Die Elbphilharmonie lockt die Schweizer in Scharen an
Wer diese Saison noch Karten für die Elbphilharmonie ergattern will, muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch unter Schweizern sind Reisen nach Hamburg der Renner. Das merken die hiesigen Anbieter.
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Die Elbphilharmonie wird mit Lobeshymnen eingedeckt ...RMS... dabei wurde die neueste Sehenswürdigkeit von Hamburg erst am 11. Januar offiziell eröffnet.RMSEin Countdown zählte die Sekunden bis etwa auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 11. Januar dem Eröffnungskonzert im grossen Konzertsaal lauschten.RMSEigentlich sollte das Konzerthaus schon 2010 fertiggestellt sein. Jahrelange Querelen um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen machten den Plänen aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung. In der Endabrechnung stehen Kosten von 789 statt 77 Millionen Euro.RMSBereits früher zugänglich war die öffentliche Aussichtsplattform zwischen dem historischen Kaispeicher und dem gläsernen Neubau.RMSDa die Kapazität begrenzt ist, müssen die Besucher vorher Tickets ziehen, nur Konzertbesucher kommen ohne Ticket zur Plaza.RMSZu sehen ist von hoch oben etwa der Hafen.RMSDas Gebäude steht exponiert zwischen dem neuen Quartier Hafencity und dem Hafen.RMSDer Sockel der Elbphilharmonie fügt sich ein in die historische Speicherstadt.RMSDer Saal mit 2100 Plätzen ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Die Form des Saals vergleichen die Architekten mit antiken Amphitheatern, mit Stadien und einem Zelt.RMS2013 sah der grosse Saal noch ganz anders aus.RMSFür die Akustik war der Japaner Yasuhisa Toyota zuständig. Die spektakuläre Innenverkleidung, die sogenannte Weisse Haut, soll den Besuchern auf allen Plätzen den besten Klang bieten.RMSDie Glasfassade leuchtet und lenkt den Blick auf das Gebäude.RMSWie Puzzleteile bilden die einzelnen Elemente ein Ganzes.RMSBereits während der Bauphase war die wachsende Elbphilharmonie eine Attraktion. Nach der Hoffnung der Hamburger Touristikern soll die perfekte Mischung aus Konzerthaus und Sehenswürdigkeit viele Touristen anlocken.RMSEntworfen haben den spektakulären Bau, der bereits jetzt mit der Präsenz der Oper von Sydney verglichen wird, die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.Bilder: Keystone / Text: mit sdaRMS
Ausgesprochen gross, geradezu riesig – so beschreiben Anbieter das Interesse von Schweizer Touristen an Elbphilharmonie-Reisen. Gut drei Wochen ist das Konzerthaus am Hamburger Hafen in Betrieb. Doch wer noch diese Saison ein Konzert besuchen möchte, muss sich sputen oder auf Nachschub bei den Angeboten hoffen.
Damit scheint Hamburgs Plan aufzugehen. Der Bau der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron soll für die Stadt zum Wahrzeichen werden – mit einer vergleichbaren Strahlkraft wie die Oper von Sydney. Bis zur feierlichen Eröffnung am 11. Januar mussten sich die Beteiligten, die Hamburger Bevölkerung und Klassikliebhaber weltweit lange gedulden: Der Um- und Aufbau des alten Speichergebäudes zog sich hin, ursprünglich sollte die «Elbphi» bereits 2010 eröffnen. Für Unmut haben auch die überbordenden Kosten gesorgt.
Zu den Ersten zählen
Doch trotz oder gerade wegen der langen Wartezeit und den negativen Vorberichten ist die Neugierde nun gross. Hunderte Schweizer können es offenbar kaum erwarten, sich ein eigenes Bild zu machen. Das zeigt die Umfragen bei Reiseveranstaltern.
Einen persönlichen Eindruck vom spektakulärem Bau und dem grossartigen Klang – 10'000 Gipspanele nach den Plänen des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota sollen ein einzigartiges Hörerlebnis garantieren – konnten sich bereits 80 Twerenbold-Kunden machen. Am 17. Januar lauschten sie den Hamburger Symphonikern.
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Erschöpftes Kontingente und lange Warteliste
Im Oktober hat der Reiseveranstalter vier weitere – und bereits ausgebuchte – Angebote mit dem Höhepunkt «Elphilharmonie» im Angebot. Dazu mietet das Aargauer Unternehmen für ein Exklusivkonzert gleich alle 2100 Plätze des Grossen Saals. Die Tickets dazu vertreiben sie gemeinsam mit einem deutschen Partner. Drei weitere Projekte – für November und Februar – sind in Planung. Wer möchte, kann sich auf eine Warteliste eintragen lassen. Rund 700 Personen warten dort schon auf ihr Elbphilharmonie-Glück.
Car Rouge, das zur Eurobus-Gruppe gehört und Busreisen im Premiumbereich anbietet, lotst rund 160 Leute nach Hamburg. Armin Portner, Leiter Opern- und Konzertreisen, war vom Erfolg des Angebots zwar nicht überrascht, meint aber im Nachhinein, dass sie «vielleicht im Einkauf noch etwas mutiger hätten sein können». Car Rouge ist sich sicher, dass Reisen nach Hamburg künftig ein wichtiger Bestandteil des Angebots sein werden.
Rasches Buchen ist gefragt
Auch beim Reiseveranstalter Studiosus war das Interesse an den Konzertreisen nach Hamburg gross. Alle 24 Termine sind restlos ausgebucht – wie viele Plätze an Schweizer gingen, kann der Anbieter allerdings nicht sagen. Der Erfolg kam für Studiosus nicht unerwartet, daher auch das von Anfang an grosse Angebot. Dass aber tatsächlich auch alle verkauft wurden, sei doch überraschend, sagt Franco Ilic von der Pressestelle.
Ausverkauft sind Elbphilharmonie-Reisen auch bei ACS-Reisen. 40 Personen konnten sich einen der begehrten Plätze sichern, viele Interessierte gingen dagegen leer aus. Beide Reisen waren zwei Tage nach dem Erscheinen des Angebots voll.
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Schwieriger Nachschub
Gar nur einen Tag war die Reise bei Atlas Reisen verfügbar. Der Katalog mit der Reise kam kaum in die Haushalte, war es für eine Buchung schon zu spät. Über 100 Leute haben sich auf eine Warteliste eintragen lassen. So bald die neuen Spielpläne und Billette erhältlich sind, werden sie zu den Glücklichen zählen.
Die Neugierde habe nach dem langen Warten zu einem regelrechten Boom geführt, erklärt Geschäftsführer Felix Sandmayr den grossen Ansturm. Etwas Vergleichbares habe er lange nicht erlebt. Gerne würde er noch mehr Kunden an die «Elbphi» schicken, es sei aber auch für sie als professionelle Anbieter schwierig an Karten zu kommen. Irgendwann werde sich der jetzige Boom bestimmt wieder legen, relativiert er die Ausnahmesituation.
Nicht nur das Interesse an Konzerten sei übergross, auch Besichtigungen seien äusserst gefragt, weiss der Reiseveranstalter. Von Tausenden Anfragen könnten in den ersten beiden Monaten nur gerade 10 Prozent gedeckt werden.
Der Konzertsaal als Star
Extrem mutet die Vorbereitung bei Twerenbold an. Nach eigenen Angaben stehen sie für die Musikreise im Herbst 2017 seit zehn Jahren mit dem Intendanten des Hauses in Kontakt. «Trotz langjähriger Erfahrung ist es die bisher spektakulärste und von der Vorbereitung her die aufwändigste Musikreise», sagt denn auch Daniel Joos von der Medienstelle.
«Hin um jeden Preis» scheint die Devise vieler Schweizer, so die Erfahrung von ACS-Reisen: «Wir haben viele Anrufe bekommen, die einfach Karten für die Elbphilharmonie wollten, egal was von wem gespielt wird. Nicht der Sänger oder der Solist ist momentan der Star, sondern der Konzertsaal, was doch ziemlich einmalig ist.» Das Reisebüro legt bei seinen Musikreisen viel Wert auf hochkarätige Besetzungen und die gespielten Werke. Diesem Anspruch das Team auch bei den Hamburg-Reisen treu bleiben.
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Irgendwann kommen alle nach Hamburg
Wer jetzt noch kein Konzertticket hat, muss den Kopf nicht hängen lassen. Die angefragten Reisebüros wollen alle Nachschub anbieten, so bald neue Kontingente verfügbar sind. Vorläufig bleibt den Musikliebhabern aber bloss: Sich auf Wartelisten einzutragen, den Start des Online-Verkaufs für den Elbphilharmonie Sommer am 15. Februar um 0 Uhr nicht zu verschlafen oder sich zu gedulden, bis der Hype abflaut.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, wo auf der Welt sich noch überall Bauten der Basler Star-Architekten Herzog & de Meuron befinden:
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Wo Herzog & de Meuron in der Welt präsent sind:Mit dem Tour Triangle in Paris bekommen die Architekten die Chance sich in einer der schönsten Städte der Welt zu verewigen. Gerade deshalb war das Projekt höchst umstritten.Herzog & de MeuronRMSIn ihrer Heimatstadt Basel können sich Herzog & de Meuron austoben. Das neuste Projekt kommt von Helvetia. Bis voraussichtlich Ende 2023 gestaltet die Versicherung nach den Plänen des Architekturbüros ihren Hauptsitz an der St. Alban-Anlage neu. Herzog & de MeuronRMSIm New Yorker Stadtteil Tribeca errichten die Basler den Wohnturm 56 Leonard (ganz links). Das futuristische Gebäude wurde von der Presse «Jenga»-Hochhaus getauft – nach dem Spiel mit Holzklötzchen.
lagranputadeny/InstagramRMSAuf Instagram ist das Hochhaus schon vor der Eröffnung ein Star.
dlbritnot (l.), hello88goodbye (m.), andrew.hafnor (r.)/InstagramRMSIn Berlin bauen die Basler Architekten ein neues Stadtquartier um das Kunsthaus Tacheles. Das Tacheles war jahrelang ein alternatives Künstlerzentrum.RMSZuhause ist das Architektenduo in Basel, wo sie auch für den Bau des Roche-Turms verantwortlich sind. Der «Roche Bau 1» ist mittlerweile eröffnet und mit seinen 175 Meter das höchste Haus der Schweiz, zumindest vorübergehend...RMS... denn nach den Plänen von Herzog & de Meuron bekommt das Gebäude bis 2021 einen 205 Meter hohen Zwilling. Der gesamte Roche Campus soll drei Milliarden Franken kosten und wird das Gesicht der Stadt Basel grundlegend verändern. RocheRMSObwohl Herzog & de Meuron inzwischen auch Zweigstellen in London, München, Barcelona, San Francisco und Tokio betreiben, bleibt Basel der «Showroom» der beiden. Nirgends finden sich so viele Bauten der Architekten wie am Rheinknie. Das Bild zeigt die Apotheke des dortigen Kantonsspitals aus den Jahren 1995 bis 1997. Wikimedia/CC/Tobias HelfrichRMSDie neueren Gebäude von Herzog & de Meuron sehen anders aus. Bekannt ist beispielsweise die Firmenzentrale des Pharmakonzerns Actelion in Allschwil direkt an der Stadtgrenze zu Basel. KeystoneRMSDen grossen internationalen Durchbruch schafften die Basler mit der Erweiterung der Tate Gallery in London. Das Museum wurde im Jahr 2000 in einem alten Ölkraftwerk, der Bankside Power Station eröffnet. 2001 gewannen die Architekten den renommierten Pritzker-Preis – er gilt als Nobelpreis für Architektur.RMSViel Erfahrung haben Herzog & de Meuron im Bau von Stadien. 1998 bis 2001 bauten sie den St.-Jakob-Park in Basel. Der kristallförmige Turm kam im Zuge der Erweiterung für die EM 2008 dazu. Wikimedia/CC/Sven ScharrRMSMit der Allianz Arena in München ersetzten die Basler das berühmte Olympiastadion als Heimstätte der Bayern. Die Arena schwebt wie ein UFO über den Feldern von Fröttmaning. Wikimedia/CC/Poco a pocoRMSViel Kritik gab es indes für den Bau des «Vogelnestes» für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Menschenrechtler prangerten die Zusammenarbeit mit dem Regime an und Chinesen sahen im Projekt den Missbrauch Chinas als Experimentierfeld. Herzog & de Meuron planten das Stadion zusammen mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Wikimedia/CC/Peter23RMSGar als Skandalprojekt gilt inzwischen die Elbphilharmonie in Hamburg. Das seit 2007 im Bau befindliche Konzerthaus sollte eigentlich 77 Millionen Euro kosten und 2010 eingeweiht werden. Inzwischen ist die Eröffnung auf 2017 verschoben worden und die voraussichtlichen Kosten betragen rund 800 Millionen Euro.RMSDas 2008 eröffnete CaixaForum in Madrid ist ein eher kleineres Projekt der Basler Architekten. Mit einem Preis von 60 Millionen Euro blieben sogar die Kosten für einmal im Rahmen.RMSStilmässig decken Herzog & de Meuron eine grosse Bandbreite ab. Die Prada Boutique in Tokio aus dem Jahr 2003 weicht beispielsweise stark ab vom Minimalismus vieler anderer Projekte. Bilder: KeystoneRMS