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Rohstoffriese Glencore steckt tief im Minus; Montana Aerospace fliegt in ertragreichere Sphären; Medacta wächst mit hoher Kadenz.
Glencore-Chef Gary Nagle (l.) gerät wegen schlechter Zahlen von Aktionärsseite unter Druck, darunter Ex-CEO Ivan Glasenberg.
Keystone, PR / BILANZ-CollageBeim lange Zeit erfolgsverwöhnten Rohstoffkonzern Glencore bleiben die Erfolge aus. Nach einem Jahr mit tiefroten Zahlen resultierte auch im ersten Semester 2025 bei gehaltenem Umsatz ein saftiger Verlust. Primär verantwortlich dafür ist der Preisrückgang bei Kohle. Ausgerechnet Kohle: Konzernchef Gary Nagle (50) wollte diese Sparte einst abspalten und an die Börse bringen, die Aktionäre schossen den Plan ab. Nun flüchtet sich das Management in Durchhalteparolen: Alles werde gut, der Kohlepreis werde wieder steigen, ebenso die Produktion von Kupfer.
Doch von Aktionärsseite steigt der Druck auf Nagle. Auch der mit zehn Prozent grösste Anteilseigner, der ehemalige CEO Ivan Glasenberg (68), hat kaum Freude am Kursverlauf. Die Aktien haben seit Januar einen Viertel an Wert eingebüsst, seit Anfang 2023 gingen mehr als 50 Prozent futsch. Dahinter steckt auch ein Käuferstreik durch institutionelle Anleger, denn für viele sind Firmen mit starkem Kohlegeschäft tabu. Bei Glencore in Baar wird gewerweisst, wie Mehrwert zu schaffen wäre. Eine aggressive Vorwärtsstrategie, die Fusion mit dem Bergbauunternehmen Rio Tinto, ist geplatzt. Worauf Nagle laut darüber sinnierte, die Hauptnotierung der Aktien von London nach New York zu verlagern, wohl weil Amerikaner Glencores Werte mehr zu schätzen wüssten. Doch auch diese Idee zerstob.
Daneben kämpft Glencore an weiteren Fronten. So wird der Kupferabbau zurückgefahren, in Kongo stapeln sich Kobaltvorräte, weil die Regierung ein Exportverbot verhängt hat. Derweil rückt die Konkurrenz, gerade in der Schweiz, dem Konzern auf den Pelz. Glencore muss sich, zumindest in Teilbereichen, neu erfinden. Ich fasse die Aktien erst wieder an, wenn Nagle zum Befreiungsschlag ansetzt.
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