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Fuhrs Woche

Was wir aus Brexit, Grexit, Amexit lernen

Die vorherrschende Himmelsrichtung heisst Exit. Was lernen wir aus alledem? Nichts. Lediglich wie wenig wir voneinander wissen. Wir leben in einem Informationsrausch und werden doch immer dΓΌmmer.

Eckhard Fuhr

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Donald Trump: Sein erster Besuch im Oval Office. Keystone RMS

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Letzte Woche hat sich die Weltgeschichte wieder einmal einen 9. November fΓΌr einen ihrer PaukenschlΓ€ge ausgesucht. Der weckte die EuropΓ€er mit der Nachricht, dass die Amerikaner sich nicht an die Demoskopen gehalten und einen Mann zum PrΓ€sidenten gewΓ€hlt hΓ€tten, der manche Γ„hnlichkeit mit einem Gruselclown aufweist und die feste Absicht bekundet hat, eine Mauer zu bauen.

Vor 27 Jahren fiel am 9. November ein solches Bauwerk, von dem ein anderer Mann mit ausgeprΓ€gten GruselclownzΓΌgen wiederum 28 Jahre frΓΌher behauptet hatte, dass niemand die Absicht habe, es zu bauen.

Aus deutscher Sicht war der 9. November 1989 das Ende eines langen Weges nach Westen, der am 9. November 1918 mit der Ausrufung der Republik zaghaft beschritten worden war und am 9. November 1938 mit der sogenannten Reichspogromnacht brutal unterbrochen wurde.

Vom 9. November 1989 an aber schwammen die Deutschen, so glaubten sie, mit EuropΓ€ern und Amerikanern in einem breiten ruhigen Fluss namens Westen, in dem bald jeder mitschwimmen wollte, selbst Russland, nur Nordkorea blieb hartnΓ€ckig wasserscheu.





Sogar in Arabien brach kurzzeitig der FrΓΌhling aus

Die Chinesen machten ihre eigene Badeanstalt auf, in die sie aber jede Menge westliches Kapitalismus-Wasser ableiteten. Die Nachfrage nach politischen Kompassen brach ein, weil sowieso ΓΌberall Westen war. In der Globalisierung braucht man sich keinen Kopf ΓΌber Himmelsrichtungen zu machen.

Und in der Zivilgesellschaft schrumpfen kulturelle, soziale oder ΓΆkonomische Kriegsursachen zu moderierbaren Meinungsverschiedenheiten.

Sogar in Arabien brach der zivilgesellschaftliche FrΓΌhling aus. Er endete allerdings in einer Katastrophe, weshalb schon damals von manchem die bange Frage gestellt wurde, ob nicht die rosa Globalisierungsbrille eine gravierende Fehlsichtigkeit verursache.



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Wir werden immer dΓΌmmer

Und nun also Trumps 9. November. Das Volk, der grosse Lümmel, hat der guten Gesellschaft gezeigt, was es von ihr hÀlt. Über Nacht ist der ruhige breite Fluss versandet. Kein Westen mehr, nirgends.

Die vorherrschende Himmelsrichtung heisst Exit oder Brexit oder Amexit. Die Angelsachsen haben es besonders eilig herauszukommen. Zwar spricht die ganze Welt Englisch. Das macht die Muttersprachler aber noch nicht zu WeltbΓΌrgern.

Was lernen wir aus alledem? Nichts. Ausser vielleicht, wie wenig wir voneinander wissen in dieser doch angeblich so total vernetzten Welt. Wir leben in einem Informationsrausch und werden immer dΓΌmmer.



Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfΓ€ltig ausgewΓ€hlt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion ΓΌbereinstimmen.

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