Abo
Millionenwert

Wem gehört «Happy Birthday»?

«Happy Birthday» lässt bei Warner Music die Kassen klingeln: Mit 5000 Dollar am Tag ist es eines der lukrativsten Lieder der Welt. Doch gehört es dem US-Label überhaupt? Das klärt nun ein Gericht.

Der britische Fernsehsender BBC4 hat die zehn lukrativsten Songs aller Zeiten aufgelistet. Dabei wurden die Jahreseinnahmen aus den Urheberrechten geschätzt.Rang 10: Christmas Song – 12,5 Millionen Pfund (18,5 Millionen Franken)Text: Mel TorméNat King Cole (Bild) hat diesen Klassiker bekannt gemacht.
Rang 9: Oh, Pretty Woman – 13 Millionen Pfund (19 Millionen Franken)Text: Roy Orbison und Bill DeesRichtig bekannt wurde der Song durch den fast gleichnamigen Film mit Julia Roberts (Bild) und Richard Gere.
Rang 8: Every Breath You Take – 13,5 Millionen Pfund (20 Millionen Franken)Text: Sting (Bild)
Platz 7: Santa Claus Is Coming to Town – 16,5 Millionen Pfund (24,5 Millionen Franken)Text: Haven Gillespie und Fred CootsUnter anderem Mariah Carey (Bild) spielte 1994 den Weihnachtsklassiker ein.
Platz 6: Stand By Me – 17,5 Millionen Pfund (26 Millionen Franken)Text: Ben E. King (Bild), Jerry Leiber und Mike Stoller
Rang 5: Unchained Melody – 18 Millionen Pfund (26,5 Millionen Franken)Komponist: Alex North / Text: Hy ZaretRichtig bekannt wurde der Song in der Version der Righteous Brothers durch das Liebesdrama «Ghost» mit Demi Moore und Patrick Swayze (Bild).
Rang 4: Yesterday – 19,5 Millionen Pfund (28,5 Millionen Franken)Komponist: Paul McCartney (li.) und John Lennon.
Rang 3: You’ve Lost that Loving Feeling – 20,5 Millionen Pfund (30 Millionen Franken)Text: Barry Mann, Cynthia Weil und Phil SpectorIn der Originalversion der Righteous Brothers (li.) wurde der Song im Tom-Cruise-Film «Top Gun» (re.) verwendet.
Rang 2: White Christmas – 24 Millionen Pfund (35,5 Millionen Franken)Komponist: Irving BerlinUnzählige Male neu aufgenommen, unter anderem auch von Bing Crosby (li., gesungen im Film Holiday Inn von 1942) und Frank Sinatra (re.).  Bilder: Keystone
Rang 1: Happy Birthday – 30 Millionen Pfund (44 Millionen Franken)Text: Mildred und Patty HillVon diesem Lied gibt es zahlreiche bekannte und noch mehr unbekannte Versionen. Gerade prüft ein US-Gericht, wem die Urheberrechte gehören.Omer Wazir/CC/flickr
1 / 10
RMS

Werbung

Das beliebte Geburtstagsständchen bringt dem amerikanischen Musik-Riesen Warner jedes Jahr zwei Millionen Dollar ein. Jetzt soll ein US-Gericht entscheiden, ob «Happy Birthday to You» ihm überhaupt gehört.
Irgendwo auf der Welt singt gerade jemand «Happy Birthday» – auf Englisch, Finnisch, Arabisch, Japanisch oder Deutsch. Sogar ins Klingonische, die erfundene Sprache der Ausserirdischen im Star-Trek-Universum, ist das Lied schon übersetzt worden.

Urheberrecht sorgt für gewaltige Einnahmen

Aber egal, wie weit es verbreitet sein mag, es befindet sich im Privatbesitz des US-Labels Warner Music Group. Zwar darf man «Happy Birthday» bei der Geburtstagsfeier zuhause gratis singen. Aber sobald das öffentlich oder zu kommerziellen Zwecken geschieht, gilt das Urheberrecht, und es muss gezahlt werden – an Warner.
Mit 5000 Dollar am Tag gilt «Happy Birthday» als eins der lukrativsten Lieder der Welt. Spielzeughersteller, Klingeltonprogrammierer, Restaurantketten und sogar die Pfadfinder haben zwischen 500 und Zehntausende Dollar für die Lizenz gezahlt. Wegen der hohen Kosten vermeiden viele Filmemacher und Theaterleute das Lied lieber ganz.

Eigentlich sollte es der ganzen Welt gehören

«Das ist schon immer so ein Witz in der Filmindustrie gewesen», erklärt Filmemacherin Jennifer Nelson der Deutschen Presse-Agentur. «Da warnt dich dein Chef: Nimm das Geburtstagslied nicht auf, sonst musst du dafür zahlen!» Die in New York ansässige Regisseurin drehte gerade einen Dokumentarfilm über die Herkunft von «Happy Birthday to You» – und hatte 1500 Dollar für die Nutzerlizenz gezahlt, als sie einen Artikel des Rechtswissenschaftlers Robert Brauneis fand, der das Urheberrecht für ungültig befand.

Partner-Inhalte

2013 entschied sie sich, mit zwei anderen Künstlern vor Gericht zu ziehen: einer Musikerin, die eine Lizenz brauchte, um «Happy Birthday to You» auf einem Live-Album aufzunehmen, und ein Regisseur, der nach einem Film von einer Rechnung über 3000 Dollar überrascht wurde. Das Künstlertrio behauptet, dass «Happy Birthday to You» der ganzen Welt gehört, nicht einer Firma. «Es ist so ein grosser Teil unseres Lebens,» sagt Nelson. «Der Gedanke, dass es irgendjemandem gehört, ist einfach nicht ok».

Zweifel am Urheberrecht von Warner Music

Zunächst argumentierten die Drei, dass eine 1963 vorgenommene Erneuerung des ursprünglichen Urheberrechts von 1935 ungültig war. Dann fanden sie vor einem Monat den möglicherweise schlagenden Beweis. In einem Liederbuch von 1922 war «Happy Birthday to You» ohne urheberrechtlichen Schutz veröffentlicht worden. Nach US-Recht waren damit alle späteren Ansprüche ungültig.
Auf eine Anfrage der dpa hat Warner bisher nicht geantwortet. Doch schon in der Vergangenheit betonte die Firma den Medien gegenüber immer wieder, das vor Jahrzehnten erworbene Urheberrecht sei gültig. In den USA galt der Schutz des geistigen Eigentums damals aber nur für 70 Jahre. Werke aus den 20er Jahren sind deshalb jedem frei zugänglich.

Werbung

«Happy Birthday» wurde für Kinder komponiert

Die Ursprünge von «Happy Birthday to You» gehen auf die von Deutschen beeinflusste Kindergartenbewegung in den USA vor mehr als einem Jahrhundert zurück. 1893 komponierte die Musikerin Mildred Hill aus Kentucky zusammen mit ihrer Schwester, der Kindergärtnerin Patty, das Lied, das ursprünglich «Good Morning to You» hiess.
Mit seiner einfachen Melodie, die Kinder leicht behalten und jeden Morgen singen konnten, sollte es im Unterricht als Lernmittel genutzt werden. Weil er nur aus sechs Wörtern bestand, konnte man den Text leicht zu verschiedenen Anlässen wie Feiertagen und Geburtstagen verändern.
Populär gemacht wurde das Lied schliesslich auf einer Geburtstagsfeier in Louisville, im US-Staat Kentucky, wo die Gäste der Deutsch-Amerikanerin Lisette Hast ein Ständchen mit dem «Happy Birthday»-Text brachten. Wenige Jahrzehnte später war das Geburtstagsständchen fester Teil der amerikanischen Kultur. Es wurde für das erste singende Telegramm genutzt und als erstes Lied im All gesungen.
(sda/jfr)

Werbung