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ZKB-Anlagechefin

«Investoren lassen sich nicht steuern»

Anja Hochberg im Kurzinterview: Die Bankerin bleibt optimistisch für US-Staatsanleihen.

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<p>Anja Hochberg ist seit Anfang dieses Jahres Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Leiterin Investment Solutions im Private Banking.</p>

Anja Hochberg ist seit Anfang dieses Jahres Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Leiterin Investment Solutions im Private Banking.

Christian Grund

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Europäische Politiker haben Verkäufe von Treasuries als Druckmittel im Grönland-Streit diskutiert. Sind Käufe und Verkäufe von US-Anleihen heute ein politisches Statement?

Das ist kein neues Phänomen. Schon während anderer geopolitischer Krisen oder auch währungspolitischer Diskussionen, zuletzt im vergangenen Jahr bei der Zolldebatte, ist das Thema aufgekommen. Es hat sich aber nie wirklich materialisiert.

Ein dänischer Pensionsfonds hatte angekündigt, US-Staatstitel im Wert von 100 Millionen Dollar abzustossen. Was hat das für eine Wirkung?

Es gibt sogenannte Ankündigungseffekte, bei denen kleinere Bewegungen sichtbar werden. Grundsätzlich können diese Volumina den Markt aber nicht wesentlich beeinflussen. Denn das tägliche Handelsvolumen von Treasuries liegt bei etwa einer Billion Dollar, da fallen 100 Millionen kaum ins Gewicht.

Trotzdem hat der US-Präsident Vergeltung angedroht, sollten europäische Länder US-Titel verkaufen.

Vermutlich will Donald Trump mit solchen Aussagen eine weitere Drohkulisse aufbauen. Aber wird er das auch umsetzen? Ankündigungen wurden oft revidiert. Letztlich würden Gegenmassnahmen vor allem die eigenen Interessen beeinträchtigen.

Wie wirken solche Drohungen auf Anleger?

Investoren lassen sich davon nicht beeindrucken, gerade weil sie im Auftrag ihrer Kunden handeln. Der US-Präsident könnte es rein theoretisch erschweren, US-Titel zu verkaufen, indem er dies hoch besteuert. Aber er kann Anleger nicht zwingen, US-Staatsanleihen zu kaufen. Bei einem Käuferstreik bei einer Emission wäre er machtlos.

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Wie bitte?

Ein sogenannter Anlegerstreik wäre dramatisch. Dann würden die Refinanzierungskosten deutlich ansteigen. Zur Not müsste die Fed einspringen, die bislang eher US-Staatsanleihen in der Bilanz verkauft hat. Zudem sind jüngst die Emissionen neuer US-Bonds aufgrund der attraktiven Zinsen ganz gut gelaufen.

Trotz der hohen US-Staatsschulden?

Die Staatsverschuldung in den USA ist mit mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts tatsächlich sehr hoch. Trotzdem geht man im Moment davon aus, dass die USA die Zinsen für ihre Schulden weiterhin zahlen können. Und nur das zählt für Investoren.

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Anne-Barbara Luft
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