Pfund unter Druck - Franken gefragt
Die heftigste Reaktion droht Experten zufolge an den Devisenmärkten. Nick Parsons, leitender Anlagestratege der National Australia Bank, erwartet eine Wiederholung des «Schwarzen Mittwochs». Am 16. September 1992 brach der Kurs des Pfund Sterling um 4,3 Prozent ein und die Währung fiel aus dem Europäischen Wechselkurssystem. Experten halten einen Fall des Pfund auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren fallen für möglich - das wäre der Fall, wenn die Währung auf knapp 1,35 Dollar abschmiert. Schon im Vorfeld geriet die Währung kräftig unter Druck. Aktuell kostet ein Pfund Sterling rund 1,41 Dollar.
Auch der Euro dürfte zum Dollar spürbar abwerten. Besonders schlimm könnte es kommen, sollten nach einem Votum der Briten für den EU-Austritt Spekulationen auf einen Sturz der Regierung von Premierminister David Cameron aufkommen. Dann seien Euro-Pfund-Notierungen um die Parität wahrscheinlich, prognostiziert Devisen-Expertin Sonja Marten von der DZ Bank. Derzeit notiert der Euro bei 1,12 Dollar.
Anleger werden dann wohl
in «sichere Häfen» wie den Schweizer Franken flüchten. Die Experten des Analysehauses Roubini erwarten, dass der Euro bei einem Brexit unter die Parität zum Franken sinkt - sofern die Schweizerische Notenbank (SNB) nicht unmittelbar gegensteuert. Einige Börsianer warnen allerdings, dass die SNB damit überfordert sein könnte - ähnlich wie vor rund einem Jahr, als sie die Koppelung des Franken-Kurses an den Euro aufgeben musste.
Entscheiden sich die Briten für den Verbleib in der EU, bekommt das Pfund Rückenwind. Nach Einschätzung der Berenberg Bank könnte es einen Teil der bisherigen Verluste ausgleichen. In den zwölf Monaten vor dem Referendum wertete das Pfund zu Dollar und Euro jeweils rund sieben Prozent ab.