Alles hat augenscheinlich einen Preis. Wenn die Kasse stimmt, geben die Rolling Stones ein Privatkonzert in Paris. Oder sieben Hollywood-Diven schweben zu einer privaten Geburtstagsfeier. Porsche schraubt gegen Bares jeden gewรผnschten Prototyp fรผr die Privatgarage eines ungenannten Sammlers zusammen. Und das aktuell grรถsste und teuerste Flugzeug der Welt, der Airbus A380, wird fรผr einen saftigen Aufpreis quasi zum protzigen fliegenden Teppich.
Als derzeit liebstes Spielzeug ordern Superreiche gerne ein U-Boot; geparkt im Bauch der eigenen Megayacht, fรผr neugierige Sehleute unsichtbar, autark fรผr zweiwรถchiges รberleben in hundert Metern Tiefe. Microsoft-Mitgrรผnder Paul Allen (59), in jungen Jahren Software-Sozius des derzeit zweitreichsten Erdenbewohners Bill Gates (57), war Vorwellenreiter. Als er seine 126 Meter lange Yacht ยซOctopusยป bei der Lรผrssen-Werft in der deutschen Hansestadt Bremen orderte, bestellte der visionรคre Eigner ein U-Boot fรผr acht Passagiere gleich mit.
Wie einst in Zeiten des Kalten Krieges konterten Russen diesen amerikanischen Vorstoss. Rohรถl-Oligarch Roman Abramowitsch (46) und der Wahlschweizer Wodkakรถnig Juri Shefler (45) folgten Allen und bestellten ebenfalls U-Boote. Wรคhrend Shefler sich mit diesem Extra fรผr sein 143 Meter messendes Superschiff ยซSerenaยป begnรผgte, liess der Wahllondoner Abramowitsch seine 162-Meter-Megayacht ยซEclipseยป nach dem Stapellauf aus der Werft Blohm + Voss in Hamburg ausserhalb der deutschen Gewรคssergrenzen weiter aufrรผsten. Modernste Hightech-Raketenabwehrsysteme, wie sie der รคngstliche Russe nun an Bord einsetzt, dรผrfen in Deutschland nicht an Privatleute verkauft werden.
Durch solche Sonderwรผnsche gilt die einstige Kaufpreiskalkulation lรคngst nicht mehr: eine Million Dollar pro Meter Megayacht. Bei der ยซDubaiยป, quasi das Staatsschiff des gleichnamigen Emirates am Persischen Golf, hat Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum (63) wohl fรผr jeden der 162 Lรคngenmeter zwei Millionen Dollar bezahlt und dennoch ein Schnรคppchen gemacht. Denn der Herrscher des Emirates Dubai, in Personalunion Premier und Verteidigungsminister, konnte gรผnstig den Schiffsrohbau entern, nachdem Hassanal Bolkiah (66), der Sultan von Brunei, seinen zwรถlf Kindern (mit drei Frauen) das Klimpergeld gekรผrzt hatte. Ein Sprรถssling bat kleinlaut darum, seinen Auftrag zum Schiffbau zu stornieren โ gegen Zahlung einer saftigen Konventionalstrafe.
Dass dem saudischen Prinzen Alwaleed Bin Talal Bin Abdulaziz Alsaud (55) vor dem Stapellauf das Geld ausgehen und er die mit 180 Schwimmmetern derzeit lรคngste Superyacht ยซAzzamยป nicht cash bezahlen kรถnnte, ist hingegen unvorstellbar. Der Enkel des Staats- und Dynastiebegrรผnders Abd al-Aziz ibn Saud (1880โ1953) gilt mit seiner kapitalkrรคftigen Kingdom Holding als einer der 30 reichsten Erdenbรผrger.
Je lรคnger die Yacht, desto problematischer wird freilich das Anlegen in den Hรคfen dieser Welt. Bequeme Ankerplรคtze direkt vor privaten Inseln gibt es nicht wie Sand am Meer. Eigene Eilande gelten unter hippen Superreichen wie dem britischen Multiunternehmer und -milliardรคr Sir Richard Branson (62), dem รถsterreichischen Red-Bull-Getrรคnkeriesen und Formel-1-Rennstallbesitzer Dietrich Mateschitz (68) oder His Royal Highness Karim Aga Khan (76) als ausgesprochen angesagt. Wรคhrend Mateschitz seine Fidschi-Insel Laucala bei eigener Abwesenheit ebenso potenten Mietern anvertraut wie Branson seine karibische Necker Island und, bei Flitterwรถchnern besonders begehrt, die herzfรถrmige Makepeace Island vor der Ostkรผste Australiens, hรคlt der Imam der muslimischen Ismailiten seine fรผnf Hektar grosse Karibikinsel Bell Island strictly private.
Spielzeuge wie das Superschiff ยซAzzamยป haben fรผr winzige Problemhรคfen รผberschaubarer Inselchen Lรถsungen an Bord; Beiboote nรคmlich oder Hubschrauber. So kommt der Eigner entweder zu Wasser oder aus der Luft ans Ziel.
Superpromis fรผr Superreiche. Was teuer ist, legt sich der Mittfรผnfziger Alwaleed als Zeichen gigantischer Finanzpotenz sichtbar gern zu. Der Saudi-Prinz war vor fรผnf Jahren schon der erste Privatkรคufer eines Riesen-Airbus A380, natรผrlich mit Flying-Palace-Ausstattung.
Runde 400 Millionen kostet solch ein Supervogel. Eine Boeing 747, der sogenannte Jumbojet, landet laut Liste preiswerter im privaten Hangar. Der Sultan von Brunei besitzt (noch) keinen A380, aber ein paar kleinere Grossraumflugzeuge wie eine Boeing 747, eine 767 und einen Airbus A340. Ein Flieger steht stets parat fรผr die Polopferde des Herrschers.
Hielten sich Majestรคten einst Hofnarren zum Zeitvertreib, lรคsst der Alleinherrscher nach Lust und Laune Minnesรคnger einfliegen. Der selige Michael Jackson sang bei Hofe ebenso vor wie Bee Gee Robin Gibb. Sohn und Prinz Abdul Azim (30) genoss Glรผckwรผnsche zu seinem 30.โGeburtstag hautnah von Faye Dunaway, Raquel Welch und Mariah Carey. Und auch Lizzie Jagger, Tochter von Ober-Rolling-Stone Mick Jagger (69), hofierte den solventen Sohnemann.
Vater Mick bereitet derweil zum 50-Jahr-Bรผhnenjubilรคum mit seinen Mitmusikanten Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts eine Minikonzertreise vor. Fรผr einen ordentlichen Zustupf lassen sich auch die berรผhmtesten Rockmusiker vor den Werbekarren spannen. Jedenfalls gaben sie dem Drรคngen eines franzรถsischen Investment Bankers nach: Der 65-jรคhrige Finanzjongleur Edouard Carmignac spendierte angeblich sechs Millionen Euro aus seinem Privatvermรถgen. Fรผr das Honorar musizierten die Stones Ende Oktober im Pariser Thรฉรขtre Mogador vor 1800 Gรคsten.
3000 Autos. Der Sultan von Brunei hat von allem, was angeblich glรผcklich macht. Mindestens 3000 hochwertige Automobile parken in den Palastgaragen, etliche Einzelstรผcke, geschmiedet bei Rolls-Royce, Bentley, Porsche und Mercedes-Benz. Um seine vielen Pferdestรคrken bis an die Motorgrenzen ausfahren zu kรถnnen, hat sich der Regent eine eigene Rennstrecke anlegen lassen.
Ob jedoch in einem der 1788 Gemรคcher des Potentaten eine protzige Limousine parkt, ist nicht รผberliefert. Wie ein Silberpfeil im Wohnzimmer wirkt, fรผhrt stolz der Rohstoffmilliardรคr Eike Batista (56) vor. Der ยซScheich vom Amazonasยป, temporรคr als reichster Brasilianer gelistet, liess sich einen 750โ000 Pfund teuren Mercedes SLR McLaren aus England nach Rio de Janeiro spedieren und dann mit einem Kran ins weitlรคufige Wohnzimmer hieven. Der Absolvent der renommierten Rheinisch-Westfรคlischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen, der mit รl und Gas geschรคftet sowie Gold-, Silber- und Eisenerzminen ausbeutet, mischt in ziemlich jeder Branche in Brasilien mit bis hin zur Unterhaltungsindustrie. Tragisch die Schlagzeilen, als Stammhalter Thor Batista (21) im Frรผhjahr bei einem Verkehrsunfall mit einem McLaren Mercedes (Kennzeichen: EIK 063) einen Radfahrer tรถtete.
Glimpflicher kam Anton Rupert (26) davon, als der Sohn des Richemont-Grossaktionรคrs Johann Rupert (62) einen Ferrari 250 GT Berlinetta, Baujahr 1957, demolierte. ยซDas liegt wohl in den Genenยป, rechtfertigte der Senior und gestand mit Verzรถgerung: ยซIn Antons Alter habe ich mit meinem Alfa Romeo Giulia Super schlimmere Dinge angestellt.ยป
Vater und Sohn Rupert gehen regelmรคssig an den Start bei Oldtimer-Rallyes. Deren Startfeld wirkt wie ein Concours der Eitelkeiten. Als Krรถnung gelten die Mille Miglia, 1000 Meilen durch Oberitalien. Dass der Co-Sponsor und Chopard-Uhrmacher Karl-Friedrich Scheufele (54) mit Gattin Christine als Sozia in diesem Jahr in einem Ferrari 750 Monza an den Start ging, ist naheliegend; wie auch der Start des Fiat-Erben und Prรคsidenten John Elkann (36) mit Gemahlin Lavinia Borromeo in einem 60 Jahre alten Fiat Berlinetta V8. Im riesigen Startfeld rollten auch Bankier Pierre Mirabaud (63) und Girard-Perregaux-Generalmanager Stefano Macaluso (37) jeweils in einem legendรคren Mercedes 300 SL mit Flรผgel-tรผren aus den 1950er Jahren.
Ferraris gingen relativ wenige an den Start. Womรถglich weil von keiner Autoschmiede prozentual so viele Oldtimer in Sammelgaragen geparkt werden. Gegen zwei Dutzend Ferraris reiht zum Beispiel der einstige Rolex-Zulieferer Jean-Pierre Slavic (63) in seiner Tiefgarage siebzehn Meter unter dem Wasserspiegel des Genfersees aneinander. Im angeblich teuersten Privathaus der Welt, im Antilia-Hochhaus in der indischen Millionenstadt Mumbai, hat Bauherr Mukesh Ambani (55) auf sechs Etagen 168 Stellplรคtze fรผr seine automobile Ausstellung abteilen lassen. Im siebten Geschoss schrauben Automechaniker in einer Hightech-Werkstatt an der imposanten Flotte des angeblich reichsten Inders. ยซForbesยป schรคtzt das Vermรถgen des Petrochemie-Potentaten auf fast 30 Milliarden Dollar.
Der Vater von drei Kindern verfรผgt in seiner 173 Meter hohen, 27 Etagen umfassenden Residenz รผber insgesamt 37โ000 Quadratmeter Wohn- und Nutzflรคche. Entworfen vom Architekturbรผro Perkins + Will aus Chicago, soll der Antilia-Komplex an die Hรคngenden Gรคrten im biblischen Babylon erinnern. 600 Mitarbeitende stehen auf der Lohnliste von Ambanis privater Hausverwaltung. Der Hausherr will mit seiner Mutter und der eigenen fรผnfkรถpfigen Familie vorerst nur die oberen sechs Etagen nutzen.
Mit seinen Zigtausenden Pferdestรคrken unter Dutzenden Motorhauben kann Ambani bei echten Pferdeliebhabern allerdings kaum punkten. Unter den Vollblutzรผchtern der Welt steht nรคmlich der Saudi-Prinz Khalid ibn Abdullah (75) am hรถchsten im Kurs. Der Besitzer des vierjรคhrigen Hengstes Frankel richtet gerade im britischen Newmarket eine moderne Deckstation fรผr sein Paradepferd ein. Getauft auf den Namen des 2009 verstorbenen amerikanischen Pferdeflรผsterers Robert Frankel, hat der Vollblรผter vierzehn aufeinanderfolgende Rennen gewonnen. Zuchtexperten taxieren Frankels Wert mit 150 Millionen Franken. Prinz Khalid, Besitzer des Gestรผts Banstead Manor, wird ab sofort fรผr jeden Sprung von Frankel 190โ000 Franken kassieren. Gleich hundert Stuten soll der Star schon im ersten Jahr beschรคlen. Da ergiessen sich dann fast 20 Millionen Franken Decktaxe โ in nur zwรถlf Monaten.
Wie Frankel verfรผgt auch das vermeintlich weltbeste Dressurpferd, der Rappe Totilas, รผber eine eigene Deckstation, eingerichtet auf dem Schafhof vor den Toren Frankfurts. Zehn Millionen Euro sollen der Rosshรคndler und Hengsthalter Paul Schockemรถhle (67) und die Millionenerbin Ann Kathrin Linsenhoff aus dem Sack gezogen haben, um die hollรคndische Goldmedaillenhoffnung vor den Olympischen Spielen nach Deutschland zu bringen und so Edelmetall auf sicher zu haben. Als Reiter war Matthias Alexander Rath (28) auserkoren, Stiefsohn der einstigen Dressur-Goldmedaillengewinnerin Linsenhoff. Vor Olympia posierte Rath mit Freundin in ritterlichen Kostรผmen. Dem aufwendigen Fotoshooting folgte das Aus vor der Erรถffnung der Spiele in London. Dressurreiter Rath erkrankte am Pfeifferschen Drรผsenfieber und konnte nicht aufsatteln.
Statt mit tierischen Zuchtlinien suchen andere eine in Stein gemeisselte Verewigung. So wie schon die Pharaonen im alten รgypten Pyramiden als letzte Ruhestรคtten errichten liessen. Der europรคische Hochadel knรผpfte mit Gruften in Domen oder Basiliken an diese Nachlebensart an. Otto von Habsburg, der erstgeborene Sohn des letzten regierenden Kaisers Karl von รsterreich-Ungarn, wurde noch im vergangenen Jahr in der Wiener Kapuzinergruft bestattet und sein Herz in ein Kloster รผbergefรผhrt. Diese Tradition setzte der abgedankte deutsche Kaufhauskรถnig Helmut Horten fort, als er fรผr sich und Gemahlin Heidi in der Ortschaft Sekirn am Sรผdufer des Wรถrthersees beizeiten sein persรถnliches Mausoleum mauern liess. In der 28 Quadratmeter grossen Marmorgruft ruhen seit 1987 Hortens sterbliche รberreste.