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Letzter Vorhang für Josef Ackermann

Nach der heutigen Generalversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt tritt der Schweizer Josef Ackermann als Chef ab. Doch nicht alle dürften ihm auf der Aktionärsversammlung wohlgesonnen sein.

Nach zehn Jahren an der Spitze verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank. Sehen Sie in den folgenden Bildern mächtige Partner, wichtige Momente und die Nachfolger des Schweizers. (Bilder: Keystone)
Ackermann (r.) begann seine Karriere bei der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) - hier zu sehen als Präsident der Generaldirektion 1995. Im folgenden Jahr verliess Ackermann die Credit Suisse und wechselte zur ...
... Deutschen Bank. Dort löste er im Jahr 2002 Rolf Breuer (r.) an der Spitze des Konzerns ab. Der Sohn eines  ...
... Landarztes aus dem Kanton St. Gallen prägte in den folgenden zehn Jahren die Deutsche Bank. Sein wohl grösster Verdienst für das Institut: Er führte es vergleichsweise glimpflich durch die Finanzkrise.
Als Chef der grössten Bank Deutschlands machte sich Ackermann jedoch nicht nur Freunde. So empfanden viele etwa sein Victory-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses 2004 als Zeichen der Arroganz. Das zeigte sich auch ...
... auf Protestplakten, wie hier im Jahr 2005 vor der Messe in Frankfurt, wo die Hauptversammlung der Deutschen Bank stattfand. Ein Zeichen setzen wollte auch ...
... ein Occupy-Aktivist, der Ackermann 2011 bei einer Rede in Hamburg unterbrach und das Mikrofon übernahm. Der Chef der Deutschen Bank sorgte ausserdem für Kritik, als er ...
... anlässlich seines 60. Geburtstag im deutschen Kanzleramt dinierte. Geladen waren er und einige Gäste im April 2008 von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist nur einer von vielen guten Kontakten, die Ackermann sich in der Politik aufbaute. Zu sehen ist er etwa auch mit ...
... dem russischen Präsidenten Putin und führenden ...
... Schweizer Politikern, wie hier Verteidigungsminister Ueli Maurer und FDP-Frau Karin Keller-Sutter. Ackermann ist ausserdem ...
... Chef des Institute of International Finance in Washington, das den Schuldenschnitt für Griechenland mit der Eurozone ausgehandelt hat.
Nicht in seinem Sinne konnte Ackermann seine Nachfolge regeln. Er wäre gerne von Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber beerbt worden - doch der entschied sich für einen Wechsel zur UBS. Nun übernehmen ...
... der Investment-Banking-Chef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen die Leitung der Deutschen Bank. Besonders Jain steht unter Beobachtung: Kritiker sehen in ihm einen Vertreter riskanter Geschäfte und fürchten, dass er Deutschlands grösste Bank mehr in Richtung Investment-Banking ausrichten will. Josef Ackermann wechselt derweil ...
... zurück in die Schweiz und wird Verwaltungsratpräsident beim Finanz- und Versicherungskonzern Zurich. Hier gratuliert ihm sein Vorgänger Manfred Gentz (l.) zur Wahl. Ackermann wird nun wohl auch mehr Zeit haben für seine finnische Frau, seine Tochter und seine Hobbys Gesang und Klavierspiel.
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Nach zehn Jahren an der Spitze verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank. Sehen Sie in den folgenden Bildern mächtige Partner, wichtige Momente und die Nachfolger des Schweizers. (Bilder: Keystone) RMS

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Es ist Josef Ackermanns letzter grosser Auftritt als Deutsche-Bank-Chef: Mit Ablauf der Generalversammlung am Donnerstag räumt der Schweizer nach zehn Jahren den Chefsessel des Dax-Konzern. Eine «Ackermann-Show», so viel ist sicher, wird das Aktionärstreffen in Frankfurt nicht werden. Fragwürdige Geschäfte mit Rüstungsfirmen und Spekulationen mit Lebensmitteln regen Kritiker ebenso auf wie das Gezerre um die Ackermann-Nachfolge im Sommer 2011.
Das künftige Führungsduo aus dem Investmentbanker Anshu Jain und dem bisherigen Deutschland-Chef Jürgen Fitschen dürfte einen Vorgeschmack bekommen, worauf es sich einstellen muss. Kontrollieren soll die beiden künftig der bisherige Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner. Der Österreicher beerbt Clemens Börsig als Vorsitzender des Deutsche-Bank-Aufsichtsrates.
Ebenfalls neu in das Kontrollgremium gewählt werden sollen Siemens-Chef Peter Löscher und Ex-Haniel-Vorstand Klaus Trützschler.
Zurück in die Schweiz
Nach der Hauptversammlung am Donnerstag kehrt der 64-Jährige Ackermann in die Schweiz zurück. Er wird Verwaltungsratspräsident des Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich. Das neue Mandat bringt etwas weniger Glamour mit sich.
Als Chef der grössten Bank Deutschlands galt Ackermann immerhin als mächtigster Banker des Landes. Als solcher wurde ihm oft nachgesagt, zeitweise eine nahezu unerträgliche Arroganz ausgestrahlt zu haben: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung Tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn.

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Andererseits ist er als Deutsche-Bank-Chef höchst erfolgreich gewesen: Er führte die Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich auch schon wieder als Arroganz ausgelegt.
(laf/rcv/sda/awp)

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