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Roman von Ah: «Überteuerte Blue Chips»

Der Nebenwerte-Experte hält es derzeit für eine sehr gute Idee, in Aktien von kleineren Firmen zu investieren.

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Herr von Ah, was spricht im Moment für Nebenwerte, was dagegen?

Die Aktien der grosskapitalisierten Unternehmen schwingen im Durchschnitt bewertungsmässig weit obenaus. Die starke Wachstumsverlangsamung in Europa hat viele Leute in diese sogenannten Qualitätswerte getrieben. Der Zeitpunkt ist gekommen, um sich auf der anderen Seite zu positionieren, in den ­Aktien der kleineren Firmen.

Warum gerade jetzt?

Das wirtschaftliche Umfeld sieht nicht so schlecht aus. Besser jedenfalls, als dass ich mein Geld weiter ausschliesslich in die überteuerten Blue Chips stecken würde. Wir glauben, dass Amerika die wirtschaftlichen Probleme langsam in den Griff bekommt und Europa Anschluss findet. Es gibt zunehmend gute Gründe dafür, das Engagement in den Nebenwerten zu verstärken – besonders in jenen mit industrieller Prägung.

Warum gerade Industrietitel?

Die Industrienebenwerte haben hierzulande schon starke Kurskorrekturen erfahren.

Welche Industrietitel bevorzugen Sie?

Dätwyler ist eine Wachstumsstory. Der Konzern wird kontinuierlich umgebaut, die Profitabilität steigt, und die Bewertung stimmt. Mit ­Belimo setzen wir auf die Erholung im US-Immobilienmarkt. Auch Georg Fischer hat Aufholpotenzial. Der Titel wurde ungerechtfertigt abgestraft, hat eine interessante Bewertung und dürfte sich erholen.

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Warum setzen Sie mit Ihrem Fonds nicht ausschliesslich auf Nebenwerte?

Blue Chips und Nebenwerte stehen performancemässig in einem wechselseitigen Verhältnis. Seit zwei Jahren laufen die Blue Chips besser, weil die Anleger Stabilität und Sicherheit suchen. Aber wenn sich die Verhältnisse ändern, wechseln die Anleger die Pferde. Dann sind die Nebenwerte klar vorne. Diese Rotation ist ein empirisch belegbares Phänomen, und unser Fonds versucht, diese wechselnden Präferenzen der Anleger auszuspielen.

Nach welchem zentralen Kriterium wählen Sie die Aktien aus?

Unsere Analyse orientiert sich an drei Faktoren: an der Substanz, der Marktkapitalisierung der Unternehmen und der Dynamik der Kursentwicklung, also dem Momentum.

Welches Kriterium überwiegt im Moment?

Die tiefe Bewertung ist für mich ­gegenwärtig das gewichtigste Argument für Nebenwerte. Allerdings ist auch der Umstand, dass diese Titel nun schon seit zwei Jahren schlechter laufen als die Blue Chips, sehr ­ungewöhnlich.

Welche Rolle spielt das Momentum?

Es nützt mir als Anleger wenig, wenn ich als Einziger eine besonders günstig bewertete Firma entdecke. Durch mich allein kommt der Aktienkurs nicht in Fahrt. Deshalb muss ich beim Vorausfahren immer auch ein Auge auf den Rückspiegel haben. Es ist zugegebenermassen nicht ungefährlich, so in der Welt herumzufahren. Aber als Portfolio Manager muss ich schauen, ob die tiefe Bewertung einer Aktie im Markt auch wahrgenommen wird und sich in einer besseren Kursentwicklung zu manifestieren beginnt.

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