Abo
Architektur

Ein Parkhaus fast ganz aus Holz

In Studen nahe Biel entsteht das erste Holz-Parkhaus weltweit – gebaut mit konstruktivem Minimalismus und planerischen Kniffen.

Holz-Parkhaus.JPG
Weltpremiere: FΓΌr das Parkhaus wurden insgesamt 1100 m3 Brettschichtholz, 3400 m3 Brettsperrholzplatten und 30 m3 Buchenholz verbaut. Keystone

Werbung

Projekte fΓΌr ein Parkhaus aus Holz gab es zwar schon einige. Doch an die Umsetzung wagte sich bis vor kurzem niemand. In Studen nahe Biel entsteht jetzt jedoch das erste Holz-Parkhaus weltweit.

Das noch nicht ganz fertig gebaute Holzparkhaus in Studen BE ist zwar kein architektonisches, dafΓΌr ein konstruktives Wunderwerk, das seine Wunder zudem noch versteckt. Denn was der Baulaie sieht, scheint wenig spektakulΓ€r: Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen, getragen von HolzstΓΌtzen und -trΓ€gern schichten sich ΓΌbereinander. Der Bau strahlt bis ins Detail nΓΌchterne ZweckmΓ€ssigkeit aus. Doch eine, die es in sich hat.

MΓΆglichst minimaler Aufwand

Denn dieser konstruktive und kostenmΓ€ssige Minimalismus ist in der Planung und im Bau anspruchsvoll. Β«Es ist eine brutal einfache KonstruktionΒ», sagt Stephan Zaugg, der mit seiner Holzbaufirma Zaugg AG Rohrbach den Pionierbau konzipiert und erstellt hat. Und brutal einfach heisst in diesem Fall mit minimalem Aufwand auf maximale Leistung optimiert.

So bestehen zum Beispiel die Decken aus zehn Meter langen, sehr dicken Brettsperrholz-Platten, die direkt auf die alle fΓΌnf Meter folgenden HaupttrΓ€ger montiert sind. Die sonst bei solchen Tragdistanzen ΓΌbliche zusΓ€tzliche Balkenlage fehlt. Das reduziert mit der Zahl der Verbindungen den Montageaufwand und damit die Kosten markant.

Partner-Inhalte

Stephan Zaugg
Keystone
Stephan Zaugg
Keystone

Ausgefeilte Logistik

Auch die Montage selbst ist eines dieser unsichtbaren Wunder. Die grΓΆsste Herausforderung beim Bau des Parkhauses sei nΓ€mlich die Logistik gewesen, sagt Zaugg. Um den Bau effizient erstellen zu kΓΆnnen, musste die Produktion der Bauteile und deren Transport zur Baustelle nach einem genau einzuhaltenden Fahrplan erfolgen.

Ein Β«SchΓΆnheitsfehlerΒ» am ersten Schweizer Holzparkhaus ist, dass sowohl die Bauteile wie ein Grossteil des Holzes aus Γ–sterreich stammen. Β«Wir haben in der Schweiz leider keine Halbfabrikatsindustrie mit der nΓΆtigen KapazitΓ€tΒ», sagt Zaugg dazu. FΓΌr das Parkhaus wurden insgesamt 1100 m3 Brettschichtholz, 3400 m3 Brettsperrholzplatten und 30 m3 Buchenholz verbaut.

Beton kam nicht in Frage

Bei einem Pionierbau brauchte es jedoch auch einen Bauherrn, der das Risiko eines Erstwerks eingeht. In diesem Fall war es Cotra Autotransport AG. Das Unternehmen hatte das bis anhin unlΓΆsbare Problem, auf einem Areal mit Grundwasser ein Parkhaus fΓΌr 2000 Fahrzeuge bauen zu wollen.

Weil das Grundwasser nur eine geringe Bodenbelastung zuliess, kam die ΓΌbliche Bauweise mit Beton nicht in Frage. Das Parkhaus musste leicht sein - also zum Beispiel aus Holz. Eine Holzkonstruktion hatte zudem den Vorteil, bei optimierter Bauweise gΓΌnstiger und erst noch schneller erstellt zu sein.

Werbung

Keine Sprinkleranlage

Doch wie steht es um den Brandschutz? WΓ€hrend beim Wohnbau die Brandgefahr noch einigermassen kontrollierbar scheint, passen Holz und Auto und damit Benzin auf den ersten Blick schlecht zueinander.

Der Brandschutz sei jedoch ΓΌberhaupt kein Problem gewesen, sagt Zaugg. Dabei haben der Bauherr und die Planer von der 2015 erfolgten Lockerung der bis dahin holzbauhinderlichen Schweizer Brandschutzvorschriften profitiert.

Ebenfalls hilfreich waren auch einige planerische Kniffe. So wurde das Parkhaus in den Ausmassen und der Konstruktion exakt so geplant, dass es dafΓΌr keine erhΓΆhten Brandschutzanforderungen erfΓΌllen musste. Der Holzbau kommt darum ohne Brandmauern, Sprinkleranlage, und Brandschleusen aus.



Parkhaus aus Holz
Keystone
Parkhaus aus Holz
Keystone

Weltweit einzigartig

Etwas Mehraufwand dagegen wurde betrieben, um den Bau witterungsbestΓ€ndig zu machen. Um keine konstruktiven Teile Regen und Schnee auszusetzen, wurden die FassadenstΓΌtzen des GebΓ€udes aus feuerverzinktem Stahl gefertigt.

Auch die Zugangsrampen und die Zugangstreppen sind aus Stahl. Die DachflΓ€che, die ebenfalls als Parkfeld genutzt wird, ist durch eine Asphaltschicht geschΓΌtzt.

Das GebΓ€ude ist zwar noch nicht ganz fertiggestellt, es wird jedoch bereits genutzt. Die Abnahme des GebΓ€udes soll schliesslich Ende MΓ€rz 2018 erfolgen. Damit wird die Schweiz ganz offiziell ihr erstes Holzparkhaus haben.

Β«Das ist auch ein WeltpremiereΒ», sagt Zaugg. PlΓ€ne und Ideen fΓΌr den Bau eines Parkhauses aus Holz existierten zwar seit einigen Jahren. Β«Doch diese Projekte in den USA, in Deutschland und in Γ–sterreich sind bis jetzt LuftschlΓΆsser geblieben.Β»





Werbung

(sda/ccr)

Werbung