Eines muss man Ex-CS-Chef Tidjane Thiam lassen: Wie er es immer wieder schafft, sich bei der Aufarbeitung des CS-Debakels als Opfer und nicht als Täter zu positionieren, ist hohe Schule. Jüngstes Beispiel: das Buch «Meltdown» des Bloomberg-Journalisten Duncan Mavin.
Gerade 29 Seiten widmet es der finalen Phase des Untergangs zwischen Oktober 2022 und März 2023, mit praktisch keinen neuen Erkenntnissen. Der Phase Thiam werden dagegen 60 Seiten eingeräumt, und es ist offensichtich, dass Thiam die Gelegenheit nutzte, sich ins rechte Licht zu rücken: Autor Mavin, der nie in der Schweiz gelebt hat, übernimmt willfährig die Sichtweise, dass «Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Snobismus» die Gründe für die Kritik an Thiam seien. Belege: Fehlanzeige. Dass er an dem CS-Aus keine Schuld trage, hatte Thiam bereits vier Tage nach dem Aus in der «Financial Times» behauptet.
Auslöser war der untaugliche Umbauplan, den der Versicherungsmann Thiam nach einer regionalen Assekuranzlogik bei seinem Antritt 2015 präsentiert hatte und der nicht nur von vielen CS-Schlüsselleuten, sondern auch von den UBS-Spitzen Colm Kelleher und Sergio Ermotti als Startpunkt des Untergangs gesehen wird. Auch die PUK ermittelte ab 2015. Besonders schön: Thiam will diesen Plan mit dem Ende der «One Bank» gar nicht selbst erfunden haben, wie er via Mavin ausrichten lässt: Er stamme doch vom damaligen Präsidenten Urs Rohner. Es waren eben immer die anderen.