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Eiszeit

Apples Historie lässt für die Aktie wenig Gutes erahnen

Für Apple-Anleger war der jüngste Kurssturz eine herbe Enttäuschung. Doch es könnte noch schlimmer kommen - zumindest lässt das die Historie des Konzerns erahnen. Kommt eine neue Eiszeit auf Apple zu?

Karen Merkel-Gyger

Aktuell steht die sechste Generation der iPhones in den Geschäften. Seit der Lancierung 2007 haben die Verkäufe 35 Quartale in Folge zugelegt. Nun wurde der Trend gebrochen. Doch während Apple vor dem iPhone mit anderen Produkten Grosserfolge feiern konnte, ist noch immer unklar, was danach kommen soll.Die früheren Erfolge von Apple sowie die möglichen Kandidaten für die Nachfolge des iPhone:
Der iMac, das iBook und später das MacBook begeisterten viele Nutzer und machten diese zu eingefleischten Apple-Fans.
2001 begann die Erfolgsgeschichte des MP3-Players iPod, der sich in der Folge als Marktführer etablierte. Nach dem Ausflug in die Musikwelt setzte Apple 2007 zum iPhone-Grosserfolg an. Im gleichen Jahr wurde auch...
... Apple TV lanciert. Mittlerweile wird die vierte Generation der Fernseh-Box produziert. Auch wenn das kleine schwarze Gerät seine Nutzer gefunden hat, grosse Emotionen verbindet damit niemand.
Das erste iPad wurde 2010 vorgestellt. Im letzten Herbst bekam das Apple-Tablet mit dem Pencil ein neues Hilfsgerät, und doch sind die Verkaufszahlen weiter rückläufig.
Die grosse Hoffnung des Techriesen steckte 2015 in der Apple Watch. Um die Verkaufszahlen der Smartwatch macht Apple ein grosses Geheimnis, so werden sie nicht separat ausgewiesen, sondern mit anderen Produkten zusammen. Gegen die Konkurrenz konnte sich die Uhr zwar behaupten, sie ist wohl Marktführer. Doch Analysten zeigen sich enttäuscht von den Verkaufszahlen und rechnen damit, dass diese nach einem kurzen Anstieg schon wieder abnehmen.
Momentan liegt Virtual Reality im Trend. Auch Apple will wohl auf den Zug aufspringen. Bisher ist bekannt, dass Patente zu VR-Produkten angemeldet wurden und Tim Cook das Team um VR-Experten ergänzt hatte. Bei der Quartalspräsentation im Januar meinte der CEO zu VR: «Im Bezug auf VR glaube ich nicht, dass das eine Nische ist. Es ist ziemlich cool und hat einige interessante Anwendungen.» Im Gegensatz zu Facebook konnte Apple aber bisher kein Virtual-Reality-Produkt präsentieren.
Ein grosses Geheimnis macht Apple um sein Autoprojekt namens «Titan». Anfang Jahr hat die Webseite «macrumors.com» aufgedeckt, dass der Techkonzern die Domains apple.car, apple.cars und apple.auto reservieren lassen hat. Bislang gibt es dazu fast nur Fragen. Will Apple ein komplettes Auto bauen oder sein Know-How einem Autohersteller zur Verfügung stellen? Soll das Auto selbstfahrend sein oder einfach smart?
Angeblich sind vor kurzem Gespräche über eine Kooperation mit BMW und Daimler gescheitert. Die neueste Meldung betrifft einen hochkarätigen Neuzugang von Tesla. Prototyp-Spezialist David Masiukiewicz verstärkt nun das Team. Die spärlichen Fakten machen eine Prognose zum iCar schwierig. Allerdings ist davon auszugehen, dass es kein Massenprodukt wird.Bei Apple weiss man nie... doch ein Nachfolger des iPhones ist bislang nicht in Sicht.Bilder: Keystone
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Aktuell steht die sechste Generation der iPhones in den Geschäften. Seit der Lancierung 2007 haben die Verkäufe 35 Quartale in Folge zugelegt. Nun wurde der Trend gebrochen. Doch während Apple vor dem iPhone mit anderen Produkten Grosserfolge feiern konnte, ist noch immer unklar, was danach kommen soll.Die früheren Erfolge von Apple sowie die möglichen Kandidaten für die Nachfolge des iPhone: RMS

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Apple ist eine sichere Bank, Top-Aktie, eine Goldgrube für Anleger. Daran hätte in den vergangenen Jahren niemand gezweifelt, das Papier schrieb immer neue Positivrekorde. Kein Wunder ist die Apple-Aktie noch immer der beliebteste US-Titel. Umso herber fiel die Enttäuschung der Anleger Ende April aus, als die Aktie nach der Publikation der schwächeren iPhone-Verkäufe radikal tauchte und jetzt weniger als 100 Dollar wert ist.

Die Verluste trafen die erfolgsverwöhnten Investoren zwar nicht völlig überraschend, aber in schmerzhaftem Ausmass. Zumal den Apple-Anlegern für lange Zeit keine Erfolgsmeldung gigantisch genug sein konnte – was sich oft in einem Absacken des Aktienkurses zeigte, selbst wenn Apple hervorragende Zahlen oder neue Bestseller präsentierte. Die Erwartungen waren einfach immer noch ein bisschen höher gewesen.

Hype um Apple-Aktie symptomatisch für den Konzern

Der Hype um das Apple-Papier ist dabei symptomatisch auch für die Börsenhistorie des Konzerns, sie ist wie die Entwicklung des Unternehmens selbst oft eine Geschichte der Extreme. Längst nicht in allen Zeiten war der Kauf des Papiers empfehlenswert – auch wenn es langfristig Traumrenditen vorweisen kann.

Der Auftakt gelang furios: Apple startete 1980 als erstes Garagenunternehmen auf dem Parkett, sechs Jahre übrigens vor dem Erzrivalen Microsoft. Der IPO war damals der grösste, seitdem Autobauer Ford 1956 den Schritt gewagt hatte. Das Papier von Apple legte am ersten Tag um 30 Prozent auf knapp 29 Dollar zu und machte die ersten 300 Anteilseigner schwerreich. 40 der Millionäre über Nacht waren Mitarbeiter von Apple.

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Abhängig von Mac-Verkäufen

Bereits in den Achtzigern kam das erste Tief, so richtig harzig wurde es allerdings Mitte der Neunziger. Das Unternehmen stand vor der Insolvenz, während Konkurrent Microsoft mit Windows 95 triumphierte. Damals stand Apple vor dem gleichen Dilemma wie heute mit dem iPhone: Das Unternehmen war zu stark von den Mac-Verkäufen abhängig. Sobald die Nachfrage sank, kam der Konzern ins Straucheln, die Aktie dümpelte bei einem Wert um die 10 US-Dollar.

Mit der Rückkehr von Steve Jobs konnte Apple mit dem iMac noch einmal punkten, auch wenn zu Beginn des Millenniums die Dotcom-Blase das Papier unter Druck setzte. Erst in den darauffolgenden Jahren befreite Apple sich von seiner Abhängigkeit von Computern, mit dem Erfolg des iPods und schliesslich des iPhones. Das Kult-Smartphone bescherte der Apple-Aktie einen sagenhaften Boom, in den Jahren nach 2012 vervierfachte das Papier seinen Wert bis zum Höhepunkt von knapp 700 US-Dollar. Die Apple-Aktie wurde zum Jackpot für Anleger, auch bereits vor dem Aktiensplit von 1:7 im Jahr 2014.

Apple steht vor einem altbekannten Dilemma

Diese Karte, so zeigt das Straucheln im April, ist aber nahezu ausgereizt. Der iPhone-Markt im Westen und den USA ist weitgehend gesättigt, China als grösster Apple-Wachstumsmarkt problematisch, da politisch unzuverlässig. Vor allem aber befindet sich der Konzern in einem altbekannten Dilemma: Wieder einmal fehlt die zündende Idee, welches Produkt der nächste Bestseller werden könnte. Kommt mit dem nachlassenden Interesse am iPhone also eine neue Eiszeit auf Apple zu?

Grossinvestor Carl Icahn jedenfalls hat die Reissleine gezogen und seine Anteile mit einem Gewinn für 2 Milliarden US-Dollar verkauft. Das bröckelnde Vertrauen der Anleger hat CEO Tim Cook zu einer Verteidigungsrede veranlasst: Die Reaktion der Wall Street sei überzogen, sagte er im US-Fernsehen und rief in Erinnerung, dass 10 Milliarden Dollar Quartalsgewinn nicht zu verachten seien. Die Anleger haben ihm anscheinend noch einmal ihr Vertrauen geschenkt: Am Tag nach der TV-Rede lag das Apple-Papier erstmals seit Ende April im Plus. Mittelfristig aber wird Tim Cook andere Antworten liefern müssen.

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