Der Uhrenhersteller Swatch legt sich mit dem Tech-Giganten Apple aus Kalifornien an. Streitpunkt ist die Marke iWatch des iPhone-Herstellers. Swatch sieht darin eine Verwechslungsgefahr mit der eigenen Marke namens iSwatch und will diese weltweit schΓΌtzen.
In den USA hatte der Uhrenkonzern bereits 2007 den Kampf gegen die Registrierung von iWatch aufgenommen. Damals ging Swatch gegen die US-Firma MZ Berger vor. Daraus entwickelte sich eine unendliche Geschichte. Der Rechtsstreit lΓ€uft noch heute.
Schutz der Marke iSwatch gestaltet sich schwierig
Swatch hat die Marke in mehr als 80 LΓ€ndern rund um den Globus registrieren lassen, wie auf der Webseite der World Intellectual Property Organization (WIPO) zu sehen ist. In einigen LΓ€ndern hat Swatch bisher kein GlΓΌck. Der Markenschutz wurde verweigert. Das Vorgehen von Swatch gegen die Marke iWatch dΓΌrfte sich aber als Kampf gegen WindmΓΌhlen entpuppen. Wie auf dem Markenregister-Portal WIPO zu entnehmen ist, sind um die ganze Welt unzΓ€hlige Produkte und Dienstleistungen unter dem Namen eingetragen.
Apple-Strohfirma zur Registrierung von iWatch?
In der Schweiz sind insgesamt drei Marken iWatch vertreten. Im Register des EidgenΓΆssischen Instituts fΓΌr geistiges Eigentum in Bern (IGE) sind diese auffindbar. Der Inhaber ist einmal eine Person aus Genf und einmal eine GmbH aus Glattfelden. Beim dritten Fall hat eine Firma namens Brightflash USA LLC mit Sitz an der North Orange Street 1007 im Ort Wilmington im US-Staat Delaware die Marke eingetragen lassen. Allerdings handelt es sich dabei um ein Β«hΓ€ngiges GesuchΒ». Eingegeben wurde dieses am 4. Dezember 2013. Swatch hat ihre iSwatch in der Schweiz bereits am 28. November 2007 registrieren lassen. Pikantes Detail: Laut dem Techblog Β«ConsomacΒ» soll die ominΓΆse Firma Brightflash USA LLC bis Ende April in diversen LΓ€ndern die Marke iWatch registrieren haben. Bei der Firma soll es sich denn auch um eine Briefkastenfirma von Apple handeln. Die Adresse stimme mit frΓΌheren Briefkastenfirmen des Unternehmens mit dem Apfel-Logo ΓΌberein. Ein bekannter Markenanwalt habe zudem Verbindungen zwischen Apple und Brightflash nachweisen kΓΆnnen, schreibt etwa die Plattform Β«Mac RumorsΒ». Juristisch Vertreten wird die Firma jeweils von der renommierten Anwaltskanzlei Baker & McKenzie mit Sitz in Chicago. Hinter der Schweizer Makrenregistrierung steckt die Vertretung an der Holbeinstrasse in ZΓΌrich.
Gibt es eine aussergerichtliche Einigung?
Swatch hat die Marke iSwatch in vielen LΓ€ndern bereits 2008 schΓΌtzen lassen β in rund 30 Staaten allerdings erst im Sommer 2013. Das ist also kurz nachdem Apple seine iWatch in den USA und anderen LΓ€ndern hat registrieren lassen. Laut Β«WatsonΒ» kann sich Apple in diesen FΓ€llen auf einen Β«prioritΓ€ren MarkenschutzΒ» berufen. Β«In solchen LΓ€ndern wird sich Swatch daher nicht mit Berufung auf Markenschutz gegen Apple durchsetzen kΓΆnnenΒ», sagt ein Anwalt gegenΓΌber der Nachrichten-Seite. Swatch werde vielmehr versuchen mΓΌssen, gestΓΌtzt auf unlauteren Wettbewerb den Konkurrenten in die Knie zu zwingen. Das sei jedoch ein schwieriges Unterfangen mit ungewissem Ausgang. Wie ein Insider gegenΓΌber handelszeitung.ch berichtet hat, kΓΆnne umgekehrt Swatch einen solchen Β«prioritΓ€ren AnspruchΒ» in der Schweiz geltend machen. Ohnehin brauchen solche rechtlichen Streitereien einen langen Atem. Swatch mΓΌsse in jedem einzelnen Land die Marke iWatch beanstanden und einen separaten Prozess fΓΌhren.
Bein Berner Marken-Institut IGE will man sich nicht zum konkreten Markenstreit Γ€ussern β das sei bei Β«hΓ€ngigen VerfahrenΒ» so ΓΌblich. Stefan Fraefel von der Markenabteilung des IGE lΓ€sst nur verlauten: Β«Wenn in Betracht gezogen wird, dass in der Schweiz pro Jahr gut 30β000 Marken zum Schutz angemeldet werden, kann festgestellt werden, dass es in der Schweiz relativ selten zu Gerichtsverfahren wegen Markenrechtsverletzungen kommt.Β» Ein grosser Anteil mΓΆglicher Konflikte werde durch den Abschluss aussergerichtlicher Vereinbarungen gelΓΆst, da die Parteien auf diesem Weg Zeit und Geld sparen, so Fraefel.
Rechtsstreit unter Partnern
Seltsam ist, dass Swatch ΓΌberhaupt gegen Apple vorgeht. Die beiden Konzerne kooperieren seit Jahren. Wie eng, ist nicht klar. Swatch hΓ€lt sich bedeckt: Β«Die Swatch Group hat guten Kontakt mit allen grossen Mobilanbietern, dies dank unserer Tochtergesellschaften EM Microelectronic und RenataΒ», sagt Konzernsprecherin Serena Chiesura gegenΓΌber handelszeitung.ch. Die Firmen arbeiten in der Produktion von stromsparenden Mikrochips und in der Knopfzellenherstellung. Dass Apple fΓΌr die Herstellung der sagenumwobenen iWatch auf die Hilfe von Schweizer Uhrenfirmen setzt, bestΓ€tigen diverse Branchenkenner. So hatte bereits Uhren-Guru und Hublot-Chef Jean-Claude Biver gegenΓΌber handelszeitung.ch bestΓ€tigt, dass Apple versucht habe, bei hiesigen Uhrenzulieferern Bestellungen aufzugeben. Er wisse von zwei Lieferanten, die von Apple kontaktiert worden seien. Einen davon kenne er persΓΆnlich, so der 64-jΓ€hrige Biver β konkrete Namen wollte er nicht nennen.
Apple verlangt Verschwiegenheit
Andere Brancheninsider und ein Chef eines Uhrenkonzerns werden konkreter: Sie sollen vernommen haben, dass die Firma Werthanor, die im neuenburgischen Le Locle UhrengehΓ€use herstellt, fΓΌr Apple arbeiten. Es bestehe einen Vertrag zwischen den Parteien. Apple habe fΓΌr eine Vorproduktion mindestens 100'000 GehΓ€use bei Werthanor bestellt. Dieser Auftrag soll derzeit am Laufen sein. In der Westschweiz, die Hochburg der Uhrenindustrie, sei die Zusammenarbeit von Apple mit Schweizer Uhrenfirmen ein offenes Geheimnis. Β«Das pfeifen die Spatzen von den DΓ€chernΒ», so ein Insider. Werthanor bestreitet allerdings gegenΓΌber handelszeitung.ch vehement eine Zusammenarbeit mit Apple. Einen Vertrag mit den Amerikanern gebe es nicht und habe es nie gegeben, lΓ€sst Firmenchef Sylvain Wenger ausrichten.
Glaubt man den Insidern, dann wΓ€re eine die Verschwiegenheit verstΓ€ndlich. Eine solche ist man sich auch von Apple gewΓΆhnt. Der Konzern verweigert grundsΓ€tzlich jegliche Kommentare zu Spekulationen oder zu Produkten in der Pipeline. Firmen, die mit Apple zusammenarbeiten, stehen in der Regel ebenso unter strengster Schweigepflicht. GerΓΌchte um knallharte KnebelvertrΓ€ge gibt es zur GenΓΌge. MΓΆglich ist auch, dass hiesige Firmen mit einer Tochterfirma von Apple zusammenarbeiten. Eine solche Kooperation wΓΌrde weniger Aufsehen erregen.
Prall gefΓΌllte Kriegskasse bei Apple
Apple kann sich aus finanzieller Sicht sowieso jeden Rechtsstreit leisten. Der Konzern erwirtschaftete 2013 einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Dollar. Im Konzerntresor liegen rund 160 Milliarden Dollar in bar. Zum Vergleich: Swatch erzielt einen Jahresumsatz von knapp 9 Milliarden Franken β die 10 Milliarden-Grenze soll bald geknackt werden. Die iSwatch wird vielleicht schon bald helfen, das Ziel zu erreichen.