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Robo-Berater: das Zeitalter der Vernunft

Swissquoteam 25.09.2019
SQ
Quelle: Shutterstock

«Robo-Berater» sind äusserst kostengünstige, automatisierte Anlageplattformen, deren Produkt- und Dienstleistungsangebot kontinuierlich wächst. Dennoch bleibt für viele dieser Akteure eine Kooperation mit etablierten Geldinstituten unverzichtbar.

Unter den zahlreichen in der Finanzwelt angekündigten Revolutionen haben die Robo-Berater, auch Robo-Advisor genannt, in den letzten Jahren Anlass zu mancher Spekulation gegeben. Morningstar Research beschrieb die Anlagehelfer 2015 als digitale Plattformen, die den Endkunden der Finanzwirtschaft automatisierte und teilweise entsprechend dem Nutzerprofil personalisierte Anlageportfolios anbieten.

Serge Kassibrakis, Leiter des Quantitative Asset Management bei Swissquote und Mitglied der Geschäftsleitung, sagt, dass «die Menschen sich oft alles Mögliche unter einem Robo-Advisor vorstellen. Manche denken, dass diese Plattformen ganz ohne menschliches Zutun, allein durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. Das ist allerdings noch lange nicht der Fall.» Und er weist darauf hin, dass sich die Robo-Berater auf Theorien stützen, die schon seit vielen Jahren entwickelt werden.


Mehr als 300 Millionen Franken in der Schweiz verwaltet

In der Schweiz wurden Ende 2018 Assets in Höhe von 320 Millionen Franken von einem Dutzend Anbieter mit Robo-Beratern verwaltet. Zu diesem Ergebnis kommt die IFZ/AMP Asset Management Study 2019, eine von der Asset Management Platform (AMP) gemeinsam mit dem der Hochschule Luzern angegliederten Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) durchgeführte Studie. Das ist ein ziemlich kleiner Betrag angesichts der rund 430 Milliarden US-Dollar, die in den USA von den Marktführern in diesem Bereich verwaltet werden. Die den Robo-Beratern anvertrauten Beträge machen in der Schweiz daher auch nur 0,01 % der insgesamt verwalteten Vermögen aus – weitaus weniger als in den Vereinigten Staaten (0,48 %).

 

Ein stetig wachsendes Instrumentarium

Die Palette der von Robo-Beratern angebotenen Asset-Management-Dienstleistungen und -Produkten wächst stetig. So bietet das Zürcher Startup True Wealth seinen Kunden zusätzlich zu einem schon heute sehr umfangreichen Anlageuniversum nun auch nachhaltige und transparente Kapitalanlagen (SRI) an, erklärt Felix Niederer, Geschäftsführer von True Wealth. Swissquote hat sein 2010 eingeführtes «Robo-Advisory»-Angebot Ende August um zwei weitere Anlageklassen, Immobilien und Kryptowährungen, ergänzt.

Macht diese kontinuierlich wachsende Angebotspalette die Robo-Advisor nicht allmählich zu komplex? Felix Niederer von True Wealth unterscheidet zwei Arten von Kunden. «Etwa die Hälfte der Nutzer wählt die verschiedenen Anlage-Unterklassen selbst aus», schätzt er. «Die Plattform muss für jeden Anwender möglichst intuitiv bleiben – auch für die andere Hälfte der Kunden, die für ihre Investments vorgegebene Anlagestrategien bevorzugen.»

 

Bessere Ergebnisse als strategische Fonds

Das Hauptargument, das zugunsten der Robo-Berater angeführt wird, sind die (niedrigen) Kosten. Nach der im August von der AMP veröffentlichten Studie sind Robo-Berater mit durchschnittlichen Verwaltungskosten von etwa 0,73 % in jedem Fall wesentlich günstiger als klassische Vermögensverwalter (1,51 %). Allerdings kosten sie immer noch mehr als ihre «Kollegen» in den Vereinigten Staaten (0,36 %).

Und wie steht’s mit der Performance? Angesichts der noch jungen Geschichte der Robo-Berater in der Schweiz ist ein direkter Vergleich mit der klassischen Vermögensberatung schwierig, räumt das IFZ in einem Kommentar ein, den das Institut im Juni auf seinem Blog veröffentlichte. In seiner Studie verglich es die Ergebnisse der Robo-Advisor für drei definierte Risikoprofile mit unterschiedlichen Aktienanteilen (0–25 %, 25–50 % und mehr als 50 %) mit der Performance von strategischen Anlagefonds in der Schweiz. «Unsere Studie zeigt, dass die von den Robo-Beratern im Zeitraum von 2000 bis 2018 für die jeweiligen Risikoklassen verwalteten Portfolios nach Abzug der Kosten pro Jahr eine um bis zu 2 % höhere Rendite erzielt haben als die vergleichbaren strategischen Fonds», sagt das IFZ.

 

Oft unverzichtbare Partner

Dennoch haben sich bisher nur wenige Robo-Advisor ohne Partner durchgesetzt. Reine Roboter-Berater wie Betterment oder Wealthfront verwalten heute in den Vereinigten Staaten Vermögenswerte in Höhe von mehreren zehntausend Milliarden Franken. In Europa entwickeln sich die Robo-Advisor dagegen eher zögerlich: Der französische Robo-Berater Marie Quantier stellte im August seine Tätigkeit ein; die ebenfalls französische Plattform WeSave wurde zu Beginn des Jahres vom Vermögensverwalter Amundi übernommen. In Deutschland zeichnet sich anscheinend eine günstigere Entwicklung ab: Dort könnten nach Einschätzung des Beraters Oliver Wyman die von Robo-Beratern verwalteten Vermögen von 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf mehr als 10 Milliarden Franken im Jahr 2020 ansteigen.

In der Schweiz haben sich mehrere Robo-Advisor schon sehr früh für eine Kooperation mit den etablierten Instituten entschieden. So arbeitet True Wealth seit dem letzten Sommer unter anderem mit der Regiobank Solothurn zusammen. Das Angebot von Clevercircles in Basel, einer Plattform der Bank CIC, stützt sich vor allem auf ausgewählte Indexfonds. Die Plattform Investclick.ch wurde von der regionalen Zürcher BSU Bank gemeinsam mit dem Zuger Robot-Berater Descartes Finance ins Leben gerufen.

Ersetzen Robo-Advisor also bald Verwalter aus Fleisch und Blut? Nach Ansicht von Serge Kassibrakis schliessen sich beide Arten der Verwaltung nicht gegenseitig aus: «Für vermögende Kunden wird sich das Angebot der Robo-Berater immer stärker dem der klassischen Vermögensverwalter annähern.» Der Experte sieht das so: «Ein Berater kann beispielsweise die Ausführung des Portfolio-Managements an einen Robo-Advisor delegieren, um sich selbst stärker auf die Beziehung zu seinem Kunden und auf die Marktanalyse zu konzentrieren.»

Nicolas Dénervaud, Partner bei Finstoy in Lausanne, bietet seinen Kunden die Robo-Advisory-Lösung von Swissquote als White-Label-Dienstleistung für verschiedene Mandate und je nach Einsatzmöglichkeit der Plattform an. Der Robo-Advisor führt das Asset Management nach den vom Kunden festgelegten Kriterien aus. «Die Maschine kann in drei Minuten die gleichen Ergebnisse erzielen, für die ein Team von Analysten drei Monate braucht», schätzt Nicolas Dénervaud.

Mehr Informationen über den Robo-Advisor von Swissquote