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Rohstoffe: Wie die Schweiz zur Handelsdrehscheibe der Welt wurde

Die Schweiz ist die Rohstoffe-Handelsdrehscheibe der Welt. Blick in eine geheimnisvolle Branche, die durch den Ukraine-Krieg ins Scheinwerferlicht gerät.

Erik Nolmans

Illustration Rohstoff-Giganten (Bilanz-Titelgeschichte 05/22)

STRIPPENZIEHER Die grossen Handelsfirmen und ihre Chefs bestimmen den Welthandel mit Rohstoffen – von der Schweiz aus.

kornel.ch für BILANZ

Es ist ein Tausch der angenehmeren Sorte. Viele Jahre lang war ein karger Zweckbau im Industrieviertel in Baar die Kampfzone von Ivan Glasenberg. Jetzt hat er sich ein Büro an der Bahnhofstrasse in Zürich gegönnt. Vertäfelte Wände, edles Mobiliar, alles frisch renoviert. Mit dabei: das Gründerehepaar der Radsportbekleidungsmarke Q36.5. Der eiserne Hobby-Radfahrer Glasenberg ist bei dem High-End-Textilproduzenten eingestiegen und will hier massiv expandieren. Die neuste Kollektion hängt in einem Showroom neben dem Besprechungszimmer, der erste Shop an der Bärengasse liegt gerade 300 Meter entfernt – Glasenberg ist sichtbar stolz auf sein neues Reich.

Glencore, Mercuria und Co.: Die mächtigen Rohstoffhändler

19 Jahre führte der heute 65-Jährige den Rohstoffriesen Glencore und baute aus dem verschwiegenen Händler einen Rohstoffgiganten, der als Einziger das schnelle Handelsgeschäft mit der stetigen Rohstoffförderung verzahnte und mit dem Börsengang im Jahr 2011 auch der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Schneller, härter, ruchloser: Das war Glasenbergs Image, das die rauen Händler aus Zug über ihren nie müden Leitwolf in die Welt trugen. Dass die Schweiz zum führenden Rohstoffhandelsplatz der Welt aufstieg, ist nicht zuletzt sein Verdienst. Auch wenn er den CEO-Job bei Glencore letztes Jahr an Gary Nagle abgegeben hat, ist er als grösster Einzelaktionär mit 9,1 Prozent der Stimmen ein Machtfaktor geblieben – sowohl für Glencore als auch für die Branche.

Der Krieg in der Ukraine sei eine Situation, die er in seinen fast vierzig Berufsjahren noch nicht erlebt habe. Glasenberg, der Putin mehrfach persönlich getroffen hat, weiss: Es hat immer Disruptionen gegeben, aber selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges wurde der Handel mit Russland weitergeführt. Jetzt seien die Einschränkungen gross wie nie.

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Erik Nolmans

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