Guten Tag,
Alle zahlen gleich wenig Steuern: 18 Prozent. Und jedes Kind kriegt 5000 Franken vom Staat, jeder Erwerbstätige ebenfalls. Das ist keine Utopie, sondern ein ernst gemeinter Vorschlag zur Reform der Schweiz.
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Konkret heisst das:
So weit das klassische Modell mit einem einzigen Abzug, einer Pauschale, die «unten» entlastend wirkt. Es gibt sogar Varianten, die für die Leute «ganz unten» noch attraktiver wären. Auch daran denkt unser Finanzminister Hans-Rudolf Merz: «Längerfristig möchte ich noch ganz andere Modell studieren», sagt er zur NZZ. «Etwa die Flat Tax, eine negative Einkommenssteuer oder Sozialabzüge vom Steuerbetrag.»
Was etwas kompliziert tönt, ist in Wahrheit simpel. In den USA spricht man von «Steuergutschriften», und solche sind auch in Grossbritannien bestens eingeführt. Auf die Schweiz übertragen, heisst dies etwas salopp: Jedes Kind erhält 5000 Franken bar auf die Hand. Und jede erwachsene Person erhält ebenfalls 5000 Franken bar auf die Hand, sobald diese selber ein minimales Einkommen versteuert. Nicht die Drückeberger, nicht die Alters- und Vermögensrentner sollen von Steuergutschriften profitieren, sondern die Working
Poors. Also Leute, die brav arbeiten, sich aber kaum die Krankenkassenprämien leisten können.
Solche Steuergutschriften lassen sich schön mit einer Flat Tax kombinieren. Sie ersetzen dann einfach den pauschalen Abzug. Konkret sieht das so aus:
Nun werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, spätestens hier kritisch: Das ist doch Hokuspokus, Bauernfängerei! Hier wird suggeriert, der Staat könne die Leute «unten» und «oben» und «in der Mitte» entlasten, ohne dass er deswegen Einnahmen verliert. Das ist billigste Reklame, diese Rechnung geht nie auf! Wenn alle weniger zahlen, muss irgendjemand mehr zahlen! Wer?
Bitte sehr, wir kommen nun zum Kleingedruckten. Das hier ist Werbung, aber moderne Werbung macht keinen Bogen um die Pfützen. Also steht hier auch in ganz normal gedruckten Buchstaben: Klar gibt es jemand, der effektiv mehr zahlen müsste als heute. Nämlich alle diejenigen, die im heutigen Emmentaler-System durch die Löcher schlüpfen. Die «Gratisbürger», die nicht nur nach Zug oder nach Ausserschwyz zügeln, sondern zudem auch noch ihre Sonderabzüge geltend machen (für Kaderpensionskassenbeiträge, Häuserrenovationen und anderes mehr). Spitzenverdiener, die «null Franken» Vermögen und «null Franken» Einkommen versteuern, dafür aber zum Glück in der Presse manchmal geoutet werden.
Zur unsozialen Wirkung dieser Steuerabzüge gibt es eine neue Studie, die das Büro Ecoplan im Auftrag der Eidgenössischen Steuerverwaltung über die «Verteilung des Wohlstands in der Schweiz» erstellt hat. Erstmals wurde quasioffiziell die Differenz erhoben, die sich ergibt zwischen den Einkommen gemäss der offiziellen Einkommens- und Verbrauchserhebung des Bundesamts für Statistik einerseits und den Einkommen gemäss Steuerstatistik andererseits. Resultat: Im Schnitt sind die steuerbaren Einkommen um 21 Prozent tiefer. Bei den ärmsten 10 Prozent der Haushalte beträgt diese Differenz aber nur 10 Prozent, bei den reichsten 10 Prozent der Hauhalte beträgt die Differenz jedoch 45 Prozent. Endlich ist nun auch aus wissenschaftlicher Sicht erwiesen, wer unser kompliziertes Steuersystem am stärksten austrickst: die Einkommensstärksten.
Jetzt kommt die Schlusspointe: Mit der Flat Tax werden nicht nur die Treuhänder und Berater arbeitslos, auch einige Funktionäre auf den vielen Amtsstellen. Sobald man sich daran macht, die Flat Tax in die Praxis umzusetzen, wird man überrascht sein: Man kann das jetzige Steuersystem mit allen den Paragrafenwälzern streichen, voll und ganz.
In die Lücke tritt die so genannte Quellensteuer, die, und das ist der Clou, bereits existiert. Die Flat Tax funktioniert in der Schweiz bestens, heute schon. Sie hat keinen englischen Namen, sondern eine drei Buchstaben kurze Abkürzung, die jedes Schulkind kennt: AHV. Hier werden sämtliche Lohneinkommen zu einem proportionalen Steuersatz besteuert, schön flach, schön an der Quelle. Bei den Unselbstständigen funktioniert das automatisch, bei den Selbstständigen ist das Prozedere leider etwas kompliziert, das ist nicht zu vermeiden. Aber entscheidend ist: Das ganze übrige Steuersystem wird dann abgeschafft. Es braucht nicht einmal eine Postkarte, auch keinen Bierdeckel. Es braucht überhaupt keine Steuererklärung mehr. Der Staat kann seine Einkommenssteuern einziehen wie heute die AHV.
Und was ist mit den Zinsen oder Dividenden? Auch diese Einkommen kann der Staat direkt an der Quelle abzweigen. Die Schweiz tut das heute schon, sehr effizient und weltweit beachtet: Das hiesige System der Verrechnungssteuer ist ein exportfähiges Produkt (während die berühmte neue Zinssteuer, die in der EU eingeführt wird, löchriger ist als unser berühmter Käse – aber das nur in Klammern). Sobald die Schweiz also eine Flat Tax einführt, wird die heute bestehende Verrechnungssteuer einfach und unbürokratisch weitergeführt. Statt 35 Prozent werden freilich nur 18 Prozent eingezogen, ab sofort jedoch unwiderruflich.
So löst sich der heutige Steuerdschnungel in Luft auf: Die neue Flat Tax ist eine doppelte Quellensteuer, die es bereits gibt. Und weil dieses neue System so simpel ist, lassen sich auch die mutmasslichen Einnahmen zuverlässig hochrechnen: Die heutige AHV-Lohnsumme bringt, wenn sie zu 18 Prozent versteuert wird, Einnahmen von 47 Milliarden Franken. Die heutige Verrechnungssteuer bringt, wenn man 18 Prozent unwiderruflich einzieht, gut und gerne 13 Milliarden Franken. Macht 60 Milliarden Einnahmen auf der einen Seite.
Auf der andern Seite kosten die neuen Steuergutschriften sehr viel Geld. 5000 Franken pro Kind und 5000 Franken für alle Erwerbstätigen – das ergibt rund fünf Millionen Bezüger und damit 25 Milliarden Franken Kosten. 60 Milliarden Einnahmen minus 25 Milliarden für die Steuergutschriften gleich 35 Milliarden Franken effektive Steuereinnahmen.
So weit das Modell. Und jetzt zurück zur Realität: Das heutige Unsystem der direkten Einkommenssteuer bringt im Jahr dem Bund, den Kantonen und den Gemeinden insgesamt 40 Milliarden. Die neue, gerechte Flat Tax bringt also einen kleinen Verlust von fünf Milliarden, der politisch gewollt ist. Die Flat Tax soll in der Schweiz – ähnlich wie in Russland, Estland oder der Slowakei – einen Boom auslösen. Dieser Boom wird sogleich die Löhne und die Verrechnungssteuern ansteigen lassen. Das sind die beiden Quellen, von denen das Geld künftig ganz direkt dem Staat zufliesst.
Und unter uns gesagt: Darüber ärgern werden wir uns trotzdem. Wir müssen ja weiterhin Steuern zahlen. Aber wir werden wenigstens nicht mehr belästigt. Und wir wissen: Alle zahlen, alle zahlen gleich viel: 18 Prozent. Und alle bekommen gleich viel: 5000 Franken pro Kopf, bar auf die Hand. Das ist vielleicht kein Honigschlecken, aber im Vergleich zu heute ein Stück Schlaraffenland.
Literatur zum Thema
Unter dem Titel www.flattax.ch wird demnächst eine Internetseite zum Thema eröffnet. Weitere Informationen finden sich unter www.einfachsteuer.de und unter www.markusschneider.ch
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