategie ändern und sich als Übernahmeziel andienen. Dazu wollte Singer den Verwaltungsrat neu besetzen lassen...
Beim Showdown an der Generalversammlung hielten die Aktionäre indes Clozel die Stange. «Der Kampf hat ihn persönlich stark mitgenommen», erinnert sich ein Weggefährte.
In Sachen Übernahmen hat aber auch Clozel schon Niederlagen einstecken müssen. 2015 wollte er das US-Biotech-Unternehmen ZS Pharma kaufen, das auf Mittel gegen Kaliumüberschuss spezialisiert ist. Damit sollte das Portfolio verbreitert werden...
Doch AstraZeneca-CEO Pascal Soriot schnappte Clozel das Unternehmen für 2,7 Milliarden Dollar vor der Nase weg. Nun ist Clozel wieder der Gejagte.
Auch Sanofi-Chef Olivier Brandicourt buhlte bereits um das Allschwiler Erfolgsunternehmen. Die Franzosen wollten Actelion jedoch ganz schlucken - was Clozel offenbar nicht passte. Daher setzte er sich überraschend wieder mit Johnson & Johnson an den Verhandlungstisch.Bilder: Keystone
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RMS

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Der Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel (61) räumte selbst einmal ein, dass er ein Sturkopf sein könne. Das ist wohl ein Grund, warum die Übernahme des erfolgreichsten Schweizer Biotech-Unternehmens zu solch einem Krimi mutiert. Im November 2016 wurde bekannt, dass sich der US-Riese Johnson & Johnson ( J&J) für Actelion interessiert. Das Unternehmen hat sich dank seines Bestsellers Tracleer gegen Lungen-Bluthochdruck zu einem Milliardenkonzern gemausert. Doch die Gespräche platzten.
So brachte am 23. November die Agentur Bloomberg die Meldung, dass J&J nach Actelion greife. Unklar ist, wo das Leck lag. Das rief Sanofi auf den Plan - und die Franzosen überboten J&J.  J&Jweigerte sich die Offerte auf das Niveau der Franzosen nachzubessern - wo dieses lag, ist indes nicht bekannt. Am 13. Dezember bliesen die Amerikaner die Gespräche mit Actelion ab.

Clozel bleibt unabhängig

Doch die Franzosen vermasselten es. Die Amerikaner legten nach und bieten nun umgerechnet 280 Franken je Aktie und damit eine satte Prämie: Die Bank Alantra hatte für Actelion eine neutrale Bewertung vorgenommen; demnach liegt der faire Wert zwischen 206 und 230 Franken je Aktie.
Doch Geld hat den Forscher Clozel noch nie interessiert. Daher tüftelte er eine komplexe Struktur aus: J&J soll das bestehende Medikamentengeschäft bekommen. Und Clozel darf sich mit einer Rumpfmannschaft erneut ganz auf die Forschung konzentrieren. So bliebe Clozel unabhängig. Und die Actelion-Aktionäre könnten Kasse machen.

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Sehen Sie in der Bildergalerie oben die Verbündeten und Gegner von Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel.
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