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Das neue Ranking der klimabewussten Firmen der Schweiz zeigt, welches Unternehmen am meisten CO2 eingespart hat.

Pamela Beltrame
SWISSCOM (Rang 1): Recyceln, reparieren, wiederverwerten β das Telekom-Unternehmen will mit verschiedenen Angeboten einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten: In den Swisscom Repair Centers werden Smartphones innert 24 Stunden oder mit dem Express-Service sogar in 3 Stunden repariert.
Daniel.Sanchez@swisscom.comWerbung
Der ZΓΌrichberg ist ein eigenartiger Ort. Einerseits residieren dort die Reichen einer der teuersten StΓ€dte der Welt. Andererseits dient er als Habitat fΓΌr weitaus exotischere Kreaturen. Auf rund einem Hektar Land im Quartier Fluntern β Besuchern aus allen Ecken der Schweiz mag dieser Ort als Masoala-Regenwald bekannt sein β tummeln sich etwa 40 Tierarten, die man normalerweise nicht in diesem Gebiet antreffen wΓΌrde. Die Wesen, die dort kreuchen, fleuchen, wieseln und wuseln, haben etwas gemeinsam: Sie mΓΆgen es gern warm β um die 18 bis 25 Grad.
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Wie wird fΓΌr das ΓΌppige Klima im Dschungel-Replikat des Zoos ZΓΌrich gesorgt? Unter dem Tropenparadies, in 250 Metern Tiefe, befinden sich 40 Sonden, die der Erde WΓ€rme entziehen. Mittels einer WΓ€rmepumpe wird so der grΓΆsste Teil der benΓΆtigten WΓ€rme fΓΌr den Regenwald produziert. Dieses Heizsystem ist beim Zoo ZΓΌrich nur eine von vielen Massnahmen, um CO2-Emissionen einzusparen.
Β«Es ist Teil unseres SelbstverstΓ€ndnissesΒ», so Zoo-Direktor Severin Dressen. Β«Wir verstehen uns als Naturschutzzentrum, und Teil des aktiven Naturschutzes ist die Reduktion von Emissionen.Β»
Klimabewusste Unternehmen 2022
Aus Dressens Sicht wΓ€re es paradox, Naturschutzprojekte im Ausland zu unterstΓΌtzen, aber in den eigenen vier WΓ€nden beziehungsweise im eigenen Gehege nicht dieselbe Philosophie anzuwenden. Im Zeitraum von 2015 bis 2020 konnte der Zoo ZΓΌrich die Β«EmissionsintensitΓ€tΒ», also den Ausstoss an Treibhausgas pro erwirtschafteter Umsatzmillion Franken, um rund 36 Prozent senken.

ZOO ZΓRICH (Rang 4):Β Der Masoala-Regenwald: ein kΓΌnstlich erbautes Γkosystem, das dank Erdsonden und WΓ€rmepumpen gΓ€nzlich ΓΆkologisch lΓ€uft.
Zoo ZΓΌrich
ZOO ZΓRICH (Rang 4):Β Der Masoala-Regenwald: ein kΓΌnstlich erbautes Γkosystem, das dank Erdsonden und WΓ€rmepumpen gΓ€nzlich ΓΆkologisch lΓ€uft.
Zoo ZΓΌrichDamit belegt der Zoo ZΓΌrich den vierten Rang im neuen Ranking der klimabewussten Firmen der Schweiz, das BILANZ mit Statista erarbeitet hat.
Bei den Firmen hierzulande, das dΓΌrften auch Herr und Frau Schweizer bemerkt haben, tut sich punkto Nachhaltigkeit einiges. Durch den Wechsel zu fossilfreien Heizsystemen, Γkostrom und die schrittweise Umstellung auf Elektrofahrzeuge konnte Swisscom etwa die EmissionsintensitΓ€t seit 2015 jΓ€hrlich um rund 50 Prozent reduzieren β der Telekom-Konzern liegt damit an der Spitze unseres Rankings.

ZUG ESTATES (Rang 2):Β Das Energiesystem des Suurstoffi-Areals in Rotkreuz wird komplett CO2-frei betrieben. Die Energie fΓΌr Warmwasser, Heizung und die KΓΌhlung im Sommer liefern grosse Erdsondenfelder unter dem Areal. Jedes GebΓ€ude ist ΓΌber ein Anergienetz damit verbunden.
Daniel Kellenberger
ZUG ESTATES (Rang 2):Β Das Energiesystem des Suurstoffi-Areals in Rotkreuz wird komplett CO2-frei betrieben. Die Energie fΓΌr Warmwasser, Heizung und die KΓΌhlung im Sommer liefern grosse Erdsondenfelder unter dem Areal. Jedes GebΓ€ude ist ΓΌber ein Anergienetz damit verbunden.
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Zug Estates wiederum hat den CO2-freien Betrieb von Liegenschaften zum Kern der Nachhaltigkeitsstrategie erklΓ€rt. Die Folge: Seit 2017 senkte die Immobilienfirma die EmissionsintensitΓ€t jΓ€hrlich im Schnitt um rund 48 Prozent und rangiert damit auf Platz zwei. Auch beim GebΓ€udebau will man jetzt anpacken: Β«Die Kreislauf-Thematik hat massiv an Bedeutung gewonnenΒ», sagt CEO Patrik Stillhart.
Β«Mit welchen Materialien baue ich? Und wie verbaue ich sie, dass ich sie wiederverwenden kann?Β», lauten die Herausforderungen. Β«Neue Materialien und Konstruktionsweisen ermΓΆglichen es, CO2-Emissionen beim Bauen deutlich zu reduzieren und Baustoffe wiederzuverwendenΒ», so Stillhart.
Bei Logitech auf Platz drei sorgten die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen sowie Investitionen in Kreislaufmodelle und rezyklierbare Materialien fΓΌr eine durchschnittliche jΓ€hrliche Reduktion der EmissionsintensitΓ€t von 40 Prozent.

LOGITECH INTERNATIONAL (Rang 3): Mit rezyklierbaren Komponenten und ressourcenschonenden Materialien will der Hersteller die Designs nachhaltiger gestalten.
Keystone
LOGITECH INTERNATIONAL (Rang 3): Mit rezyklierbaren Komponenten und ressourcenschonenden Materialien will der Hersteller die Designs nachhaltiger gestalten.
KeystoneDie VerpflichtungserklΓ€rung zum Klimaschutz hat beim Computerperipherie-Hersteller zudem einen Schub ausgelΓΆst: Β«So sind wir gezwungen, die Entwicklung nachhaltigerer LΓΆsungen zu beschleunigen und die Messlatte fΓΌr kΓΌnftige Produkte hΓΆher zu legenΒ», sagt Prakash Arunkundrum, Head of Global Operations & Sustainability bei Logitech.
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Die Zielsetzungen fΓΌr klimabewusste Unternehmen
Was auffΓ€llt: Die Schnittmenge der grΓΌnen Engagements von Firmen ist gross. Weg mit HeizΓΆl und her mit fossilfreien Heizsystemen sowie natΓΌrlichen KΓ€ltemitteln. Nein zu Graustrom und ja zu Strom aus zu 100 Prozent erneuerbaren Energien. Adieu Dreckschleuder-LKWs und hallo E-Flotte. So reduzieren Firmen vor allem CO2-Emissionen im eigenen Betrieb und aus bezogener Energie β im Fachjargon Scope 1 und 2 genannt.
Dass viele Unternehmen Γ€hnliche AnsΓ€tze zur Verbesserung ihrer CO2-Bilanzen verfolgen, ist kein Zufall. Heizung, Klimaanlage, Strom β das alles ist im Geltungsbereich einer Firma. Scope 1 und 2 sind demnach die tief hΓ€ngenden FrΓΌchte fΓΌr ein Unternehmen. Massnahmen in diesen Segmenten schlagen sich manchmal sogar positiv in der Firmenbilanz nieder.
Β«Technologie spielt in der ganzen Berechnung eine wichtige RolleΒ», so Anna Krutikov, Head of Sustainable Development bei Glencore. Β«Je ausgereifter und effizienter die Klimatechnologie ist, desto einfacher wird es fΓΌr Firmen, Klimamassnahmen umzusetzen.Β» Wie schnell diese Entwicklung vorankommt, zeigt sich bei Glencore klar.
Wurden 2020 MΓΆglichkeiten zur liquiditΓ€tsfΓΆrdernden Reduktion von rund 3 Millionen Tonnen CO2 ermittelt, waren es fΓΌr 2021 bereits 5,6 Millionen Tonnen.
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Knackpunkt in der Γko-Bilanz
Klassensiegerin Swisscom nutzt einen internen Klimafonds aus der RΓΌckgabe von CO2-Lenkungsabgaben, um (noch) nicht wirtschaftliche Initiativen umzusetzen. Die Telco hat etwa WΓ€rmepumpen und Solarenergie eingefΓΌhrt, bevor die Lebensdauer der fossilen Anlagen zu Ende war. Β«Wir wollen unseren Stromverbrauch bis 2030 um 20 Prozent senken.
Saskia GΓΌnther
ist Head of Corporate Responsibility bei der Swisscom und sorgt dort fΓΌr ambitiΓΆse Klimaziele.
ZVGAnna Krutikov
hat als Leiterin der Nachhaltigkeitssparte beim Rohstoffkonzern Glencore eine schwierige Aufgabe.
ZVGJulia Baumann
fΓΌhrt bei Lidl Schweiz den Bereich Nachhaltigkeit, wo der Sortiments-Klimafussabdruck gesteuert wird.
ZVGDas ist bei jΓ€hrlich steigenden Datenmengen eine grosse HerausforderungΒ», sagt Saskia GΓΌnther, Head of Corporate Responsibility bei Swisscom.
Wenn Scope 1 und 2 tief hΓ€ngende FrΓΌchte sind, dann ist Scopeββ3 der Tannenzapfen im Baumwipfel. In Scope 3 werden nΓ€mlich jene Emissionen summiert, die ΓΌber die gesamte WertschΓΆpfungskette hinweg entstehen, also auch bei Zulieferern. Die Berechnung der Emissionen aller Prozesse β etwa vom Pflanzen der Kartoffel bis hin zur Platzierung des Fertig-HΓ€rdΓΆpfelstocks im Regal β kann demnach sehr komplex und aufwendig sein.
Doch es ist der LΓΆwenanteil der Emissionen von Firmen, der genau auf dieses Segment entfΓ€llt und den Weg zur grΓΌnen Null so harzig macht. Trotzdem entscheiden sich Firmen wie etwa Swisscom und Logitech, die Netto-null-Strategie auf die ganze WertschΓΆpfungskette zu applizieren β und ihr Ziel in naher Zukunft zu stecken.
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Das ist eine grosse Herausforderung β vor allem, wenn die Dekarbonisierung auch noch vom Kundenverhalten abhΓ€ngt: Β«Wenn sich die ErnΓ€hrungsgewohnheiten in der Schweiz verΓ€ndern und tierische durch pflanzliche Proteine ersetzt wΓΌrden, dann wΓ€ren auch die Emissionen geringerΒ», so Julia Baumann, Department Manager Sustainability bei Lidl Schweiz.

LIDL SCHWEIZ (Rang 8):Β Der HΓ€ndler hat sich zum Ziel gesetzt, alle Kunststoffverpackungen der Lidl-Eigenmarken bis 2025 maximal recyclingfΓ€hig zu machen.
PD
LIDL SCHWEIZ (Rang 8):Β Der HΓ€ndler hat sich zum Ziel gesetzt, alle Kunststoffverpackungen der Lidl-Eigenmarken bis 2025 maximal recyclingfΓ€hig zu machen.
PDUnter anderem ΓΌber Kundensensibilisierung kΓΆnne die Firma ein StΓΌck weit Einfluss nehmen, aber die Entscheidung bleibt beim Kunden. Das gleiche Problem besteht im Bereich Food Waste, der fΓΌr den HΓ€ndler klimarelevant ist. NatΓΌrlich gebe es betriebliche Massnahmen, die zur Minimierung von Lebensmittelabfall umgesetzt wΓΌrden, aber: Β«Der grΓΆsste Teil der vermeidbaren LebensmittelabfΓ€lle fΓ€llt in Haushalten anΒ», sagt Baumann. Auch hier gilt es zu sensibilisieren: Lidl Schweiz bringt deshalb auf Produkten neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum auch den Hinweis Β«Oft lΓ€nger gutΒ» an.
Banken, Versicherungen und Co.: Was macht das Geld?
Die Scope-3-Emissionen sorgen vor allem im Finanzmarkt fΓΌr Furore. Das BankgebΓ€ude mag schon mit ΓΆkostrombetriebenen Sitzungszimmern und Recyclingstationen an jeder Ecke grΓΌn erscheinen. Doch der unsichtbare Treiber bei den FinanzhΓ€usern ist das KundengeschΓ€ft. Wo wird das Geld investiert?
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Und welche Kriterien werden berΓΌcksichtigt? NGOs wie Greenpeace beschuldigen Geldinstitute des Greenwashings: Banken hielten sich nicht an die Ziele der Vereinten Nationen oder des Pariser Klimaabkommens und legten die Kriterien fΓΌr nachhaltige Investments einfach nach Lust und Laune fest. Β«In dieser Diskussion wird oft vergessen, dass es lange Zeit keine Standards fΓΌr nachhaltige Produkte gab.
Anbieter mussten demnach die Kriterien selbst festlegenΒ», so Christian Leitz, Head of Responsible Development bei UBS. Β«Jetzt kommen wir immer mehr in ein regulatorisches Umfeld, aber klare Standards fehlen zurzeit immer noch. Wichtig ist, dass wir vΓΆllig transparent sind und der Kunde versteht, was das Produkt macht β und was nicht.Β»
Marc Chesney, Professor fΓΌr Finanzmathematik und Leiter des Kompetenzzentrums fΓΌr nachhaltige Finanzen, versteht das Dilemma. Zu viel Nachsicht dΓΌrfe man aber nicht haben: Β«Es gibt zwar noch kein Label fΓΌr grΓΌne Produkte β was nicht grΓΌn ist, ist aber viel einfacher zu definieren. Solange Banken in den Γl-, Gas- und Kohlensektor investieren, sind sie einfach nicht nachhaltig.Β»
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««Wer Targets für 2050 oder 2060 setzt, meint es einfach nicht ernst.»»
Marc Chesney, Professor fΓΌr Finanzmathematik
Chesney findet besonders harte Worte fΓΌr Firmen, die zwar den Ausstieg aus problematischen Sektoren auf der Agenda haben, das Ziel aber weit in die Zukunft schieben. Β«Wer Targets fΓΌr 2050 oder 2060 setzt, meint es einfach nicht ernst. Bis dann hat der CEO schon mehrere Male gewechselt. Worte sind schΓΆn, Taten sind besser. Die Wirtschaft muss hier β grΓΌnes β Gas geben.Β»
Schnelle LΓΆsungen fΓΌr grΓΌne Unternehmen
Doch schnelle Ausstiege, so sehr sie auch die Γffentlichkeit fordert, sind oft problembehaftet, wie Glencore verdeutlicht. Einerseits befinden sich im Portfolio des Rohstoffgiganten Metalle, die fΓΌr die Energiewende benΓΆtigt werden, beispielsweise Kupfer, das in Elektroautos und Windkraftanlagen verbaut wird, oder das Batteriemetall Kobalt. Andererseits bleibt da ja noch das KohlengeschΓ€ft.
Β«Dank unserem diversifizierten Portfolio kΓΆnnen wir Investitionen in die Γbergangsmetalle priorisierenΒ», erklΓ€rt Anna Krutikov. Glencore wolle schrittweise ihre Scope-3-Emissionen reduzieren, welche mehrheitlich auf die Verwendung der von ihr produzierten Kohle zurΓΌckzufΓΌhren sind. 2023 sollen bereits drei Werke in Australien (Liddell, Integra und Newlands) geschlossen werden.
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GLENCORE (Rang 52): Der Rohstoffkonzern baut eigene Photovoltaik-Anlagen, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe in den Minen zu verringern.
Mathieu Dupuis
GLENCORE (Rang 52): Der Rohstoffkonzern baut eigene Photovoltaik-Anlagen, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe in den Minen zu verringern.
Mathieu DupuisDas KohlengeschΓ€ft einfach loszuwerden, ist jedoch nicht immer im Interesse der Umwelt. Man denke nur an Anglo American: 2021 spaltete der Rohstoffkonzern mit Sitz in London das KohlengeschΓ€ft ab, das nun unter dem Namen Thungela firmiert. Dieser Schritt brachte Anglo American zwar eine Entlastung der CO2-Bilanz β der neue CEO von Thungela signalisierte jedoch, die Kohlenproduktion ausbauen zu wollen.
Auch Glencore ist sich bewusst: Assets loswerden, ohne die Konsequenzen einzubeziehen, ist problematisch. Β«Mit schnellen LΓΆsungen wΓΌrde unsere CO2-Bilanz geschont, aber dem Klima wΓ€re damit nicht geholfenΒ», so Krutikov.
Klimaengagement auf allen Unternehmensebenen
Investorendruck, Kundennachfrage oder ein VerantwortungsgefΓΌhl β die GrΓΌnde fΓΌr grΓΌnes Engagement variieren. Was aber klar ist: Das Klimathema rangiert bei Schweizer Firmen an oberster Stelle und geniesst UnterstΓΌtzung auf unterschiedlichen Ebenen.
Β«Wir sind selbst unsere hΓ€rtesten KritikerΒ», sagt Zoo-Direktor Dressen ΓΌber das Nachhaltigkeitsbewusstsein, das er bei den Mitarbeitenden sieht: Β«Wer sich nicht fΓΌr Naturschutz und Nachhaltigkeit interessiert, wird im Zoo auf die Dauer nicht glΓΌcklich.Β» Auch bei Holcim heisst es ΓΆfters Β«bottom-upΒ», wenn es um grΓΌne Initiativen geht.
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««Der Verwaltungsrat sowie die Konzernleitung stehen zu 100 Prozent hinter uns»»
Saskia GΓΌnther, Head of Corporate Responsibility bei der Swisscom
Β«Mitarbeitende in der Nordwestschweiz haben Plastikflaschen und Wegwerf-Kaffeebecher aus dem Werk verbannt, wΓ€hrend sich ein anderes Team in der Nordostschweiz dafΓΌr einsetzt, dass seltene Uferschwalben mitten in unserer Kiesgrube brΓΌten kΓΆnnenΒ», sagt Clemens WΓΆgerbauer, Head Commercial & Sustainability bei Holcim.
GrΓΌne Teppichetage bei klimabewussten Firmen
RΓΌckenwind gibt es auch von der Teppichetage. Β«Der Verwaltungsrat sowie die Konzernleitung stehen zu 100 Prozent hinter unsΒ», sagt Saskia GΓΌnther, welche die enge Zusammenarbeit fΓΌr ambitiΓΆse NachhaltigkeitsplΓ€ne mit Noch-CEO Urs Schaeppi und der Konzernleitung schΓ€tzt. Damit ist Swisscom nicht die einzige Firma, bei der das Thema Nachhaltigkeit ganz oben angesiedelt ist.
Bei UBS und Holcim sind die Nachhaltigkeitsbeauftragten Teil der Konzernleitung, bei Lidl wird das Thema auf GeschΓ€ftsleitungsebene gesteuert. Die spezifischen Abteilungen, welche die Klimaproblematik innerhalb eines Unternehmens anpacken, sieht GΓΌnther lediglich als ZwischenlΓΆsung: Β«Umwelt- und Klimathematiken sollten Fundament und Bestandteil jedes Studiengangs seinΒ», erklΓ€rt sie.
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Β«Dann wΓΌrde es uns Nachhaltigkeitsdelegierte in Zukunft nicht mehr in der heutigen Form brauchen.Β»
FΓΌr den Schweizer Klimatologen Reto Knutti ist klar: Um die Klimakrise zu lΓΆsen, mΓΌssen Politik, Wirtschaft und die Individuen am selben Strang ziehen.
Herr Knutti, der Groschen scheint bei den Firmen punkto Klimamassnahmen gefallen zu sein. Sind Sie als Klimaexperte zufrieden?
Beim Sustainability Reporting gibt es noch viel heisse Luft und farbige BroschΓΌren. Aber ja, der Mikado-Effekt β wer sich zuerst bewegt, der verliert β ist zumindest verschollen. Firmen sind keine Weltretter, aber sie haben verstanden, dass es in Anbetracht von CO2-Preisen, drohenden Klimaklagen und Kunden-Shitstorms ein grosses wirtschaftliches Risiko ist, nicht auf die Themen Nachhaltigkeit und Klima einzugehen.

Reto Knutti (48)
Der Professor fΓΌr Klimaphysik an der ETH ZΓΌrich leitet dort auch das Center for Climate Systems Modeling.
Stefan Bohrer
Reto Knutti (48)
Der Professor fΓΌr Klimaphysik an der ETH ZΓΌrich leitet dort auch das Center for Climate Systems Modeling.
Stefan BohrerHeisst das, die Wirtschaft kann die Klimakrise alleine lΓΆsen?
Nein. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es, innovative LΓΆsungen zu bringen, die Aufgabe der Politik ist es, einen Rahmen zu setzen. Wenn die Politik ihre Aufgabe nicht erfΓΌllt, dann bewegt sich bei der Innovation nichts.
Wie meinen Sie das?
Schauen wir doch einmal in die Vergangenheit: Noch nie wurde ein Umweltproblem nur durch spontane Innovation gelΓΆst. Abwasserleitungen, KlΓ€ranlagen, Partikelfilter und das Asbestverbot β das ist alles entstanden, weil die Politik gesagt hat: Β«So kann es nicht mehr weitergehen.Β» Das heisst nicht, dass Innovation und der freie Markt keinen Platz haben, aber dieser muss sich innerhalb des von der Politik gesetzten Rahmens befinden. Die Lenkungsabgabe etwa ist ein politischer Rahmen, der technologieoffen ist: Ob sich schlussendlich Solar- oder Windenergie durchsetzt, ist egal. Aber nur wenn der politische Rahmen existiert, ist es fΓΌr die Wirtschaft attraktiv, etwas zu Γ€ndern.
Der Rahmen ist also wichtig. Doch die Politik steht zurzeit ziemlich mutlos da.
Ja, das stimmt, aber das ist nicht nur ein Problem der Politik, sondern der Gesellschaft. In der Schweiz sind wir sehr konservativ und individualistisch unterwegs. Wir tun uns so unheimlich schwer damit, vorausschauend klare Regeln aufzustellen. Denken Sie nur einmal an die Pandemie. Individualismus ist eine schlechte Voraussetzung, um kollektive Probleme zu lΓΆsen. Und trotzdem: Die Schweiz hΓ€tte extrem viele Voraussetzungen, um in der Klimadiskussion eine Vorreiterrolle zu ΓΌbernehmen. Wir haben Geld, gut ausgebildete Leute, politisch stabile VerhΓ€ltnisse und gute Infrastrukturen. Wir stehen uns aber manchmal selber im Weg.
Sie arbeiten ja mit vielen Firmen zusammen β blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft?
Ja ich bin zuversichtlich. Umwelt und Nachhaltigkeit sind, wie man mir mal so schΓΆn gesagt hat, kein Β«links-grΓΌnes Birkenstock-ThemaΒ» mehr, es wird nicht mehr belΓ€chelt. Es hat sich wirklich etwas geΓ€ndert, und das merke ich selber in der Zusammenarbeit mit den Firmen. Da gibt es MΓ€nner mit weissen Haaren und Krawatte, die mir sagen: Β«Ich denke heute anders als frΓΌher, wir kΓΆnnen und mΓΆchten auch etwas dagegen tun.Β» Wenn solch ein Sinneswandel ganz oben in den Konzernleitungen stattfindet, dann ist das Gold wert. Die gute Botschaft ist nΓ€mlich: WΓ€hrend die Politik frustrierend langsam ist, geht es bei den Firmen sehr schnell vorwΓ€rts. Was heute entschieden wird, kann morgen schon umgesetzt werden.
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