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Schweizer Firmen rüsten in der Produktion von Cannabis auf. Neue Gesetze in Deutschland und anderen Ländern öffnen einen riesigen, zuvor illegalen Markt.
Von Coca-Cola zu Cannabis: Marry-Jane-CEO Rico Üslük ist ein Konsumgüterprofi. Er war lange Manager beim US-Konzern Coca-Cola.
Nik Hunger für BILANZEinst ratterten hier die Anlagen des Industriekonzerns Von Roll. Nun durchdringt ein süsslicher Duft das ehemalige Fabrikareal in Breitenbach SO. Statt des ohrenbetäubenden Lärms von Maschinen ist nur das leise Surren der Klimageräte zu hören. Diese sind wichtig, denn es geht darum, empfindliche Pflänzchen zu hegen. In den Hallen steht die grösste Indoor-Cannabis-Kultivierung Europas. Das Schweizer Unternehmen Marry Jane baut auf 15'000 m2 Hanfpflanzen an. Bislang fehlte diesen die berauschend wirkende Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) weitgehend. Doch das ändert sich gerade: Europäische Länder lockern ihre Gesetze für den Konsum von Cannabis sowie für dessen medizinische Anwendung. Es öffnet sich ein Milliardenmarkt. Verschiedene Schweizer Firmen hoffen auf berauschende Gewinne.
2017 gegründet, gilt Marry Jane bereits als etabliertes Unternehmen in der Branche. Die Gründer, die Brüder Afrim und Kujtim Saliu, wählten den Firmennamen, weil er auf das in der Szene seit Langem geläufige Codewort für Marihuana Bezug nimmt. Bislang fokussierte man sich auf die Produktion von sogenanntem CBD-Cannabis und gehört dort zu den führenden Anbietern Europas. Diese Pflanzen enthalten zwar Cannabidiol (CBD), aber nur einen sehr geringen THC-Anteil. Wegen der fehlenden psychoaktiven Wirkung sind CBD-Produkte in vielen Staaten schon länger legal. Die Schweiz war dabei Vorreiterin und ermöglichte es Firmen dadurch schon früh, Erfahrungen in der industriellen Kultivierung der Pflanzen zu sammeln. Nun sorgt ein anderes Land für Aufbruchstimmung in der Branche: Deutschland hat im April Cannabis von der Liste der Betäubungsmittel gestrichen. Ärztinnen und Ärzte können medizinisches THC-Cannabis als herkömmliches Arzneimittel verschreiben – ganz unkompliziert via elektronisches Rezept. Das hat laut Rico Üslük, CEO von Marry Jane, Auswirkungen auf die Nachfrage: «Der Medizinal-Cannabis-Markt in Deutschland boomt seit April.»
Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich nicht nur Patienten mit Erkrankungen, sondern auch Konsumenten unter einem Vorwand Cannabis verschreiben lassen und es als Freizeitdroge konsumieren. Die Hersteller profitieren so oder so. Der deutsche Markt bietet viel Potenzial. Bei Marry Jane hat man sich darauf vorbereitet. Den aufwendigen Prozess des Bewilligungsverfahrens für die Herstellung von Medizinal-Cannabis hat das Unternehmen bereits hinter sich, im Juni konnten die ersten THC-Pflanzen für medizinische Anwendungen geerntet werden. Im Spätsommer steht das amtlich bewilligte Marihuana aus solothurnischer Herstellung in den Arzneischränken deutscher Apotheken.
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