Vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl wurde Brad Parscale oft belächelt. Jetzt lacht niemand mehr. Dafür gibt es nicht wenige, die Parscale erheblichen Einfluss auf Donald Trumps Wahlsieg zusprechen. Social Media, Online-Medien, später auch TV, Digitalcrack Brad Parscale verantwortete für alle diese Bereiche die Wahlkampf-Strategie. Er verfügte über ein Budget von 100 Millionen Dollar.
Und sagte nach der Wahl, Facebooks Mitarbeiter hätten bei der Verbreitung von Trumps Botschaften bereitwillig mitgewirkt – weil sie ihren Anteil am Werbebudget sichern wollten. Auf dem Web Summit in Lissabon spricht Parscale über seine Strategien und seine Sicht auf Trumps Regierung.
Wie denken Sie, wird sich der Einfluss von Social Media auf politische Wahlen entwickeln?
Brad Parscale*: Ich kann nicht für einzelne Länder sprechen wie zum Beispiel Portugal, das ich zum ersten Mal besuche. Ich denke aber, dass die USA einen Weg aufgezeigt haben, wie Themen aufgrund von Datenanalyse angegangen werden können. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Methoden nicht von anderen Ländern aufgegriffen werden. Aber natürlich ist jedes Land anders und hat andere Gesetze, darum wird das Ausmass sicherlich auch unterschiedlich ausfallen.
Was ist Ihre Haltung zum Thema Fake News?
Meiner Meinung sind nicht so sehr Fake News ein Problem, als vielmehr «Biased News». Die Tatsache, dass politische Berichterstatter ihre Analysen von ihren Meinungen beeinflussen lassen und die Darstellung entsprechend geprägt ist. Ich weiss nicht, wie die Situation hier in Europa ist, aber in den USA ist das die Entwicklung.
Haben Sie Fake News in Ihrer Kampagne verwendet?
Meine Aufgabe war es nicht, Nachrichten zu kommunizieren. Meine Aufgabe war es, Geld durch Fundraising einzuwerben und Marketing zu betreiben.
Wie hat sich für Ihr Empfinden die politische Diskussion in den USA unter dem Einfluss von Donald Trumps Tweets entwickelt?
Ich weiss nicht, ob ich dazu eine Meinung habe – ich bin einfach glücklich, dass Trump twittert. Er steht mit der Bevölkerung im Dialog, ich sehe, wie die Leute auf ihn reagieren. Es ist nicht an mir, das zu diskutieren.
Würden Sie erneut eine Kampagne für Trump führen?
Diese Entscheidung liegt bei ihm, nicht bei mir. Sollte es soweit kommen, hoffe ich, dass er anruft.
*Brad Parscale arbeitete seit 2011 für Donald Trump und war 2015 einer der ersten Strategen, die der heutige US-Präsident nach Bekanntgabe seiner Kandidatur hinzuzog. Er verantwortete die Strategie für Social Media und Online und später auch für TV und Print. Am Web Summit 2017 in Lissabon ist er als Speaker zu Gast.
Donald Trump ist mit so vielen Versprechungen wie kaum ein zweiter Bewerber durch den US-Wahlkampf gezogen. Ein Jahr nach der Wahl ist von den grossen Ankündigungen nicht allzu viel übrig geblieben. Die Bilanz fällt bescheiden aus - eine Auswahl:Pool/Getty Images RMS Gesundheitsreform
Versprechen: Donald Trump ist angetreten, die von Barack Obama geschaffene Gesundheitsreform abzuschaffen und durch ein besseres - sprich: für viele Amerikaner billigeres System - zu ersetzen.Joe Raedle/Getty Images RMS Status: Nicht erfüllt. Obamacare ist nicht abgeschafft, ein neues System ist wegen parteiinterner Streitigkeiten bei den Republikanern nicht in Sicht. Trump hat es in dieser Frage nicht geschafft, seine Partei zu einen, zu einem Deal mit den Demokraten kam es ebenfalls nicht.Bill Clark/Getty Images RMS Mauerbau
Versprechen: Dass er eine Mauer entlang der 2000 Meilen langen Südgrenze zu Mexiko bauen und Mexiko dafür bezahlen lassen will, war eines der zentralen Wahlversprechen Trumps und wurde im Wahlkampf fast zum Kult.Justin Sullivan/Getty Images RMS Status: Von der versprochenen Mauer steht kein einziger Stein, die Finanzierung ist völlig offen. Bisher haben Bewerber für die Bauarbeiten lediglich Prototypen eingereicht, die in Kalifornien getestet werden. Ob es zu dem Bau jemals kommt und ob es dann eine Mauer oder eher ein Zaun sein wird, ist völlig offen.Sandy Huffaker/Getty Images RMS Einreisestopp
Versprechen: Trump hat im Wahlkampf angekündigt, er werde die Migration von Muslimen stoppen, um amerikanische Werte zu sichern und das Einsickern von Terroristen zu verhindern.Sean Gallup/Getty Images RMS Status: Trump hat gleich nach seiner Amtseinführung einen vorübergehenden Einreisestopp verhängt, der aber von Gerichten zunächst gestoppt und dann deutlich verwässert wurde. Hinter den Kulissen erhöhte Trump jedoch die Hürden für die Einreise von Ausländern. Er fordert nun auch die Abschaffung der sogenannten Green-Card-Lotterie, über die Ausländer an eine Augenthalts- und Arbeitserlaubnis gelangen können.Joe Raedle/Getty Images RMS Klima
Versprechen: Trump kündigte an, die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen herauszulösen.Win McNamee/getty Images Keystone Status: Die US-Regierung hat den Prozess des Ausstiegs in Gang gesetzt. Der völlige Rückzug wird erst 2020 geschehen. Trump könnte dann unter Umständen schon als Präsident abgewählt sein. Erst jüngst veröffentlichte die Regierung eine Studie, die entgegen der bisherigen Regierungslinie den Menschen als Hauptursache für den Klimawandel ansieht.Scott Olson/Getty Images RMS Steuern
Versprechen: Trump kündigte eine grosse Steuerreform mit noch nie dagewesenen Entlastungen für Familien und Arbeiter an.Drew Angerer/Getty Images RMS Status: Es gibt einen ersten Vorschlag. Dieser sieht Entlastungen vor allem für Firmen und Wohlhabende vor. Auch Durchschnittsfamilien sollen entlastet werden. Ein Konzept zu Gegenfinanzierungen gibt es nicht. Die Steuererleichterungen würden ein weiteres Loch in den ohnehin angespannten Haushalt reissen und die riesige Schuldenlast weiter erhöhen. Trump will ein Steuergesetz bis Weihnachten unterschreiben, Skeptiker halten das für sportlich.Chip Somodevilla/Getty Images RMS