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Schweben auf Wolke Sieben

Was ist Luxus? Gute Frage. Die derzeit beste Antwort darauf liefert die Zauberwelt der Aman-Resorts.

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In luxuriΓΆsen Hotels bedeutet teurer Service nicht unbedingt guter Service. Vielreisende kΓΆnnen darΓΌber ein Lied singen: Zu oft muss man um die Gunst von aufgeblasenen Kellnern kΓ€mpfen, die einem schliesslich lauwarme, mittelmΓ€ssige MenΓΌs unter Silberdeckeln vorsetzen. Zu oft muss man bei der Ankunft ein halbes Dutzend TrinkgeldzapfsΓ€ulen passieren, bis man in seinem Zimmer angekommen ist. Und zu oft wird man in marmorglΓ€nzenden Hallen von blasierten RΓ©ceptionistinnen ignoriert, die damit beschΓ€ftigt sind, in ihre Computer zu schreiben: Β«Ich hasse diesen Gast. Ich hasse mein Leben. Ich werde auch den Gast dazu bringen, sein Leben zu hassen.Β»
In solchen Momenten sehnt sich der Vielreisende nach einem Aman-Resort. In den Aman-Resorts sind die Mitarbeiter von Grund auf gut zu Ihnen, arbeiten in einer Art hΓΆheren Zufriedenheit und ΓΌbertragen ihre herzliche SelbstverstΓ€ndlichkeit auf Sie, den Gast, der mit ungekΓΌnstelter Freundlichkeit empfangen, mit spontaner Zuvorkommenheit bedient und ΓΌberall mit Namen oder zumindest einem offenen LΓ€cheln begrΓΌsst wird. Mehr noch: Die Mitarbeiter in den Aman-Resorts scheinen nicht nur ihren GΓ€sten Respekt entgegenzubringen, sondern auch einander, dem Hotel, sich selbst. Und die vielen eingefleischten Fans, die sich weigern, in anderen Hotels abzusteigen – die Β«Aman-JunkiesΒ», wie sie in der Branche heissen –, machen mit ihren FerienerzΓ€hlungen mehr Leute sΓΌchtig als jede (auch deshalb vermiedene) Werbekampagne. Das mutet beinahe schon gespenstisch an, wie eine Saga aus einer Zauberwelt.

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Diese Zauberwelt wurde von einem Mann erschaffen oder besser: erfunden, der Hotels eigentlich nicht besonders mag. Als der indonesische Lebemann Adrian Zecha vor 13 Jahren einen acht Hektar grossen Kokospalmenhain in einem geschΓΌtzten Winkel der thailΓ€ndischen Insel Phuket erwarb und darauf ein kleines Luxusresort mit 40 Zimmern erstellte, staunte die Fachwelt: Das Β«AmanpuriΒ» war ein alle Normen sprengendes Antihotel auf hΓΆchstem Niveau. Alles war anders, alles aufregend neu.
Zecha, der zuvor als Berater fΓΌr die Regent-Gruppe neue MassstΓ€be im Luxussegment der asiatischen Hotellerie gesetzt hatte, nahm sich bei seinem revolutionΓ€ren Konzept die Freiheit, all das wegzulassen, was er an Hotels hasste. Es sollte keine Praline auf dem Kopfkissen geben, kein gelangweiltes, arrogantes Personal an der Rezeption, keine Quittung, die fΓΌr jede Flasche Wasser, die man bestellt, unterschrieben werden muss, keine Musik im Aufzug, keine Barbecuepartys am Pool, keinen BegrΓΌssungscocktail mit dem Hotelmanager.
Kollegen aus seiner Zeit bei Regent sagten ihm, er sei verrΓΌckt. Sie argumentierten, dass man mit nur vierzig Zimmern kein Geld verdienen kΓΆnne. Doch Adrian Zecha bewies ihnen, dass die geschΓ€ftlich erfolgreichen Genussmenschen dieser Welt bereit sind, fΓΌr geschmackvolle Refugien an exotischen PlΓ€tzen ihre FerienhΓ€user zwischen Capri und Long Island zu verlassen – und viele Hundert Dollar pro Nacht fΓΌr intelligenten, schwerelosen Luxus und kultivierten Lifestyle auszugeben. Die Idee von Zecha schlug ein – und sie rechnete sich.

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Nach dem Erfolg des «Amanpuri» baute Zecha eine Überraschung nach der anderen, holte immer wieder den Himmel auf die Erde, und zwar stets dorthin, wo sie in ihrer landschaftlichen Grundausstattung ohnehin schon wie das Paradies aussieht. Inzwischen gibt es zwâlf Aman-Hotels auf fünf Kontinenten. Und sie werden kopiert, dass sich die Kokospalmen biegen. «Die Oberois, Banyan Trees, Rosewoods, Four Seasons, sie alle haben das Aman-Konzept sofort aufgesogen», meint die deutsche Reisejournalistin Sibylle Zehle. «LÀngst haben sich die Grenzen zwischen Kopie und Original verwischt, aber eines ist klar: Nach den Amans konnten kleine, feine Luxus-Hideaways nicht mehr so geführt werden wie zuvor. Adrian Zecha hat das oberste Segment der Luxushotellerie stÀrker umgekrempelt als alle Investoren und Marketingmanager zusammen. Den Angestellten gab er ihre Würde zurück, den GÀsten schenkte er Glück.»
Der SchlΓΌssel zu diesem Erfolg ist ganz einfach die QualitΓ€t. Die herausragenden Serviceleistungen. Das Kraftfeld von Herzlichkeit und Genuss, das VerwΓΆhntwerden ohne Anbiederung oder Abfertigung. Und natΓΌrlich die architektonische IntegritΓ€t: Zusammen mit dem in Paris lebenden amerikanischen Architekten Ed Tuttle hat Zecha etwas ganz Neues erfunden, eine Art Ethno-Modernismus, wenn man das so bezeichnen kann. Die GΓ€ste wohnen in der Regel in eigenen Pavillons, die in separate Bereiche zum Wohnen und Schlafen unterteilt sind – den meisten Platz nimmt dabei meist das Bad ein, eines der Markenzeichen der Aman-Resorts.

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Es gibt wohl keine andere Hotelkette mit einer vergleichbar sinnlichen AtmosphΓ€re und keinen anderen Hotelier, der die Γ„sthetik so sichtbar hΓΆher bewertet als den Kommerz. Was die Ritz-Hotels vor hundert Jahren waren, sind die Aman-Resorts fΓΌr die heutigen Trendsetter. Jeder, der etwas auf sich hΓ€lt, mΓΆchte hier logieren. Aber wΓ€hrend die Ritz-Hotels den ostentativen Stil der Reichen imitierten, erwarb sich die Aman-Gruppe ihren Ruf nicht mit Protz und Angeberei, sondern durch eine gelassene VerwΓΆhnatmosphΓ€re in spektakulΓ€rer Umgebung. Die Leute kommen nicht hierher, um gesehen zu werden, sondern um sich zu verbergen.
Das wunderbarste aller wunderbaren Aman-Resorts? Vielleicht das im FrΓΌhling 2000 erΓΆffnete Β«AmanjenaΒ» in Marrakesch. Dreieinhalb Flugstunden von ZΓΌrich entfernt sind Sie in einer anderen Welt.
Sie treten also aus dem Terminal des Flughafens von Marrakesch, und drei Minuten spΓ€ter entkrampfen Sie sich im Fond einer klimatisierten Limousine auf makellos weissen SitzbezΓΌgen aus Leinen, und der Fahrer, der Ihnen die gekΓΌhlten HandtΓΌcher fΓΌrs Gesicht und einen Drink reicht, fragt Sie, ob Sie lieber Mozart, Frank Sinatra oder Nina Simone hΓΆren mΓΆchten. Zwanzig Minuten spΓ€ter wird er in die Anlage des Β«AmanjenaΒ» einbiegen – ein magischer Ort, der die Ruhe und Klarheit asiatischer Tempelanlagen hat und die sinnliche Ausstrahlung eines maurischen Palastes. Sie sind angekommen.

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Sie sehen keinen SchlΓΌsselbund, keine Zimmernummer 1017, keine Trinkgeldgesichter, keinen Computer und keine Anmeldeformulare an der RΓ©ception, nur einen offenen Raum zum Durchatmen, einen ausladenden Tisch mit einer Blume darauf, dahinter eine lΓ€chelnde Marokkanerin, die Sie mit einer Freude empfΓ€ngt, als wΓ€ren Sie der erste Gast. Die lΓ€chelnde Marokkanerin wird Sie nun durch die Anlage fΓΌhren – die ersten Blicke werden Ihnen den Atem rauben – und schliesslich durch ein Tor in einer der Mauern bitten, und dahinter kΓΆnnen Sie es finden: Ihr privates Paradies.
Als Gast bewohnen Sie hier kein Zimmer, sondern haben ein ganzes Haus fΓΌr sich. Jedes Haus ist eine luftige Konstruktion mit einer in der Mitte fΓΌnf Meter hohen Deckenkuppel. Noch bevor der Korken vom BegrΓΌssungschampagner knallt, beschliessen Sie vielleicht, Ihre Wohnung daheim grΓΌndlich zu entrΓΌmpeln – wenn Sie ΓΌberhaupt noch einmal zurΓΌckkehren wollen. Denn die Materialien, die Ideen, die Philosophie, die Adrian Zecha in die 34 Β«PavillonsΒ» (alle mit privatem Garten) und zweistΓΆckigen Β«MaisonsΒ» (mit jeweils zwei respektive drei Schlafzimmern und eigenem Pool) gebaut hat, sind eine Befreiung fΓΌrs Auge. Sind purer Γ„sthetikbalsam fΓΌr ΓΌberreizte Geschmacksnerven, die hohe Kunst der feinen Linien und der Reduktion. In diesen Traumrefugien scheinen die wenigen MΓΆbel auf den MosaikbΓΆden zu schweben. Ein Zustand, der sich auch leicht auf die GΓ€ste ΓΌbertragen kann: beim Blick vom Diwan auf Olivenplantagen und das schneegekrΓΆnte Atlas-Gebirge oder beim DΓΆsen in der schattigen PrivatsphΓ€re auf dem breiten Lounge-Sofa im privaten Garten, der fΓΌr sich kaum kleiner ist als manche Schweizer Hotelsuite.

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Am Abend taucht das Β«AmanjenaΒ» seine kΓΌhle Eleganz in ein Lichtermeer und macht aus der maurischen Palastanlage eine MΓ€rchenkulisse aus 1001 Nacht. Das Schwimmbad funkelt wie ein Edelstein, ein Duft von Rosen und GewΓΌrzen liegt in der Luft, die Zikaden beginnen mit ihrem nΓ€chtlichen Zirpkonzert. Bei leiser marrokanischer Live-Musik werden Ihnen auf der Terrasse der beiden Restaurants einheimische Speisen in einer zeitgenΓΆssisch leichten Version serviert.
Und dann wachen Sie am nΓ€chsten Morgen auf, blicken in die Kuppel ΓΌber dem Bett, sehen auf Ihren Garten, wo ein Brunnen plΓ€tschert und das FrΓΌhstΓΌck serviert wird. Sie greifen sich vom Teller eine Frucht, die Sie noch nie geschmeckt haben, wΓ€hlen einen Spiegel und schauen in ein glΓΌckliches Gesicht. Es ist Ihres.
Es muss Ihnen gehΓΆren. Es sein denn, Sie wΓΌrden es nicht geniessen, dass nichts am Β«AmanjenaΒ» einem Β«normalenΒ» Hotel Γ€hnelt. Dass die grosszΓΌgige Anlage nur fΓΌr eine Hand voll GΓ€ste (maximal siebzig) da ist und Sie das riesige Schwimmbad auch bei vollem Haus praktisch fΓΌr sich allein haben. Dass alles funktioniert und nichts fehlt – nicht die Extra-Leselampe und nicht das HolzkΓ€stchen, in dem das Briefpapier auf dem Schreibtisch liegt. Sie werden es bestimmt schΓ€tzen, dass jedes Zimmer ΓΌber ein CheminΓ©e verfΓΌgt, das nur noch angezΓΌndet zu werden braucht. Dass die SchrΓ€nke selbst fΓΌr die Garderobe von Elton John gross genug wΓ€ren. Dass im Bad, das die BΓ€der aller anderen Luxushotels etwas schΓ€big aussehen lΓ€sst, duftende Shampoos, BadeΓΆle und Bodylotions in hΓΌbschen Glasflaschen auf Sie warten. Oder dass Ihre WΓ€sche wie ein Geschenk zurΓΌckkommt, in hauchfeines weisses Papier gehΓΌllt, mit Schleife und Orchidee.

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Es sind gerade diese stimmigen Kleinigkeiten und unerwarteten Extras, mit Nachwirkung in das grosse Drama aus Landschaft und Architektur gesetzt, in denen Adrian Zechas Formel deutlich wird: die Kombination eines eleganten Purismus mit einer bis zum SchlΓΌsselanhΓ€nger reichenden Liebe zum Detail. Es ist die Einladung, sich vom oberflΓ€chlichen Erfahrungsverbrauch zu erholen, die Offerte, genauer hinzusehen, den Augenblick auszukosten. So geschieht es nicht selten, dass in den Aman-Resorts selbst notorische Aktivisten in zenbuddhistischer Kontemplation verharren. Und wenn sie ΓΌberhaupt an einen Ortswechsel denken, dann mΓΆglichst ins nΓ€chste Aman-Resort.
Wenn Sie allerdings bei der Buchung auf einen Discount hoffen, liegen Sie falsch. Jeder Gast bezahlt denselben Preis fΓΌr dieselbe Leistung. Die Aman-Resorts geben niemandem einen Preisnachlass, belohnen auch niemanden mit Punkten oder Mitgliedskarten. Im Gegenteil, oft muss man sich als Gast darum bemΓΌhen, ein Zimmer zu bekommen. So wird auch keinerlei Werbung gemacht: Β«Ich vertraue auf die MundpropagandaΒ», sagt Adrian Zecha. Β«Das ist wie bei den Restaurants: Die wirklich guten werben nicht.Β»
Wer sich ein Zimmer ergattern konnte, dem wird eine Gegenleistung geboten, wie er sie sonst in kaum einem Hotel findet. Pierre Baumgartner, Gastgeber im Β«AmanjenaΒ» in Marrakesch, bringt es so auf den Punkt: Β«instant relaxationΒ» und ein Β«sense of beeingΒ» in einem Umfeld ohne ZwΓ€nge und ohne Regeln. Β«No rules, no obligations. Der Gast soll entscheiden, was er tun und lassen will.Β» Die zwΓΆlf Direktoren der zwΓΆlf Aman-Resorts geniessen weit gehende Entscheidungsfreiheiten: WΓ€hrend sich etwa der General Manager eines MΓΆvenpick-Hotels bei Amtsantritt mit sieben dicken Ordnern voller Direktiven herumschlagen muss und die Four-Seasons-Hotelgruppe mit zweitausend Β«StandardsΒ» arbeitet, die rund um die Uhr angestrebt werden mΓΌssen, erhΓ€lt ein Aman-Gastgeber lediglich einen Ordner mit der Aufschrift Β«FinanceΒ» in die Hand gedrΓΌckt. Pierre Baumgartner spricht von einem Β«gut organisierten ChaosΒ» und baut auf den gesunden Menschenverstand seiner Mitarbeiter und GΓ€ste: WΓ€hrend in einem Β«Four SeasonsΒ» aus SicherheitsgrΓΌnden am Schwimmbad die Wassertiefe alle paar Zentimeter in Riesenlettern angeschrieben ist und ΓΌberall in den Zimmern kleine KΓ€rtchen mit Geboten und Verboten herumstehen, ist es im Β«AmanjenaΒ» beispielsweise kein Problem, wenn ein Gast nachts um drei ins Schwimmbad springt. Im Gegenteil, es kann ihm passieren – wie dem Autor dieses Artikels –, dass ihm beim Verlassen des Pools eine gute Seele des Hauses spontan einen Bademantel und frischen Pfefferminztee bringt.

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Ende der Neunzigerjahre sah es so aus, als wÀre Adrian Zecha «out of the business». Die Shareholder hatten eine Weile lang andere Ideen als der geniale Gründer und Impresario der Aman-Gruppe. In dieser Zeit kreierte er mit der mexikanischen Luxushazienda «Mahakua» eine ganz neue Kette: die Maha- Hotels. Kaum erâffnet, gab es durch das Ausscheiden des HauptaktionÀrs, des US-Investors Colony Capital, plâtzlich Aman-Frieden. Nun ist Zecha wieder Herr im Haus und gut für neue Überraschungen. Ein halbes Dutzend neue Aman-Resorts sind, über die ganze Welt verteilt, in den nÀchsten vier Jahren geplant. Auch dort wird Sie das Fehlen von ZwÀngen und Regeln begeistern, die verschwenderische Liebe zum Detail betâren. Und Sie nachhaltig für andere Hotels verderben.

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