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Coca-Cola kauft Costa - aus zwei Gründen

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Die britische Kaffeekette Costa gibt es seit 1971.Quelle: Keystone

Coca-Cola steigt mit einer milliardenschweren Übernahme in den Kaffeemarkt ein. Das hat zwei Gründe.

Veröffentlicht 31.08.2018

Coca Cola steigt mit der milliardenschweren Übernahme von Costa Coffee in den heiss umkämpften Kaffeemarkt ein. Der US-Getränkekonzern übernimmt die Kaffeehauskette für umgerechnet rund 5 Milliarden Franken (3,9 Milliarden Pfund) einschliesslich Schulden von der britischen Restaurant- und Hotelkette Whitbread.

«Heissgetränke sind einer der wenigen Bereiche des gesamten Getränkemarktes, auf dem Coca Cola über keine weltweit bekannte Marke verfügt», sagte Coca-Cola-Chef James Quincey. Costa betreibt fast 4000 Cafes in Europa und China.

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Alternativen für Zucker-Getränke

Limonadenhersteller versuchen seit längerem, Alternativen zu ihren zuckerreichen Getränken zu finden. So will der weltweite Branchenführer PepsiCo den israelischen Wassersprudler-Hersteller Sodastream übernehmen und legt dazu umgerechnet 2,8 Milliarden Euro auf den Tisch.

Zudem bauen die Getränkekonzerne das Geschäft mit Säften und anderen gesünderen Getränken aus. Sie reagieren damit auf das gestiegene Gesundheitsbewusstsein vieler Konsumenten und auf staatliche Vorschriften. In Grossbritannien etwa wurde eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke eingeführt, auch in anderen Ländern gibt es derartige Steuern.

Kaffee - das schwarze Gold

Kaffee hat sich vom Wachmacher zum Ganztagsgetränk entwickelt. Margen und Wachstum im Kaffee­geschäft sind überdurchschnittlich hoch, die Umsätze sind zuletzt geradezu explodiert; auf 97 Milliarden Franken Umfang schätzen Marktforscher Euromonitor und Nestlé aktuell den Weltmarkt. Analysten taxieren die künftige Wachstumsrate auf jährlich sechs Prozent. Robusta und Arabica sind das wahre schwarze Gold.

Und auch der Konsum nimmt zu: jedes Jahr etwa um zwei Prozent, schätzt Italiens Kaffeebaron Giuseppe Lavazza. Rechnerisch trinkt jede lebende Person auf dem Planeten jährlich 231 Tassen Kaffee, hinter Rohöl ist die schwarze Bohne der meist­gehandelte Rohstoff der Erde. Aus all dem folgt: Kaffee ist derzeit das heisseste Konsumgut. Un die Mitspieler, mögen sie auch kleiner sein, wollen die Renditen nicht mehr kampflos dem Platzhirsch Nestlé überlassen. Mehr zum Kaffee-Krieg «Nestlé gegen den Rest der Welt» lesen Sie hier.

Lukrativer Markt

Das Kaffeegeschäft gilt als Wachstumsmarkt - angetrieben durch die steigende Popularität von kleinen Spezialkaffeeläden, die nicht bloss normalen Kaffee verkaufen, sondern Cappuccinos und Latte Macchiatos in verschiedenen Geschmacksrichtungen nach den Wünschen der Kunden.

Unterwegs sind die Konsumenten auch bereit, für ihren Kaffee deutlich mehr Geld auszugeben, als in den eigenen vier Wänden. Allerdings wächst die Konkurrenz, unter anderem durch kleine unabhängige Läden. Die weltweite Nummer eins, Starbucks, will deswegen Filialen im Heimatmarkt USA schliessen.

Schulden abbauen

Whitbread hatte Costa 1995 für 19 Millionen Pfund gekauft und von einem kleinen Unternehmen mit 39 Cafes zur weltweiten Nummer zwei ausgebaut. Allein in Grossbritannien verfügt Costa über 2422 Filialen.

Zuletzt kamen die ersten Niederlassungen in China dazu. Costa reagierte damit auf den verschärften Wettbewerb in Grossbritannien, wo Starbucks, Caffe Nero und tausende Kleinunternehmen ebenfalls ihr Stück vom Kuchen haben wollen.

Whitbread will mit dem Verkaufserlös einerseits Schulden abbauen und den Pensionsfonds aufstocken. Andererseits soll die Hotelkette Premier Inn in Grossbritannien und Deutschland gestärkt werden. Die Whitbread-Aktien schnellten um 19 Prozent nach oben. Händler sagten, der Kaufpreis sei höher gewesen als erwartet.

(sda/ccr)