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Crashtest

Der Babelfisch ist jetzt Realität

Timekettle macht mit den Ohrhörern W4 AI den Traum vom Live-Übersetzen war. Das lässt sich der Hersteller teuer bezahlen.

Marc Kowalsky

<p>Die Ohrstöpsel von Timekettle versprechen Live-Übersetzungen in 42 Sprachen.</p>

Die Ohrstöpsel von Timekettle versprechen Live-Übersetzungen in 42 Sprachen.

kornel.ch für BILANZ

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Wenn ich bei der Familie meiner Frau bin, träume ich vom Babelfisch, jener Kreatur des englischen Autors Douglas Adams, die man sich ins Ohr einführt und dadurch alle Sprachen der Welt versteht. Denn meine Frau kommt aus Polen, die Familie spricht nur Polnisch und Russisch, aber ich leider keines von beiden. Google Translate und Hardware wie der Pocketalk Plus sind leider keine echte Lösung für das Problem.

47 Jahre nach «Per Anhalter durch die Galaxis» ist der Babelfisch nun Realität, in Form der Ohrstöpsel W4 AI der chinesischen Firma Timekettle. Sie erinnern an Apples AirPods, sind aber ungleich klobiger; Gleiches gilt für den Ladecase. Vor allem sitzen sie nicht bequem und fallen aus den Ohren, wenn man sich schnell bewegt. Laut Hersteller sollen Siliconstöpsel und Ohrhaken im Lieferumfang genau dies vermeiden. Bei meinem Gerät fehlten sie.

Marc Kowalsky ist ein Early Digital Immigrant: Seit über 35 Jahren fühlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

42 Sprachen und 95 Akzente versteht der Timekettle. Für die Benutzung braucht die App eine Internetverbindung zum KI-Server, 13 Sprachpaare sind auch offline verfügbar, darunter Deutsch-Englisch und Deutsch-Chinesisch. Erster Versuch im Foyer der Oper von Kopenhagen, mein Gegenüber spricht Dänisch: Das Gerät übersetzt irgendeinen Blödsinn. Vielleicht liegts am Lärm der 250 anderen Besucher, die ebenfalls präsent sind. Nächster Anlauf im Hotel vor dem TV, es kommt eine dänische Kindersendung: Immerhin versteht man, worum es geht. 98 Prozent Genauigkeit und 0,2 Sekunden Verzögerung verspricht der Hersteller. Ersteres ist nach meiner Erfahrung sehr optimistisch, Letzteres völlig falsch. Die Übersetzung kommt mit ein paar Sekunden Verspätung, das zieht den Dialog sehr in die Länge. Und nicht immer genau parallel auf beiden Hörern. Aber besser als gar nicht. Dass man immer die gleiche künstliche Stimme hört, auch wenn mehrere verschiedene Personen reden, ist ein bisschen schade, so kann man das Gesagte nicht auseinanderhalten. Immerhin protokolliert die App Text und Übersetzung mit. Der Akku hält vier Stunden, das ist nicht toll.

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Danach der Härtetest: Polnisch. Den TV-Nachrichten kann ich problemlos folgen, auch wenn nicht alles 100 Prozent richtig übersetzt wird. Telefongespräche verstehe ich ebenfalls. Auch bei russischen Inhalten schlägt sich der W4 gut. Für den Dialog mit dem Gegenüber braucht es übrigens nicht zwei Sets Ohrhörer, sondern man teilt ein Paar auf: Einer bekommt den linken, der andere den rechten Stöpsel. Was ich aber frech finde: Will man pro Monat mehr als 300  Minuten übersetzen, muss man extra zahlen. 500  Minuten mehr etwa kosten 9  Franken. Ach ja, Musik hören kann man mit den W4 auch. Die Tonqualität ist aber ziemlich mässig. Aber das ist ja nicht die Hauptanwendung.

Fazit: Die W4 sind ein riesiger Fortschritt, was Live-Übersetzungen angeht. Schade nur, dass sie so unbequem zu tragen sind. Und das Abrechnungssystem so dreist ist.

Timekettle W4 AI

Preis: 349 Franken

Bewertung: ★★★★

 

<p>Timekettle W4 AI</p>
<p>Crashtest Bilanz 12/25</p>
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<p>Timekettle W4 AI</p>
<p>Crashtest Bilanz 12/25</p>
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★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Über die Autoren
Marc Kowalsky
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