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Nachhaltigkeitsziel kassiert

Bei ABB-Tochter E-Mobility müssen CEO und CFO gehen

ABB kassiert sein wichtigstes Nachhaltigkeitsziel – gegen den Willen von CEO Rosengren. Bei der Tochter fliegen vor dem IPO die Topmanager.

Marc Kowalsky

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Fehlstart: Mit dem ersten Jahresbericht zog die neue Sustainability-Chefin Karin Lepasoon gleich den Unmut von CEO Björn Rosengren auf sich.

PD

Es war Björn Rosengrens wichtigstes Nachhaltigkeitsziel: Mantramässig wiederholte er seit Amtsantritt sein Ziel, den ABB-Kunden zu helfen, bis 2030 100 Megatonnen CO2 einzusparen, vergleichbar mit dem Ausstoss von 30 Millionen Autos – zuletzt im CEO-Letter des Nachhaltigkeitsberichts 2021.

Im jüngsten CEO-Letter ist davon nichts mehr zu lesen. Dafür steht an anderer Stelle des Sustainability Reports 2022 nun schamhaft, dass die Methodik «überprüft» werde. Hintergrund seien neue Standards und Empfehlungen des World Business Council for Sustainable Development. Seither führt ABB die 100-Megatonnen-CO2-Reduktion bei den Kunden nicht mehr als hartes «Target» (Ziel), sondern als butterweiche «Aspiration» (Bestreben). «Das ist eine vorübergehende Situation», sagt Karin Lepasoon, neue Nachhaltigkeitschefin und Konzernleitungsmitglied. Sie soll, so hört man, die Herabstufung eigenmächtig veranlasst haben. Als CEO Björn Rosengren davon erfuhr, soll er sehr laut geworden sein. Zurücknehmen aber konnte er die Änderung trotz aller Bemühungen nicht mehr, zu seinem grossen Unmut: Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten den Jahresbericht bereits abgesegnet.

Es war ein holpriger Start für Lepasoon nach oben. Aber auch gegen unten machte sie sich in ihren ersten Amtsmonaten wenig beliebt. Die Schwedin räumte in der ihr ebenfalls unterstellten Kommunikationsabteilung auf und stellte von den fünf an sie rapportierenden Abteilungsleitern gleich vier auf die Strasse. Lediglich Pressesprecher Eike Christian Meuter überlebte das Gemetzel und wurde zum Head of Media Relations & Crisis Communication befördert.
Krisenkommunikation könnten sie an einer ganz anderen Stelle im Konzern ebenfalls brauchen: Denn auch bei der Tochter E-mobility rumpelt es. Das Geschäft mit Ladestationen für Elektroautos sollte eigentlich an die Börse gehen, wegen der schlechten Kapitalmarktstimmung ist das IPO derzeit jedoch on hold. Stattdessen wurden 525 Millionen Franken bei privaten Investoren platziert. «Wir halten an unserer Strategie fest, unser E-Mobility-Geschäft separat an die Börse zu bringen, sofern die Marktbedingungen konstruktiv sind», versicherte Rosengren im Februar.

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Marc Kowalsky
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