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Die Reichsten: Könige von Deutschland

BILANZ Deutschland präsentiert erstmals eine Rangliste der reichsten Deutschen. Ganz vorn liegt der Autozulieferer Schaeffler. Der reichste Deutsche in der Schweiz ist Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Walter Pellinghausen

Auf Platz 10 rangiert die Familie Würth, die mit ihren Befestigungssystemen und Werkzeughandel ein Vermögen von 8,1 Milliarden Euro erlangten. Das Bild zeigt Patron Reinhold Würth.
Platz 9: Stefan Quandt bringt es mit seinen Anteilen am bayerischen Automobilkonzern BMW sowie seiner Beteiligungsgesellschaft Delton zwar auf ein Vermögen von 8,2 Milliarden Euro...
...hinkt damit aber dennoch hinter seiner Schwester her. Platz 8 geht an Susanne Klatten, die mit ihren BMW-Anteilen sowie mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion auf ein Vermögen von elf Milliarden Euro kommt.
Platz 6 und 7: Familie Boehringer und Baumbach. Die Pharma-Dynastien Boehringer und Baumbach haben jeweils ein Vermögen von zwölf Milliarden Euro. Das Bild zeigt einen Mitarbeiter im Labor von Boehringer Ingelheim in Ingelheim.
Platz 5: Familie Reimann. Die Familie, die mit Reinigungsmittel-Herstellern wie Reckitt Benckiser, Sloug und Coty ein Vermögen scheffelte, gilt als besonders öffentlichkeitsscheu. Ihr Vermögen: 14 Milliarden Euro.
Platz 4: Dieter Schwarz. Der Einzelhandels-Magnat und Gründer des Aldi-Konkurrenten Lidl hat ein Vermögen von 15 Milliarden Euro.
Platz 3: Familie Theo Albrecht jr. Der Sohn des gestorbenen Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht teilte sich das Erbe bis 2012 mit seinem ebenfalls verstorbenen Bruder Berthold (Vermögen: 16 Milliarden Euro).
Platz 2: Familie Albrecht und Heister. Die Erben von Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht verwalten nun das Familienvermögen von rund 18 Milliarden Euro.
Platz 1: Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg sind mit einem Vermögen von 21,5 Milliarden Euro die reichsten Deutschen 2014. Zum Besitz der Familie gehören das Maschinenbauunternehmen Schaeffler AG sowie Beteiligungen am Autozulieferer und Dax-Konzern Continental AG. Bilder: Bloomberg/Keystone
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Die fränkische Kleinstadt Herzogenaurach mit ihren 22 500 Einwohnern ist Heimat gleich von drei Weltkonzernen. Die Brüder Rudolf und Adolf (Adi) Dassler gründeten in der Region um Nürnberg die von Beginn an erbittert konkurrierenden Sportartikelriesen Puma und Adidas. Doch gemessen an Umsatz und Mitarbeitenden, dominiert am Fluss Aurach längst die Familienfirma Schaeffler, der global führende Kupplungs-, Wälz- und Kugellagerkonzern.
Bei Schaeffler kurbelt seit dem Tod des Patrons Georg Schaeffler 1996 dessen Witwe eine rasante Expansion an. Mit Wagemut riskierte Maria-Elisabeth Schaeffler (73) dabei gar das Überleben ihrer privaten Gruppe, als sie 2008 den dreimal so grossen, kotierten Autozulieferer Continental attackierte und ein Übernahmeangebot platzierte: zu 75 Euro pro Conti-Aktie. Kaum veröffentlicht, ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite – und liess die Weltbörsen krachen. Continental tauchte bis auf gut elf Euro; Aktionäre dienten da gern und in Massen ihre Anteile den Schaefflers an – zum fast siebenfachen Kurs.

Continental im Hoch

Die Unternehmerin bewies Coolness, blieb mit Hilfe der Banken stur in der Spur – und schaffte, assistiert von Sohn Georg Schaeffler (49) und Freunden wie dem nun amtierenden Conti-Chefaufseher Wolfgang Reitzle (65), die Wende. Der Junior, der von 1986 bis 1990 in St.  Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert hatte, stieg in der existenziellen Krise subito aus den Diensten einer US-amerikanischen Anwaltskanzlei aus und kam an die Seite seiner Mutter im Führerhaus der Familienfirma.

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Bei wieder anziehenden Kursen deponierten Schaefflers peu à peu einige Millionen Conti-Wertpapiere auf dem Parkett und reduzierten ihre Bankschulden. Aktuell kontrollieren Mutter und Sohn Schaeffler 46 Prozent von Continental. Die Börsenkapitalisierung bewegt sich fast auf Höhe des Umsatzes: bei knapp 33 Milliarden Euro. Seit März 2009 hat sich der Kurs von Continental versechzehnfacht.
Bei den folgenden sechs Platzierten auf der Vermögensliste von BILANZ Deutschland fällt die Einschätzung schwieriger aus: Sowohl die Handelsmilliardäre der Aldi-Familien Karl und Theo Albrecht als auch deren schärfster Konkurrent Dieter Schwarz mit dem Filialduo Lidl und Kaufland werden ebenso als reine – und extrem diskrete – Familiengesellschaften geführt wie auch Boehringer Ingelheim, die zweitgrösste deutsche Pharmafirma. Deren Gesellschafter der Familienstämme Boehringer und von Baumbach zählen addiert mit geschätzt 24 Milliarden Euro gar das grösste Vermögen.
Unter den Milliardären in der Rangliste von BILANZ Deutschland finden sich mehr als zwei Dutzend Unternehmer, die in der Schweiz geschäften, residieren oder sogar das Schweizer Bürgerrecht erworben haben. Die Halbgeschwister Renate Reimann-Haas (62), Wolfgang Reimann (61) sowie Stefan (50) und Matthias Reimann-Andersen (49) rafften in den letzten Monaten für deutlich mehr als zehn Milliarden Franken zusammen, was weltweit an Kaffeemarken wie Jacobs oder Douwe Egberts zu schlucken war. Die Übernahme von Bally in Caslano TI durch das Reimann-Quartett war dagegen fast ein Schnäppchen.

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Auf jahrzehntelange private Präsenz in der Schweiz blickt der gern so titulierte Schraubenkönig Reinhold Würth (79) zurück. Tochter Bettina Würth (52), die designierte Nachfolgerin, lernte auf den Bündner Pisten ihren heutigen Gatten Markus kennen und teilt mit ihm auch das Bürgerrecht von Appenzell.

Schweizer Bürgerrecht

Einer der ersten (Erbschaftssteuer-)Exilanten war der legendäre Baumaschinenfabrikant Hans Liebherr. Mit seinen fünf Kindern zog er 1979 nach Bulle FR. Neben den Nachkommen Willi (67) und Isolde Liebherr (65) steuern bereits Gründerenkel den prosperierenden Weltgiganten. Sie haben ebenso längst das Schweizer Bürgerrecht erworben wie die drei Söhne des Wahlthurgauer Schlossherrn August von Finck (84).
Als (deutscher) Lokalpatriot liefert hingegen der Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne (77) seit Monaten in Hamburg Schlagzeilen. Der kinderlose Kühne spediert zuverlässig Millionen in die Vereinskasse des serbelnden Fussballbundesligisten Hamburger Sport-Verein (HSV), freilich nicht ganz uneigennützig. Neben Transferrechten an einzelnen Kickern beansprucht der Wahlschwyzer vom Zürichsee eine Beteiligung an der neu ins Rennen geschickten HSV Fussball AG.
Unter den reichsten Deutschen befinden sich zahlreiche Unternehmer mit Schweizer Bodenhaftung. So wie Theo Müller. Sein Vermögen: 2,5 Milliarden Euro. Mit kesser Werbung für Müllermilch lockt der Molkereimogul derzeit Kunden zu Denner.
Renata Jacobs (Vermögen: 5,1 Milliarden Euro): Die Matriarchin des Schoggischmelzers Barry Callebaut ist Schweizerin von Geburt. Auf dem Foto ist sie mit Ehemann Klaus Jacobs zu sehen, der seines Zeichen Kaffeeunternehmer ist.
Klaus-Michael Kühne (Vermögen: 6,4 Milliarden Euro): Der Logistiker vom Zürichsee spediert Millionen in die Kasse des Hamburger Sportvereins.
Familie Liebherr (Vermögen: 6,7 Milliarden Euro): Die Geschwister Willi und Isolde Liebherr erweitern das Baumaschinenimperium der Familie und haben bereits das Schweizer Bürgerrecht erworben.Liebherr
Familie Würth (Vermögen: 8,1 Milliarden Euro): Patron Reinhold Würth liebt die Schweiz, der Schraubenkönig blickt auf eine jahrzehntelange private Präsenz in der Schweiz. Bilder: Keystone
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