Mit seinem Haarschnitt im Stil der Achtzigerjahre und seiner Vintage-Kleidung ist Mathieu Bertholet ein Unikum. Am Tag unseres Treffens trägt er ein gemustertes Hemd in Violetttönen und einen Ohrring, ebenfalls violett. «Anna van Brée, die berühmte Stylistin, wirft mir vor, dass bei mir alles zu sehr aufeinander abgestimmt sei. Aber ich kann einfach nicht anders», erklärt er lachend. Er empfängt mich auf der Terrasse des
Theaters Neumarkt bei einem Mineralwasser mit Kohlensäure und einem verdünnten Eistee. Für einen Negroni sei es noch zu früh. Er stellt mir seine Bekannten vor – aus der Deutschschweiz ebenso wie aus der Romandie –, diskutiert mit den Kellnern sowie den ehemaligen Intendantinnen und dem Pressesprecher am Tisch nebenan. Er sagt «Dankre» wie ein Zürcher: «Einfach ein r an das k anfügen, dann passt es!» Er ist glücklich darüber, sein Ensemble gefunden zu haben, sich mit dem Team vor Ort gut zu verstehen und eine Wohnung an guter Lage ergattert zu haben. Er sprüht vor Energie und der Begeisterung, die jedem Anfang innewohnt. Hier sitzt ein Mann, der sich anschickt, seiner Wahlheimat ein avantgardistisches Theater zu bieten, das verbindet.