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Lukas Brosi

Der neue CEO des Flughafens Zürich kämpft gegen Warte­schlangen

Ein neuer CEO in den frühen Vierzigern beim Flughafen Zürich: Lukas Brosi startet im Krisenmodus. Wachstum liefert das Fluggeschäft kaum noch.

Dirk Ruschmann

«Hands-on» ist eine häufig ­genannte Eigenschaft des neuen CEO der Flughafen Zürich AG, ­Lukas Brosi. Der Mann packt an.

«Hands-on» ist eine häufig genannte Eigenschaft des neuen CEO der Flughafen Zürich AG, Lukas Brosi. Der Mann packt an.

Paolo Dutto für BILANZ

Eine Geschichte mit dem Beschreiben des Büros anzufangen, gilt unter Journalisten als lahm und einfallslos. Doch in diesem Fall muss es ausnahmsweise sein. «Das hier ist eigentlich mein Büro», sagt Lukas Brosi, seit Mai CEO der Flughafen Zürich AG – im Sitzungszimmer «Dublin» auf dem 6. Stock des neuen «Circle»; nicht hoch genug, um über die Terminals hinweg Flieger und Rollfeld sehen zu können. «Ich brauche zur Arbeit nur das», deutet Brosi auf seine blaue Laptop-Tasche in der Ecke. Ab und an sitzt er auch oben im 8. Stock, wo dicht an dicht Schreibtische stehen – mit dem Einzug in den «Circle» vor rund drei Jahren institutionalisierte die Flughafen AG das «Shared-Desk-Prinzip». Zwei Bildschirme auf jedem Pult, viele unbesetzt, an der Wand Spinde, schlossgesichert, Nummer 8011 trägt den Namen und ein mässig schmeichelhaftes Passfoto von «Brosi Lukas, Chief Executive Officer». Vier Tischreihen weiter wird der Rücken von Operationschef Stefan Tschudin sichtbar.

Ein Bienenhaus im «Circle»

Die unpersönlichen Arbeitsplätze beschweren Brosi nicht, «ich hatte auch früher praktisch keine privaten Dinge auf dem Pult». Dafür gebe es jetzt am Konzernsitz «mehr Austausch bei uns, wieder einen Bienenhaus-Charakter»: Zuvor auf mehrere Standorte rund um die Pisten verteilt, konnte der Flughafen mit dem Umzug im «Circle» alle Bürolisten zusammenziehen. Die Firma ist hier ihr eigener Mieter. Das Gebäude gehört dem Flughafen zu 51 Prozent, Miteigentümer ist Versicherungs- und Immobilienriese Swiss Life. Den Kaffee zum Gespräch brüht Lukas Brosi eigenhändig auf. Auch sein Postfach leere er selbstverständlich ohne fremde Hilfe, raunt eine Mitarbeiterin.

Speditiv arbeiten sollte der Mann also können. Immerhin hat ihm der Wirtschaftsgott einen Amtsantritt beschert, wie er tückischer kaum sein könnte. Der Flughafen Zürich, weltweit gerühmt für kurze Wege und noch kürzere Durchlaufzeiten von Parkhaus und Bahnhof bis zu den Gates, auch stets vorn gelistet in den vor allem bei selbst ernannten Vielfliegern beliebten Qualitätsrankings – dieser Flughafen leidet neuerdings an ungewohnter Problemdichte. Im Vorjahr strandeten Berge von Koffern in den Gepäckhallen und liessen verstörte Interkontinentalreisende ohne Wechselwäsche zurück, in diesem Frühjahr nun gaben Warteschlangen vor Gepäck- und Passkontrollen, die den Zugang zur Cüpli-Bar zum Orientierungslauf aufwerteten, einen unheilvollen Ausblick auf die Sommer-Reisewelle. Und alles fällt auf den Flughafen und letztlich auf dessen CEO zurück; sogar eine Zeitung, die sich für distinguiert hält, schrieb von einer «Peinlichkeit». «Natürlich stören mich die negativen Schlagzeilen», sagt der Kritisierte, «auch wir sind nicht zufrieden, dass wir am Flughafen die Qualität, die man erwartet und gewohnt ist, derzeit nicht erreichen.» Es solle wieder klassisch «Züri-like» werden, «wir wollen zurück zu den Bestnoten». Immerhin, das ist Brosi wichtig, im Juni liegen die durchschnittlichen Wartezeiten an der Gepäckkontrolle bereits unter 10 Minuten, während es im April noch fast 17 Minuten waren.

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Dirk Ruschmann
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