Die Schweizer reisen mit einem roten, bei US-Bürgern ist er blau und bei Deutschen dunkel wie Burgunder: Der Reisepass variiert je nach Nation. Doch was bedeuten die verschiedenen Farben?
Corinna Clara Röttker
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Rangliste der Pässe, mit denen man die meisten Länder ohne Visum bereisen kann:An letzter Stelle steht der Pass aus Afghanistan. Das Dokument öffnet lediglich die Grenzen zu 25 Ländern. Das ist Rang 104 im Ranking von Henley & Partners.RMSSyrien liegt wenige Plätze vor Afghanistan - auf Rang 100. Besitzer dieses Passes können in 32 Länder reisen.RMSPalästina – der letztplatzierte aus dem Vorjahr – schneidet etwas besser ab als zuvor. Die Einreise ist in 37 Länder möglich, zuvor waren es nur 28. Das bedeutet Rang 97. Damit ist Palästina trotz besseren Abschneidens im Ranking nach hinten gerutscht...RMS... genauso wie der Südsudan...RMS... und Myanmar, dem ehemaligen Burma. Das hängt damit zusammen, dass sich die Verteilung differenziert hat. Im Vorjahr gab es viele Länder, die sich jeweils einen Rang teilten. In diesem Jahr ist der Index stärker gestaffelt.RMSDer Schweizer Pass ist auf dem 6. Rang. Eidgenossen können ohne Visum 172 Staaten besuchen. Das sind ganze 30 mehr als im Jahr zuvor – dennoch hat die Eidgenossenschaft einen Platz eingebüsst.RMSLuxemburg landet ebenfalls auf Rang 6, genauso wie Kanada, Norwegen, Portugal, Irland und...RMS... Südkorea. Das Land lag im Vorjahr noch auf Rang 2. Der Pass aus Südkorea ermöglicht seinen Bürgern den Zutritt zu 172 Staaten.RMSAuf Rang 5 vor der Schweiz platziert sind Japan...RMS... und Singapur. Auch Österreich landet auf Rang 4.RMSAuf Rang 3 stehen die Pässe aus den Niederlanden...RMS... und den USA. Bürger aus beiden Ländern können 174 Staaten ohne Visum besuchen. Dies ist auch...RMS... Dänen und Belgiern möglich.RMSFinnen...RMS... Italiener...RMS... und Franzosen reisen dafür in 175 Staaten ohne Probleme ein. Das gilt auch für...RMS... Briten und Spanier. Diese Nationen stehen auf Platz 3 im Ranking.RMSDie Pässe aus Schweden machen in 176 Staaten ein Visum überflüssig, und werden damit nur noch...RMS... von den Deutschen überboten. Mit einem deutschen Pass kommt man ohne Mühe in 177 Länder – das ist Platz 1. Einen Überblick über das gesamte Ranking gibt es hier.Bilder: KeystoneRMS
Am Flughafen beim Check-in blitzen sie auf, in rot, blau, grün oder schwarz: Reisepässe aus aller Welt. Der Schweizer Pass ist zum Beispiel leuchtend rot, der US-amerikanische blau, der deutsche – und zugleich weltweit mächtigste – burgunderrot (siehe Bildergalerie oben). Dabei bedeuten die verschiedenen Farben – ja, was eigentlich?
Lange Zeit kursierten darüber viele irrige Annahmen. So wurde verschiedentlich behauptet, dass die Farbe etwas über den völkerrechtlichen Status eines Landes aussagte. Die Pässe souveräner Staaten seien blau und die Reisepässe von abhängigen Staaten und besetzten Gebieten rot. Grün seien besondere Pässe wie zum Beispiel der Diplomatenpass. Diese Mutmassungen eint eines – sie sind alle Humbug.
In Rot, Blau, Grün und Schwarz
Während Grösse und Format eines Passes von der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) genau vorgeschrieben sind – 125 Millimeter lang und 88 Millimeter breit muss er sein – können Regierungen auf der ganzen Welt die Farbe und das Design des Dokuments frei entscheiden.
Wichtig ist die Wahl der Farbe. Grundsätzlich würden Reisepässe nur in den vier Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz hergestellt, sagt Hrant Boghossian, Vizepräsident der Arton Group, die die Datenbank «Passport Index» betreut. Allerdings seien Abstufungen möglich. «Letzten Endes gibt es dadurch viele Pass-Farben», sagte Boghossian gegenüber dem «Business Insider».
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EU-Mitgliedstaaten haben Burgunderrot
So haben sich die meisten EU-Mitgliedstaaten für ein Burgunderrot entschieden, um ihre Zugehörigkeit zur Europäischen Union auszudrücken. Auch die Türkei möchte dazu gehören und passte laut Boghossian ihren Pass entsprechend an.
Bereits 1975 wollten die Mitglieder der damaligen Europäischen Gemeinschaft erstmals die Farbe der Pässe vereinheitlichen – ein helles Lila sollte es werden. Nach regem Widerstand einigte man sich sechs Jahre später dann doch auf Burgunderrot, vermutlich weil es hier die meiste Zustimmung gab. Heute haben nahezu alle Europäischen Staaten dieselbe Passfarbe, doch es gibt Ausreisser: So setzt unter anderem der Vatikan auf einen grünen Pass, hellblau ist der aus San Marino und Luxemburger und Kroaten reisen mit einem blauen Pass.
Geografische und politische Motive
Hinter der Farbwahl können geografische und politische Motive stecken, sagt Boghossian. «Einige argumentieren, dass das Burgunderrot auf die kommunistische Vergangenheit zurückgeht.» Blau würde hingegen die neue Welt der Nationen in Nord- und Südamerika sowie in Ozeanien symbolisieren. Bei anderen Ländern wiederum spiegelt die Passfarbe die Kultur oder Religion wider, wie in Marokko, Pakistan oder Saudi-Arabien, wo die Reisepässe unterschiedlich grün sind. «Viele islamistischen Staaten haben grüne Pässe, da die Farbe eine grosse Bedeutung in ihrer Religion hat», sagt Boghossian. Grün findet sich nicht nur in der Flagge wieder, es soll auch als Symbol für die Natur und das Leben die Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed gewesen sein.
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Andere Nationen wählten demgegenüber ihre Farbe, um sich von anderen Nationen zu unterscheiden und ihre einzigartige Identität zu reflektieren, wie die Schweiz mit einem kräftigen Rot oder Singapur mit Hellorange. Besonders rege hat die USA ihre Passfarbe gewechselt: Erst war das Dokument rot, dann grün, heute ist es blau.
Reisen mit Stil
Neben politischen und geografischen Motiven spielt bei der Farbwahl auch die Verfügbarkeit der Materialien eine Rolle. «Die Produktion von Reisepässen ist ein stark kontrollierter Prozess, den nur wenige Unternehmen auf der Welt durchführen», so Boghossian.
Einige Staaten werden dennoch über die Farbe hinaus kreativ. Stilsicher in puncto Pass zeigen sich Länder wie Kanada, Grossbritannien, die USA, China und Norwegen. Denn ihre Reisepässe haben versteckte Bilder, die nur unter UV-Licht sichtbar werden.
Die Norweger beispielsweise zeigen bei der Kontrolle ein Heftchen in weiss, türkis oder koralle vor. Sobald man den Pass aufklappt, erscheint das Bild einer klassischen norwegischen Landschaft: viel Natur, viele Berge, viel Wasser. Wenn UV-Licht darauf scheint, erscheint dieselbe Kulisse bei Nacht – inklusive Polarlichtern. Bei den Finnen hingegen lässt ein Daumenkino einen Elch über die Seiten des Passes schreiten.
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Die mächtigsten Reisepässe der Welt sehen Sie in der Bilderstrecke oben.