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Paragrafen, Verordnungen und Richtlinien

Jetzt flutet die Bürokratie-Welle die Schweiz

Brüssels Nachhaltigkeitspolitik würgt das Wachstum ab. Die Folgen spüren auch die Schweizer KMU. Ein Entrinnen gibt es nicht – oder doch?

Stefan Barmettler HZSeraina Gross Handelszeitung

<p>EU-Regulierungen schwappen bis in die Schweiz.</p>

EU-Regulierungen schwappen bis in die Schweiz.

Tessy Ruppert / Midjourney

Diana Gutjahr wird es nie langweilig. Die Thurgauerin sitzt für die SVP im Nationalrat, weibelt im Vorstand von Swiss Tennis, präsidiert den Thurgauer Gewerbeverband und leitet obendrein mit ihrem Ehemann die Stahlbaufirma Ernst Fischer AG in Romanshorn, die der Familie gehört. Ein übervoller Kalender einer KMU-Unternehmerin und Milizpolitikerin. Nun hat die 41-Jährige ein weiteres Thema in ihre Agenda gezwängt – Europa und die Nachhaltigkeit. Deswegen sitzt die Patronne sonntags im Büro und kämpft sich durch Dokumente, die schwerfällige Namen wie «Corporate Sustainability Reporting Directive», «EU Supply Chain Act» oder «Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz» tragen. Jedes davon ist 100 Seiten lang; mit Anhängen und Zusatzdokumenten sind es locker 400 Seiten. Noch umfassender ist die EU-Taxonomie, ein Klassifizierungssystem, das seit 2020 wirtschaftliches Handeln als gut oder schlecht beurteilt. Der Umfang: 600 Seiten.

<p>Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin und Unternehmerin aus dem Thurgau. Ihre Stahlbaufirma beliefert Unternehmen in ganz Europa. Gutjahr bezeichnet die EU-Regulierung als eine enorme Belastung.</p>

Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin und Unternehmerin aus dem Thurgau. Ihre Stahlbaufirma beliefert Unternehmen in ganz Europa. Gutjahr bezeichnet die EU-Regulierung als eine enorme Belastung.

Gaetan Bally
<p>Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin und Unternehmerin aus dem Thurgau. Ihre Stahlbaufirma beliefert Unternehmen in ganz Europa. Gutjahr bezeichnet die EU-Regulierung als eine enorme Belastung.</p>

Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin und Unternehmerin aus dem Thurgau. Ihre Stahlbaufirma beliefert Unternehmen in ganz Europa. Gutjahr bezeichnet die EU-Regulierung als eine enorme Belastung.

Gaetan Bally

Es ist die Realität in Schweizer Betrieben: Die EU stösst in hoher Kadenz Paragrafen, Verordnungen und Richtlinien aus. Abzulesen ist das an der Stärke der Nachhaltigkeitsberichte, die mittlerweile im Schnitt 30 Seiten umfassen. Bei Konzernen wie ABB sind es 150 Seiten, vor zehn Jahren war es noch die Hälfte. Insgesamt füllen die Reportings, die über Abwasser, Energieverbrauch, Lieferkette und CO2-Ausstoss Zeugnis abliefern, 1,5 Millionen Seiten – aufgestapelt ergäbe dies einen Turm so hoch wie der Prime Tower in Zürich, schätzt der Dachverband Economiesuisse. Und der Turm wird immer höher, denn weitere Berichte stecken in Brüssels Pipeline.

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Stefan Barmettler HZ

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