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Kunstmuseum

Wie Herzog & de Meuron die Berliner Gemüter erregen

Berlin ist für seine erbitterten Debatten bekannt. Natürlich geht's auch beim neuesten Prestigeprojekt nicht ohne ab. Was haben Herzog & de Meuron sich da als neues Kunstmuseum ausgedacht?

Wo Herzog & de Meuron in der Welt präsent sind:Mit dem Tour Triangle in Paris bekommen die Architekten die Chance sich in einer der schönsten Städte der Welt zu verewigen. Gerade deshalb war das Projekt höchst umstritten.Herzog & de Meuron
In ihrer Heimatstadt Basel können sich Herzog & de Meuron austoben. Das neuste Projekt kommt von Helvetia. Bis voraussichtlich Ende 2023 gestaltet die Versicherung nach den Plänen des Architekturbüros ihren Hauptsitz an der St. Alban-Anlage neu. Herzog & de Meuron
Im New Yorker Stadtteil Tribeca errichten die Basler den Wohnturm 56 Leonard (ganz links). Das futuristische Gebäude wurde von der Presse «Jenga»-Hochhaus getauft – nach dem Spiel mit Holzklötzchen.
lagranputadeny/Instagram
Auf Instagram ist das Hochhaus schon vor der Eröffnung ein Star.
dlbritnot (l.), hello88goodbye (m.), andrew.hafnor (r.)/Instagram
In Berlin bauen die Basler Architekten ein neues Stadtquartier um das Kunsthaus Tacheles. Das Tacheles war jahrelang ein alternatives Künstlerzentrum.
Zuhause ist das Architektenduo in Basel, wo sie auch für den Bau des Roche-Turms verantwortlich sind. Der «Roche Bau 1» ist mittlerweile eröffnet und mit seinen 175 Meter das höchste Haus der Schweiz, zumindest vorübergehend...
... denn nach den Plänen von Herzog & de Meuron bekommt das Gebäude bis 2021 einen 205 Meter hohen Zwilling. Der gesamte Roche Campus soll drei Milliarden Franken kosten und wird das Gesicht der Stadt Basel grundlegend verändern. Roche
Obwohl Herzog & de Meuron inzwischen auch Zweigstellen in London, München, Barcelona, San Francisco und Tokio betreiben, bleibt Basel der «Showroom» der beiden. Nirgends finden sich so viele Bauten der Architekten wie am Rheinknie. Das Bild zeigt die Apotheke des dortigen Kantonsspitals aus den Jahren 1995 bis 1997. Wikimedia/CC/Tobias Helfrich
Die neueren Gebäude von Herzog & de Meuron sehen anders aus. Bekannt ist beispielsweise die Firmenzentrale des Pharmakonzerns Actelion in Allschwil direkt an der Stadtgrenze zu Basel. Keystone
Den grossen internationalen Durchbruch schafften die Basler mit der Erweiterung der Tate Gallery in London. Das Museum wurde im Jahr 2000 in einem alten Ölkraftwerk, der Bankside Power Station eröffnet. 2001 gewannen die Architekten den renommierten Pritzker-Preis – er gilt als Nobelpreis für Architektur.
Viel Erfahrung haben Herzog & de Meuron im Bau von Stadien. 1998 bis 2001 bauten sie den St.-Jakob-Park in Basel. Der kristallförmige Turm kam im Zuge der Erweiterung für die EM 2008 dazu. Wikimedia/CC/Sven Scharr
Mit der Allianz Arena in München ersetzten die Basler das berühmte Olympiastadion als Heimstätte der Bayern. Die Arena schwebt wie ein UFO über den Feldern von Fröttmaning. Wikimedia/CC/Poco a poco
Viel Kritik gab es indes für den Bau des «Vogelnestes» für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Menschenrechtler prangerten die Zusammenarbeit mit dem Regime an und Chinesen sahen im Projekt den Missbrauch Chinas als Experimentierfeld. Herzog & de Meuron planten das Stadion zusammen mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Wikimedia/CC/Peter23
Gar als Skandalprojekt gilt inzwischen die Elbphilharmonie in Hamburg. Das seit 2007 im Bau befindliche Konzerthaus sollte eigentlich 77 Millionen Euro kosten und 2010 eingeweiht werden. Inzwischen ist die Eröffnung auf 2017 verschoben worden und die voraussichtlichen Kosten betragen rund 800 Millionen Euro.
Das 2008 eröffnete CaixaForum in Madrid ist ein eher kleineres Projekt der Basler Architekten. Mit einem Preis von 60 Millionen Euro blieben sogar die Kosten für einmal im Rahmen.
Stilmässig decken Herzog & de Meuron eine grosse Bandbreite ab. Die Prada Boutique in Tokio aus dem Jahr 2003 weicht beispielsweise stark ab vom Minimalismus vieler anderer Projekte. Bilder: Keystone
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RMS

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«Auf dieses Bauvorhaben schaut die ganze Welt. Hier werden wir daran gemessen, wie Deutschland mit Architektur umgeht», so fasste Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Erwartungen an das geplante Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin zusammen. Seit die Jury Ende Oktober das Schweizer Starduo Herzog & de Meuron als Sieger des Architektenwettbewerbs vorstellte, schlagen in der Hauptstadt die Wellen hoch.

Ist das wirklich ein «grandioser Entwurf», ein Befreiungsschlag für das trostlose Kulturforum - oder ist es ein Bierzelt, ein Baumarkt, eine Einkaufszentrum?

Immer im Dialog

Seit Freitag sind in Berlin die Entwürfe aller 40 Büros zu sehen, die am Wettbewerb beteiligt waren - ein Who is Who der internationalen Architekturszene. Bei einer Podiumsdiskussion zur Ausstellungseröffnung am Vorabend machen die Schweizer Sieger deutlich, wie viel ihnen an einer einvernehmlichen Lösung gerade an diesem prestigeträchtigen Standort gelegen ist.

Ein Projekt müsse immer im Dialog mit Bauherrn, Nutzern und Stadt entwickelt werden, sagt Ascan Mergenthaler, Seniorpartner des Basler Büros. «Wir gehen nie davon aus, dass unser Entwurf das Endresultat ist.»

Sie wollen «einen Ort für alle» schaffen

Dennoch wird im Grossen und Ganzen bleiben, was die Jury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Arno Lederer einstimmig als Spitzenlösung kürte. Danach entsteht in der Nähe des Potsdamer Platzes, zwischen den beiden Architektur-Ikonen der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe und der Philharmonie von Hans Scharoun, ein ebenso gigantisches wie schlichtes Haus für die Kunst der klassischen Moderne - rechteckig, Backstein, Satteldach, fast 15'000 Quadratmeter Nutzfläche, beinahe 10'000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

«Ist es eine Lagerhalle? Oder eine Scheune? Oder vielleicht eine Bahnhofshalle? Ist es nicht vielmehr ein Tempel, mit den exakt gleichen Giebelproportionen wie die Alte Nationalgalerie von August Stüler?», schreiben die Architekten in ihrem Exposé selbst. Man habe die archaische Form des Hauses gewählt, um einen Ort für alle zu schaffen, sagt Firmenmitbegründer Pierre de Meuron. «Für uns ist es beides. Es ist sehr selbstverständlich, aber es muss auch selbstbewusst sein.»

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Rund um die Uhr ein Durchgehen und Verweilen

Den Ausschlag für die Faszination der Jury gab aber das Raumkonzept. Zwei sich kreuzende innere Strassen schaffen eine Verbindung zwischen Philharmonie und Nationalgalerie einerseits wie auch zwischen der benachbarten Kirche St. Matthäi und der gegenüberliegenden Staatsbibliothek. Sie sollen rund um die Uhr ein Durchgehen und Verweilen erlauben.

Wie in einer Stadt soll die Kreuzung so zum belebtesten Ort der Hauses werden. Ein Lichthof im Herzen des Gebäudes sorgt für Tageslicht bis ins Untergeschoss.

In so einem Museum könne man Kunst nicht nur anzuschauen, sondern auch erleben und über sie sprechen, sagt der künftige Hausherr, Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann. Und erinnert daran, wie wohl Mitte der 60er Jahre Mies van der Rohe seinen heute so gefeierten Glasquader für die Neue Nationalgalerie vorstellte. «Was muss das in den ersten Reaktionen ausgelöst haben, dass dieser Glastempel, der als Entwurf für eine Schnapsfabrik auf Kuba geplant war, auf einmal ein Museum sein sollte?», meinte er.



Es soll nicht wie bei der Elbphilharmonie laufen

Jenseits aller architektonischen und künstlerischen Fragen wird allerdings auch das Geld eine wichtige Rolle spielen. 200 Millionen Euro hat der Bundestag vor zwei Jahren bewilligt, bis 2021 soll das Haus stehen.

Herzog & de Meuron haben mit Grossprojekten Erfahrung: Von ihnen stammt etwa die Allianz Arena in München, der Neubau der Tate Modern in London und das Nationalstadion in Peking, aber auch die finanziell völlig aus dem Ruder gelaufene Elbphilharmonie in Hamburg. Die Lehre aus Hamburg müsse sein, die Planung vorab wirklich bis ins Detail festzuzurren, mahnt de Meuron. «Wenn zu früh ausgeschrieben wird, kommt's zum Desaster.»

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(sda/ccr)

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