Wie sieht es mit anderen Industriezweigen aus, die weniger im politischen Fokus stehen: Könnten etwa exportorientierte Schweizer Unternehmen unter den von Trump angekündigten Handelsbarrieren leiden?Der Freihandel steht weltweit unter Druck. Nicht nur Trump, auch Clinton hat sich im Wahlkampf kritisch darüber geäussert. Das kann bedeuten, dass sich in den USA tatsächlich Mehrheiten finden könnten, um diesen einzuschränken. Oft wird dabei aber unterschätzt, wie sehr amerikanische Unternehmen von diesen Abkommen profitieren. Mächtige Interessengruppen stützen diese. Bestehende Abkommen werden deshalb vermutlich nicht fundamental in Frage gestellt. Schwieriger wird es jedoch in jedem Fall, die Freihandelsagenda weiter voranzutreiben und neue Abkommen zu schliessen.
Gibt es ein Szenario, in dem einer der Kandidaten handlungsfähig wäre, die Wirtschaft neu zu regulieren?Sollte Trump gewinnen und die Republikaner die Mehrheit im Senat behalten, könnten die Republikaner bis zu den nächsten Parlamentswahlen grundlegende Veränderungen durchdrücken. Dieses Szenario ist aber eher unrealistisch. Ausserdem darf man nicht unterschätzen, wie zerrissen die Republikaner derzeit im Kern sind und wie viele Parteimitglieder Trumps Politik nicht mittragen.
Trotz wirtschaftsfeindlicher Äusserungen Trumps haben viele Schweizer Unternehmen für die Republikaner gespendet. Wieso? In den USA gibt es eine starke Tradition, im Wahlkampf beiden Parteien Geld zu geben – auch wenn eine davon Politik macht, die den Interessen des Unternehmens entgegen läuft. Gibt sich eine Partei etwa bankenkritisch, wird sie dennoch Geld von Banken erhalten. Diese werden versuchen, sich gut mit der Partei zu stellen und den Zugang zur Politik zu bewahren. Diesen muss man sich im US-System erkaufen. Besonders Banken und Pharmaunternehmen werden darauf bedacht sein, Beiträge gleichmässig auszuzahlen. Es geht dabei nicht darum, spezifische Kandidaten zu stützen, sondern den Zugang zu allen Kandidaten zu wahren.
Die heisse Phase im Wahlkampf steht bevor und die Demokraten haben sich noch nicht weiter auf Trumps Steuererklärung und seine Geschäftstüchtigkeit eingeschossen. Behält Hillary diesen Angriff als Ass im Ärmel?Das ist eine Möglichkeit. Wenn man einen guten Pfeil im Köcher hat, muss man überlegen, wann man diesen einsetzt. Die Demokraten haben viel Geld gesammelt und könnten eine konzentrierte Werbekampagne fahren. Denkbar ist aber auch, dass die Demokraten gar kein riesiges Interesse haben, auf Finanzangelegenheiten Trumps loszugehen – einem Bereich, in dem die Republikaner aggressiv zurückschiessen könnten. Im Clinton-Lager gibt es ebenfalls unbeantwortete Fragen was Spendengelder, Honorare oder die Finanzen in ihrer Clinton Foundation anbelangt. Clinton hat auf diesem Feld möglicherweise sogar mehr zu verlieren als Trump. Jedem Amerikaner ist bewusst, dass in seinem Firmenimperium einiges mit komischen Dingen zugeht.
Könnten Clintons E-Mails ihr im Umkehrschluss das Genick brechen?Die Kampagne hält sich erstaunlich lange in den Medien – etwas wirklich problematisches ist dabei aber nicht rausgekommen. Auch hier stellt sich wohl eher die Frage nach der Transparenz der Clinton Foundation.