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Machtnetz

Zurich-Chef Greco: Das sind seine Mitstreiter und Gegner

Der neue Zurich-Chef Mario Greco gilt nicht als Diplomat, sondern als Analytiker ohne Angst vor harten Schnitten. Ein Überblick über die Mitstreiter und die Gegenspieler des Neapolitaners.

Dirk Schütz

Die Mitstreiter des neuen Zurich-Chefs Mario Greco:Der damalige Konzernchef James «Jim» Schiro (verstorben 2014) wollte Mario Greco bereits 2004 in die Führungsetage der Zurich holen. Greco entschied sich aber für den Verbleib in Italien und den Vermögensverwalter Sanpaolo IMI. Beim nächsten Wechsel entschied Greco sich aber für Schiros Angebot und Zurich.
Martin Senn, sein Vorgänger als Zurich-Chef, machte Greco 2010 zum Leiter des globalen Sachversicherungsgeschäfts. Das Verhältnis der beiden war und ist eng. 2012 riet Senns Ehefrau Guen Soo Greco, den Chefsessel beim italienischen Versicherer Generali zu übernehmen. Greco zögerte aus familiären Gründen, den Chefsessel des mächtigsten, aber stark politisierten italienischen Konzerns zu übernehmen.
Mit UBS-Chef Sergio Ermotti tauscht sich Mario Greco aus. Die beiden verbinden Erfahrungen in Italien, Ermotti war als Vize der Grossbank UniCredit ebenfalls bei einem italienischen Grosskonzern tätig.
Das Gleiche gilt für Vittorio Colao, den italienischen Chef des britischen Telekomriesen Vodafone.
Die Gegenspieler:Gabriele Galateri di Genola, VR-Präsident von Generali, wollte Mario Greco gerne halten, als er von dessen Angebot bei Zurich erfuhr. Greco stand seit einigen Wochen in Verhandlungen über die Verlängerung seines Dreijahresvertrages und Galateri di Genola bot ihm eine Salärerhöhung. Doch es gab auch Widerstände aus dem Verwaltungsrat gegen zu starke Sparübungen und einen weiteren Abbau von 15'000 Stellen.
Besonders einflussreich ist der grösste Einzelaktionär von Generali, die einflussreiche Mailänder Edelbank Mediobanca (Bild) mit ihrem Präsidenten Renato Pagliaro hält 13 Prozent am Versicherungskonzern. Am 9. Februar dann trennte sich Generali per sofort von Greco, obwohl dieser seinen Vertrag bis Ende April erfüllen wollte. G.dallorto/Wikimedia/CC
Als Zurich-Chef kämpft Greco auch gegen den französischen Rivalen Axa und dessen Lenker Henri de Castries, der in der Schweiz mit seiner «Winterthur» noch immer vorn liegt.
Ebenfalls zu den Gegnern zählt Oliver Bäte und die Allianz. Greco hält den Münchner Riesen für den besten europäischen Versicherungskonzern. 10 Jahre war der neue Zurich-Chef bei den Deutschen an Bord. Bäte ist wie Greco ein Ex-McKinsey-Mann.
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Die Mitstreiter des neuen Zurich-Chefs Mario Greco:Der damalige Konzernchef James «Jim» Schiro (verstorben 2014) wollte Mario Greco bereits 2004 in die Führungsetage der Zurich holen. Greco entschied sich aber für den Verbleib in Italien und den Vermögensverwalter Sanpaolo IMI. Beim nächsten Wechsel entschied Greco sich aber für Schiros Angebot und Zurich. RMS

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Die Ansprüche waren tief. «Investoren, die erwarten, dass Mario Greco Generali transformieren kann, dürften enttäuscht werden», orakelte der «Economist», als der Neapolitaner vor vier Jahren den Chefsessel des italienischen Versicherungsgiganten Generali übernahm. Es kam anders: Greco stiess Beteiligungen ab, holte ausländische Manager in die Konzernleitung, senkte die Kosten – und trieb den Aktienkurs um 50 Prozent in die Höhe. Jetzt hoffen die gebeutelten Aktionäre der Zurich Insurance Group auf eine Wiederholung.

Geprägt von der No-Nonsense-Kultur

Der 56-Jährige gilt als scharfer Analytiker, der auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt. Von der stark von Seilschaften geprägten italienischen Unternehmenslandschaft liess er sich nie vereinnahmen: Seine Lehrjahre verbrachte er bei McKinsey und dem deutschen Versicherungsriesen Allianz, dessen No-Nonsense-Kultur ihn prägte.
Dass er die Zurich bestens kennt – er leitete sowohl das Lebens- als auch das Sachversicherungsgeschäft –, ist ein grosser Vorteil. Aus der Enttäuschung über die jüngste Entwicklung macht er kein Hehl, und die Begründung für harte Schnitte liefert sie ihm allemal. Kommunikativ machte er schon vor seinem Antritt alles richtig: Die Gewinnwarnung ist draussen, der Abbau von 8000 Stellen angekündigt.

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