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Die Zürcher Bank strotzt vor Kraft. Was macht CEO Zeno Staub besser als andere Bankchefs?
FORSCH VORAN: Zeno Staub, seit zehn Jahren Chef der Vontobel-Gruppe, hat die Bank zu einer Gewinnmaschine gemacht.
GM CASTELBERGEs gibt einen Termin, den Zeno Staub in seiner Agenda jeweils besonders dick markiert: den 9-Monats-Call. Dann ruft er, der Chef persönlich, alle Mitarbeitenden an, die in diesem Monat genau seit neun Monaten dabei sind und fragt nach deren Eindrücken beim neuen Arbeitgeber. «Nach neun Monaten haben die Leute noch den Aussenblick, kennen Vontobel aber doch schon gut genug», sagt Staub. Er, der schon seit zwanzig Jahren dabei ist, davon zehn Jahre als CEO, will wissen, ob er noch etwas über seine Firma lernen kann.
Das häufigste Feedback sei, dass man bei Vontobel sehr stark gefordert sei, Eigeninitiative zu zeigen. Die meisten schätzten das, Einzelne würden sich anfangs aber auch etwas verloren fühlen: «Wir geben viele Freiheiten. Wir sind vielleicht nicht so gut darin, unsere Mitarbeitenden rund um die Uhr an die Hand zu nehmen; wir machen für ein, zwei Wochen eine professionelle Einführung, erwarten dann aber, dass die neuen Mitarbeitenden selber schnell Initiative zeigen und Verantwortung übernehmen», sagt Staub. Gerade bei den Top-Kadern scheint das gut anzukommen.
Als BILANZ Simon Lue-Fong, den neuen Leiter der Fixed-Income-Boutique in London, der im Oktober 2020 von Pictet zu Vontobel wechselte, fragt, was ihm am meisten aufgefallen sei beim neuen Arbeitgeber, antwortet er: «Hier gibt es nicht viel Bürokratie.»
Während manche Konkurrenten auf dem Zürcher Bankenplatz kriseln oder vornehmlich mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen – wie etwa die CS mit den Skandalen um Archegos oder Greensill –, fährt Vontobel einen vorsichtigen, steten und in den letzten Jahren weitgehend pannenfreien Wachstumskurs. Auf 2070 Mitarbeitende ist die Gruppe inzwischen angewachsen, vor zehn Jahren war es noch ein Drittel weniger. «Wir sind gross genug, um uns mit allen Themen auseinanderzusetzen, und sind doch immer noch eine mittelständische Firma – wir erreichen noch jede Kapillare der Organisation», sagt Staub.
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