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Richemont zeigt sich in aufsteigender Form; Siegfried ist etwas für geduldige Investoren; Implenia profitiert von der besseren Baukonjunktur.
CEO Nicolas Bos liefert mit Richemont schöne Umsatzzahlen ab.
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Mit Spannung haben die Investoren Mitte Januar die Resultate von Richemont für das dritte Quartal 2025 erwartet. Und der Genfer Schmuck- und Uhrenkonzern hat geliefert: Ein Umsatzplus von vier Prozent mag zwar auf den ersten Blick nicht als Glanzleistung durchgehen – nur hatte das Vergleichsquartal des Vorjahres Rekordverkäufe gebracht. In Lokalwährungen resultierte sogar ein Plus von 11 Prozent. Mit einem Zuwachs von währungsbereinigt 14 Prozent glänzte einmal mehr die Schmucksparte. Doch auch die Zunahme von 7 Prozent im Uhrengeschäft ist mit Blick auf die Absatzschwierigkeiten dieser Branche erfreulich.
Quartalserträge hat der von CEO Nicolas Bos (54) und Präsident sowie Hauptaktionär Johann Rupert (75) dirigierte Luxuskonzern keine veröffentlicht. Die Gewinnentwicklung dürfte 2025/26 schwach ausfallen; negative Währungseffekte und der hohe Goldpreis bremsen. Doch die Firma befindet sich in aufsteigender Form. Der grosse Trumpf, Schmuckmarken wie Cartier und Van Cleef & Arpels, wird auch künftig stechen. Das Uhrengeschäft zieht ebenfalls leicht an, der wichtige China-Markt hat die Talsohle überwunden.
Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch
Es wird dauern, bis sich die positiven Aussichten im Aktienkurs niederschlagen. Die volatilen Valoren sind schwach in dieses Jahr gestartet. Mit einem für 2026/27 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 sind sie im historischen Vergleich hoch bewertet. Bei starken Kursrücksetzern sind gestaffelte Zukäufe empfehlenswert – im Bewusstsein, dass das Investment mittelfristig ausgerichtet sein muss.
Einst gehörten die Aktien des Pharma-Auftragsfertigers Siegfried zu den verlässlichen Gewinnern. Doch seit dem im September 2024 markierten historischen Höchstkurs geht es bergab, bislang stellen sich die Verluste auf 30 Prozent. Die Zahlen der Zofinger für das erste Halbjahr 2025 sind denn auch etwas unter den Erwartungen ausgefallen. Immerhin ist für das gesamte Jahr ein leichtes Wachstum zu erwarten; am 20. Februar wissen wir mehr.
Neben der Wachstumsschwäche leidet Siegfried unter der von Donald Trump fleissig befeuerten Verunsicherung der Pharmabranche. Dazu gesellen sich die für heimische Gesellschaften üblichen Probleme wie der starke Franken. Mittelfristig aber sind die Aussichten gut. Immer mehr kleine bis mittlere Firmen entwickeln Phamawirkstoffe. Doch weil sie keine eigenen Fertigungsstätten unterhalten, kommen Auftragsfertiger wie Lonza, Dottikon ES und eben Siegfried zum Handkuss. Und so dürfte der Gewinn bald wieder im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Auch ist die Kriegskasse gut gefüllt, Übernahmen könnten den Aktienkurs ankurbeln.
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Das Gros der Analysten ist positiv gestimmt, die Zürcher und die Basler Kantonalbank führen Siegfried auf der Liste der Jahresfavoriten. Ein geschätztes KGV von 20 für dieses und 17 für nächstes Jahr weist wieder auf Kurspotenzial hin, doch ist Geduld gefragt.
Noch im Sommer erwartete das Management von Schweiter Technologies einen leicht besseren Geschäftsgang im zweiten Halbjahr. Im Dezember tönte es aber vom Spezialisten für Verbund- und Leichtbauwerkstoffe plötzlich anders. Nun war die Rede von einem Umsatzrückgang von 11 Prozent, die Ebitda-Marge wird auf etwa 8 Prozent veranschlagt; im ersten Semester resultierten noch 8,8 Prozent. Für die Verschlechterung werden Allerweltsgründe angeführt wie die schwache Verbraucherstimmung oder das unsichere Umfeld. Wenig überraschend verloren die Aktien an Boden. Dabei stehen sie schon lange unter Druck; alleine im Jahresvergleich hat sich der Kurs halbiert.
Kein Wort dagegen zu den Aussichten. Das hat die Finanzanalysten verunsichert. Helvea etwa erwartet für 2026 einen Gewinnrückgang auf 8.87 Franken pro Aktie, während die Zürcher Kantonalbank eine Zunahme auf 28 Franken prognostiziert. Ich sehe noch keine Trendwende bei Schweiter und lasse die Aktien vorderhand links liegen.
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«Implenia mausert sich zur Profitmaschine», betitelte die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft» den Bericht über das erste Halbjahr des Baukonzerns. Damals konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nun hat Implenia den Gewinn zwar um 26 Prozent gesteigert, doch entspricht dieser nur einer hauchdünnen Umsatzmarge von 1,8 Prozent. Auch die Ebit-Marge von 3,1 Prozent ist nicht glanzvoll.
Die Erträge dürften sich im zweiten Halbjahr 2025 verbessert haben, doch bleiben die Margen mickrig – da kann die Mannschaft von CEO Jens Vollmar (41) einen noch so guten Job machen. Anderseits sind Minimargen ein Merkmal der Branche. Während einige Firmen darunter leiden, schlägt sich Implenia recht gut. Dennoch resultieren die mageren Erträge in einer Eigenkapitalquote von gerade mal 21,3 Prozent. Und weil deren Verbesserung vorrangig ist, werden vom Gewinn nur 18 Prozent ausgeschüttet.
Das stört die Anleger kaum, haben doch die Aktien seit Anfang 2025 rund 130 Prozent zugelegt. Kurstreiber sind die Aussichten: Die Baukonjunktur zieht europaweit an, Implenia hat einige Grossaufträge an Land gezogen. Die Valoren sind ungeachtet der Hausse nicht überbewertet, wie das für 2026 geschätzte KGV von 13 zeigt. Die Aktien bleiben attraktiv, doch ist kurzfristig die Luft für weitere Kursavancen dünn geworden.
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