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Pionier

Ein Hormon gegen Angst

Dominique de Quervain hat entdeckt, dass das Hormon Cortisol in Stresssituationen Blackouts verursacht. Und auch gegen Phobien hilft.

Bastian Heiniger

Dominique de Quervain
Keine Furcht vor Spinnen Neurowissenschaftler Dominique de Quervain in seinem Labor an der UniversitΓ€t Basel. Jean-Jacques Ruchti fΓΌr BILANZ

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Person: Dominique de Quervain

Vielleicht etwas HΓΆhenangst. Ansonsten lebt der Neurowissenschaftler Dominique de Quervain (50) ziemlich angstfrei. Diese LebensqualitΓ€t wΓΌnscht er auch anderen. Die Forschung soll dazu beitragen. In seiner Heimatstadt Bern studierte de Quervain einst Medizin, nach der Promotion zog es ihn 1997 an die University of California in Irvine in die Grundlagenforschung. ZurΓΌck in der Schweiz wirkte er einige Jahre an der ZΓΌrcher UniversitΓ€tsklinik in der Psychiatrie. Seit 2009 hat er an der UniversitΓ€t Basel eine Professur fΓΌr kognitive Neurowissenschaften inne. De Quervain gewann den Pfizer-Preis, den Robert-Bing-Preis und den CloΓ«tta-Preis. Mit Frau, Sohn und Hund lebt er in der Region Basel.

Produkt: Cortisol gegen Phobien

Vor 20 Jahren hat Dominique de Quervain in den USA eine Entdeckung gemacht, die noch heute zahlreiche Forscher antreibt. Er fand heraus, wieso manche Personen in Stresssituationen einen Blackout erleiden. Schuld daran ist das Hormon Cortisol. Β«Ich kam dann auf die Idee, dass Cortisol helfen kΓΆnnte, auch negative Erinnerungen zu vermeiden.Β» Eingesetzt werden kann das Stresshormon also bei posttraumatischen BelastungsstΓΆrungen oder Phobien. In bereits elf Studien haben weltweit Wissenschaftler die Wirksamkeit nachgewiesen. So zeigte sich etwa, dass Personen mit ΓΌbersteigerter Angst vor VortrΓ€gen, Jobinterviews oder dem Kontakt mit Spinnen die Situation dank Cortisol gelassener meistern.

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Potenzial: Ersatz fΓΌr Valium oder Temesta

Rund ein Viertel der Menschheit leidet unter Stress, Phobien und ΓΌbertriebener Angst. FΓΌr die Behandlung solcher Erkrankungen werden den Patienten derzeit Medikamente wie Valium oder Temesta verschrieben. Diese machen aber abhΓ€ngig. Β«FΓΌr den dauerhaften Einsatz sind sie deshalb nicht geeignetΒ», sagt de Quervain. Anders verhΓ€lt es sich hingegen mit Cortisol. Damit es klinisch eingesetzt werden kann, braucht es indes noch gross angelegte Studien mit vielen Testpersonen. De Quervain rechnet mit rund fΓΌnf Jahren, bis es so weit ist.
Serie: Die Schweizer Wissenschaft ist Weltspitze – doch die Macher sind kaum bekannt. BILANZ prΓ€sentiert regelmΓ€ssig Personen, die mit ihren Innovationen die Welt verΓ€ndert.

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