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Die Bereitschaft ist gross, viel Geld für die tatzigen Gefährten auszugeben. Zwischen Gönnen und Zumuten – ein Einblick in die teure Tierliebe.

Pamela Beltrame
Der Stellenwert von Haustieren ist auf einem Allzeithoch. In vielen Haushalten haben also Katzen und Hunde das Sagen.
Getty ImagesDer einzige verlässliche Freund, den ein Politiker in Washington haben könne, sei ein Hund, behauptete einst US-Präsident Barack Obama. Er meinte damit seinen «First Dog» namens Bo. Als dieser einem Krebsleiden erlegen war, verabschiedete sich die ganze Familie mit einem Post auf Instagram. Am Ende der Ode an den verstorbenen Portugiesischen Wasserhund hiess es: «Umarmt eure flauschigen Familienmitglieder heute ein bisschen fester – und krault sie am Bauch von uns.»
Wer das für seltsames Verhalten hält, ist wohl kein Hundebesitzer. Und wer solche Gefühlsäusserungen gegenüber Tieren als Phänomen der wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft abtut, irrt. Die Behandlung von Haustieren als nahe Verwandte, welche im Leben umsorgt und im Tod schmerzlich betrauert werden, geht weit zurück – bis zu den alten Ägyptern. Aber zugegeben: Die Vermenschlichung von Fifis und Bellos hat weltweit neue Höhen erreicht.
In einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley gab fast die Hälfte (47 Prozent) der Befragten an, den eigenen Hund oder die eigene Katze «wie ein Kind» zu behandeln. Entsprechend gross ist die Bereitschaft geworden, für die geliebten Vierbeiner Geld lockerzumachen. Siehe die boomende Industrie rund um das Thema Haustier: Auf 100 Milliarden Dollar beziffert die genannte Studie das US-amerikanische «Pet Spending» – bis 2030 wird ein Wachstum auf das Dreifache prognostiziert. Noch nie war das Angebot an Waren und Dienstleistungen für Heimtiere so gross – und so skurril: Mit Wellness- und Spa-Hotels, Kinesiologie und Psychologie, Eisdielen, Bäckereien und «Puppuccinos» von Starbucks, Maniküre und Dauerwelle kann man die tierischen Begleiter verwöhnen. Reiche Herrchen und Frauchen verewigen ihre Lieblinge sogar auf besonders luxuriöse Weise. So lassen sich aus der Asche oder dem Fell verstorbener Haustiere Edelsteine herstellen: Ein zweikarätiger Rohdiamant kostet gut 22'000 Franken. Die Analysten von Morgan Stanley folgern aus ihrer Studie zum animalischen Geschäft: Haustiere führen ein Luxusleben wie nie zuvor – eine Feststellung, die sich ohne Weiteres auch auf hiesige Hunde und Katzen übertragen lässt. Denn auch in der Schweiz ziehen die Ausgaben an. 2022 kauften Kunden über die E-Commerce-Plattform Digitec Galaxus 57 Prozent mehr Artikel für ihre pelzigen Begleiter als im Vorjahr.
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