Jahrelang verteufelten die deutschen Automobilhersteller die Hybridtechnologie. Doch der Erfolg von Toyota, Lexus und Honda hat sie bekehrt. Jetzt rollen gleich mehrere deutsche Hybridmodelle an den Start.
ยซDer Hybridantrieb ist nur eine Zwischenlรถsung.ยป โ ยซDer Hybridantrieb ist noch nicht ausgereift.ยป โ ยซDer Hybridantrieb macht nur in der Stadt Sinn.ยป โ ยซWir bringen den Hybridantrieb erst auf den Markt, wenn er den Ansprรผchen unserer Marke entspricht.ยป
So oder รคhnlich tรถnte es bis Ende 2008 bei Audi, BMW, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen. Wรคhrend die Japaner schon lรคngst auf die kluge Kombination von Benzin- und Elektromotoren setzten, die Amerikaner diese Technologie schnell, aber erfolglos kopierten und die Franzosen zugaben, an einem Hybridantrieb zu arbeiten, distanzierte man sich bei den deutschen Herstellern noch davon. Statt Benzin- und Elektromotor unter einer Blechhaut zu vereinen, konzentrierte man sich auf die Verbesserung der Effizienz von Verbrennungsmotoren.
Stagnierende Verkรคufe. Bis heute setzen die deutschen Hersteller dabei auf Downsizing. Damit sind kleinere Motoren gemeint, die dank Direkteinspritzung und Aufladung mittels Turbolader oder Kompressor viel Leistung bei wenig Verbrauch ermรถglichen. In Kombination mit einer verbesserten Aerodynamik, Start-Stopp-Systemen und Leichtlaufreifen versprechen die Hersteller mit ihren Umweltlabels hรถchste Effizienz. So propagiert VW die ยซBlueMotionยป-Modelle von Polo (3,3 Liter Verbrauch), Golf (3,8 Liter) und Passat (4,4 Liter) als ยซweltweit sparsamste Autos ihrer Grรถssenklassenยป. Wรคhrend VW mit ยซThink Blueยป eine neue Kampagne ยซfรผr effizientes Autofahren und umweltbewusstes Handelnยป aufgebaut hat, heisst diese Sparoffensive bei BMW ยซEfficient Dynamicsยป, bei Ford ยซEconeticยป, Mercedes setzt auf ยซBlue Efficiencyยป und Opel auf ยซEcoflexยป.
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Aber da die Welt nicht nur Schwarz und Weiss unterscheidet, sondern auch herkรถmmliche Autos und Autos mit alternativem Antrieb, wollen die Deutschen dem Treiben von Toyota, Lexus und Honda nicht lรคnger nur zuschauen, sondern selber mitfahren. Und wie es sich fรผr das Selbstverstรคndnis der deutschen Marken gehรถrt, wollen sie nicht nur dabei sein. Sie wollen den Erfolg. Den schnellen Erfolg.
Derzeit kann man mit dem Thema Hybrid zwar noch nicht so viel Geld verdienen, aber zumindest kann eine Marke damit ihr Image nachhaltig begrรผnen und verbessern. Das haben die Mercedes-Strategen am schnellsten gemerkt: Den Stern fรคhrt in der Schweiz schon seit einem Jahr ein Hybrid der S-Klasse erfolgreich spazieren, in den USA ist ausserdem das M-Modell als Hybrid am Start.
Dass Hybridfahrzeuge wirtschaftlich keinem Lottosechser gleichkommen, belegen die Zahlen in der Schweiz: Seit 2007 zum ersten Mal die Rubrik ยซAlternativantriebeยป (Hybrid, Erdgas, Elektro usw.) in der nationalen Verkaufsstatistik aufgefรผhrt wurde, ist bei den Verkรคufen noch keine Verbesserung zu verzeichnen. Im Gegenteil: Entsprachen die 6258 immatrikulierten Autos mit alternativem Antrieb im Jahr 2007 noch einem Marktanteil von 2,2 Prozent, so ging dieser seither stetig zurรผck โ Ende Mรคrz lag er bei nur noch 1,9 Prozent.
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Weltweit sieht es derzeit noch dรผsterer aus, aber dafรผr sind die Prognosen gรผnstig: Gemรคss einer jรผngst prรคsentierten Studie der Universitรคt Duisburg-Essen werden 2015 weltweit bereits รผber 4,5 Millionen Pkw-Neuwagen als Hybride und Elektroautos verkauft. Bis 2025 wird diese Zahl auf 56 Millionen steigen, was dann einem Anteil von 65 Prozent entspricht. ยซUnd bis in 20 Jahren steigt der Anteil auf 80 Prozentยป, prophezeit der deutsche ยซAutopapstยป Ferdinand Dudenhรถffer (siehe Interview unter 'Weitere Artikel').
Auf solche Prognosen verlassen sich nun auch BMW, Porsche und VW, die in diesen Tagen eine neue deutsche Welle lostreten. Denn in den nรคchsten Wochen rollen mit den drei Offroadern BMW X6, Porsche Cayenne und VW Touareg gleich drei neue Hybridautos made in Germany an den Start.
Wรคhrend der saubere X6 der Bayern hauptsรคchlich fรผr den US-Markt gebaut wird und der Touareg fรผr VW nicht matchentscheidend ist, ruhen auf den Schultern des gelรคuterten Cayenne immense Hoffnungen. Der konventionelle Cayenne stand zwar gemeinsam mit dem Hummer von General Motors am Pranger der Klimakritiker und gilt seinen Gegnern als Sinnbild automobiler Unvernunft. Doch fรผr Porsche war und ist der Cayenne ein Erfolgsmodell, das den Stuttgartern in vielen Lรคndern erst die Tรผr geรถffnet und den Weg zu neuen Kundengruppen erschlossen hat. So ist es nur logisch, dass Porsche auch unter dem neuen Management und dem Dach von VW konsequent am Gelรคndesportler festhรคlt. Der Wagen soll aber in seiner zweiten Generation mit abgespeckter Statur, sparsameren Motoren und dem Hybridantrieb โ den er sich mit dem Touareg teilt โ Kritiker wie Fans รผberzeugen.
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Dazu haben die Ingenieure einen 333 PS starken V6-Benzin- und einen E-Motor mit 47 PS kombiniert. Dabei ist der Stromer ausreichend stark und die Batterie gross genug, damit der milde Cayenne bis Tempo 60 mehrere Kilometer gerรคuschlos und sauber durch die Stadt sรคuseln kann. Da er zudem auf der Autobahn bis weit jenseits der Richtgeschwindigkeit ohne Sprit ยซsegeltยป, betrรคgt der Normverbrauch 8,2 Liter bei einem CO2-Ausstoss von 193 Gramm pro Kilometer. Dabei bleibt der Fahrspass nicht auf der Strecke: Der Cayenne Hybrid schnurrt in 6,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 242 Kilometer pro Stunde.
Erfolgsfaktor Spass. Dass es schwierig ist, vernรผnftige Autos ohne Fahrspass zu verkaufen, musste man bei Honda erfahren. Der Insight ist mit seinem Hybrid light โ er kann nicht rein elektrisch fahren โ mit 29โโ800 Franken zwar das gรผnstigste Hybridauto auf dem Markt, die 98 PS, gekoppelt mit der stufenlosen CVT-Automatik, haben mit Fahrspass jedoch gar nichts zu tun. Dass es auch anders geht, beweisen die Japaner mit dem CR-Z: Das 2+2-plรคtzige Sportcoupรฉ soll vor allem auch junge Autofahrer fรผr die Hybridtechnologie interessieren. Mit 124 PS und der erstmaligen Kombination eines Hybridantriebs mit einem Schaltgetriebe sind die Chancen gut โ zumal der Preis mit 29โโ900 Franken stimmt.
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Und die Stromer? Sie sorgen derzeit vor allem an den Automessen fรผr Furore. Bereits auf der Strasse ist der Tesla Roadster (siehe auch ยซBrachialer Leisetreterยป), und noch 2010 will Nissan den Leaf lancieren. Fรผr E-Fans, die nicht รผber 135โโ000 Franken fรผr einen Tesla verfรผgen, rollt ab Ende Jahr das beinahe baugleiche Trio Mitsubishi iMiev, Peugeot Ion und Citroรซn C-Zero auf unsere Strassen. Wer nicht darauf warten will, kann sich beispielsweise auch bei der Firma Kamoo einen trendigen Cinquecento mit E-Motor kaufen. Bei einer Reichweite von 120 Kilometern kostet der Flitzer inklusive Batterie allerdings 61โโ480 Franken.