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Technik 
Test: Mit dem Tesla X von der Altstadt auf die Autobahn

Der Autopilot macht das Fahren mit dem Tesla X komfortabel - fast zu komfortabel wie eine viertägige Testfahrt zeigt. Noch zwingt aber ein Feature die Hände an das Lenkrad.

Von Karen Merkel
2017-01-04

Ich bin altmodisch. Ein Auto, das ich fahre, soll eine Gangschaltung haben und der Motor muss röhren. Der Gegenentwurf dazu: der Tesla X mit dezentem Elektroantrieb und Autopiloten. Wo bleibt da der Fahrspass? Ich habe den SUV von Tesla vier Tage lang getestet.

Es ist das erste Mal. Das erste Mal Elektroauto, das erste Mal mit Autopilot, das erste Mal ein Auto im Wert von knapp 110'000 Franken. Als ich kurz nach der Übergabe den Wagen inspiziere, versammeln sich Passanten um das Fahrzeug, fünf, sechs hemdsärmelige Männer. Ob ich nochmal...?

Mit einem seltsamen Anflug von Stolz führe ich vor, was ich selbst gerade probiert habe. Wie sich die Flügeltüren per Doppelklick öffnen. Wie sie sich nach oben entfalten. Wie ihre Sensoren die Bewegung stoppen, wenn ein Passant zu nahe kommt. Der Tesla X ist begehrt, das zeigen die neuen Absatzzahlen vom Dienstagabend. Allerdings kommt Tesla-Chef Elon Musk – mal wieder – mit der Produktion nicht nach.

Ein SUV im Mantel eines Sportwagens

Der Tesla X ist kein Auto für Schüchterne. Er ist ein Riese, der die Strasse dominiert. 2,5 Tonnen schwer, fünf Meter lang. Beim Parken ragt er rechts eine Handbreit über die Markierung, selbst wenn er links den Bordstein touchiert. Die Silhouette eines Sportwagens, innen ein SUV mit Platz für sieben Erwachsene.

Wer diesen Koloss entert, erwartet Schwerfälligkeit. Doch das nachtschwarze Fahrzeug kurvt agil selbst durch das Zickzack der Zürcher Altstadtgassen, dank der potenten Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in weniger als 3,5 Sekunden. Die Sprachsteuerung aber versteht nur Englisch.

Verbaut ist leider auch der Schulterblick. Unter dem sportlichen Schnitt der Karosserie hat die Grösse des Heckfensters gelitten, die Sicht zurück ist zusätzlich durch den Mittelsitz blockiert.

Der Autopilot checkt die Umgebung ab

Doch ich will ja nicht zurück, ich will vorwärts. Und steuere aus dem Zentrum Zürichs, auf die A1 Richtung Bern. Es wird dunkel, vor mir reihen sich rote Rücklichter. Draussen sinkt die Temperatur auf den Gefrierpunkt. Drinnen entdecke ich den Nachteil des Panoramafensters in der Front – auch bei maximaler Heizung wird’s von vorne kühl.

Erlaubt sind 60, jetzt 80, jetzt 120 Kilometer pro Stunde. Auf meinen Display leuchtet das Symbol eines Lenkrads. Das ist das Zeichen: Hier ist die Fahrt im Autopiloten möglich. Ich atme tief ein und ziehe den Hebel für den Lenkassistenten zweimal kurz zu mir.

Ein leichtes Rucken im Steuer. Der Autopilot scannt die Umgebung. Er registriert den weissen Kombi vor mir und sogar noch dessen Vordermann, bemerkt den Audi A8, der gerade links überholt. Meldet an das Lenkrad, dass die Spur in einer leichten Kurve nach rechts zieht. Weil ausreichend Platz nach vorne ist, beschleunigt das Fahrzeug von selbst. 90, 100, 110. Es drückt mich leicht in meinen Ledersitz.