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St. Moritz bleibt die Fluchtburg der Reichen

Corona lastet brutal auf ­Restaurants und Hotellerie. Doch das Eldorado im Engadin spielt gerade in diesen Zeiten seine Trümpfe aus.

Dirk Ruschmann

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Auch der Nobelort im Engadin leidet unter Corona, doch die Immobilien in St. Moritz sind so beliebt wie lange nicht mehr.

Joseph Khakshouri für BILANZ/Keystone/NZZ

Ein trüber Abend in der Vorsaison Anfang Dezember, man sitzt im «La Scarpetta» in der Fussgängerzone von St. Moritz und dreht sich die hausgemachten Nudeln auf die Gabel. Da tritt der deutsche Star-Architekt Christoph Ingenhoven ein, blickt sich um, beugt sich dann über den Tisch, an dem Gemeindepräsident Christian Jenny mit einer Beraterin und einem Bankpräsidenten speist – und Ingenhoven, dem das Abendland den Entwurf zum Bahnhofs-Monsterprojekt «Stuttgart 21» verdankt, raunt Jenny strahlend zu, er sei nun «auch ein Einwohner».

Ein solcher ist Rauschebart Adolf Haeberli schon seit 86 Jahren, und trotzdem stürzt er sich immer noch die Cresta-Eisbahn hinab. Sein Haus oberhalb der Polizeistation, nach einem Bergrutsch von Rissen gezeichnet, hat er mit Metallklammern gesichert, was ihm den Beinamen «Villa Hebdifescht» einbrachte, das Dorf-Original war Haeberli zuvor schon. Mit einem Dauerfeuer an Beschwerdebriefen treibt er die Gemeinde vor sich her – womöglich ist Jenny gerade deshalb mit ihm befreundet. Bei seinen allwöchentlichen Besuchen lässt er Haeberli stets den ausgelesenen «Spiegel» da.

Wenn es um Anekdötchen geht, darf die Geschichte vom legendären Kurdirektor Hans Peter Danuser nicht fehlen, wie er 1997 zu seinem Gourmet-Festival Roger Moore einfliegen liess. Paul Newman wäre ihm lieber gewesen, zumal der gut kochen konnte, aber Moore war nun mal in Crans-Montana und liess sich in die Hotel-Ikone Badrutt’s Palace locken. Weil der Wind aber unterwegs den Helikopter vaterlandsmässig durchschüttelte, erinnert sich Danuser grinsend, «stieg kein kerniger 007 aus dem Heli, sondern ein leichenblasser, zittriger Brite am Arm seiner Freundin Kristina Tholstrup».

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