Das sagt die Presse zu Didier Burkhalters Abschied
Die Ankündigung kam überraschend: Didier Burkhalter will nicht mehr Bundesrat sein. Führungsschwach, scheu – stilsicher, ehrlich: Der Neuenburger glänzte vor allem auch beim Spagat.
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Diese Politiker könnten Bundesrat Burkhalter beerben:Die Genfer FDP schickt für die Nachfolge von Didier Burkhalter Pierre Maudet (Mitte) ins Rennen. Die Delegierten der Kantonalpartei nominierten den 39-jährigen Genfer Staatsrat mit Akklamation. Maudet ist ein politischer Senkrechtstarter und gilt als Winner-Typ. Bereits mit 21 Jahren zog er ins Genfer Stadtparlament ein und schaffte 2007 mit 29 Jahren den Einzug in die Stadtregierung. 2012 wurde er in die Kantonsregierung gewählt.RMSIgnazio Cassis ist der Kandidat der Tessiner FDP im Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter. Die Parteibasis sicherte ihm bei einer ausserordentlichen Versammlung ihre Unterstützung zu.RMSJacqueline de Quattro: Sie wäre eine weitere Option, stammt aber auch aus dem Kanton Waadt wie Bundesrat Parmelin. Die Waadtländer Staatsrätin hatte sich am 22. Juli ins Spiel gebracht und aber auch angekündigt, ....RMS... Isabelle Moret den Vortritt zu lassen. Waadtländer FDP-Nationalrätin hat ihre Ambitionen auch bereits angemeldet. Moret sitzt seit 2006 für die FDP Waadt im Nationalrat. Sie ist Mitglied der staatspolitischen Kommission und der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Seit 2016 präsidiert sie den Spitalverband H+. Zudem war sie von 2006 bis 2016 Vizepräsidentin der FDP Schweiz.RMSAuch Absagen gab es bereits:Christian Lüscher: Der undurchsichtige Potentaten-Anwalt aus Genf ist für die Linke kaum wählbar. Er wollte schon einmal Bundesrat werden, war aber gegen Didier Burkhalter chancenlos. Nun lässt er sich nicht erneut aufstellen. Teil seiner Begründung: Er fühle sich auch eher als Mann der Legislative als der Exekutive.RMSNationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR) strebt nicht die Nachfolge von Didier Burkhalter im Bundesrat an. Der Direktor des Schweizer Bauernverbands will sich «zu 200 Prozent» in der Kampagne zur Volksabstimmung am 24. September über die Ernährungssicherheit engagieren.Bilder: Keystone / Quelle: sdaRMS
Mit dem Rücktritt von FDP-Bundesrat und Aussenminister Didier Burkhalter am Mittwoch ist dem Politiker eine Überraschung gelungen. Die Kommentatoren sind sich aber einig, dass dieser überraschende Rückzug einer der wenigen Höhepunkte von Burkhalters Amtszeit war.
«Neue Zürcher Zeitung»:
«Gut, liefert der FDP-Mann ganz zum Ende seiner Amtszeit doch noch einen Moment, der für Aufsehen sorgt. Burkhalter war angetreten, die Kollegialbehörde Bundesrat zu stärken. Zusammen mit anderen ist ihm das gelungen. ... Nur, mit Kollegialität allein ist es nicht getan. Es muss auch geliefert werden, und zwar inhaltlich wie in der politischen Kleinarbeit, wenn es darum geht, Mehrheiten für die eigenen Ideen zu zimmern. In beiden Punkten vermisste man Burkhalters Gestaltungskraft sehr.»
«Tages-Anzeiger»:
«Es fällt schwer, diesem technokratischen, öffentlichkeitsscheuen, vielleicht unbekanntesten Bundesrat der letzten zwei Jahrzehnte gerecht zu werden. Nach der erratischen Ära von Micheline Calmy-Rey (SP) brachte Burkhalter eine gewisse Beruhigung in die Schweizer Aussenpolitik, was ihr fraglos gut bekam. Doch seine Versäumnisse im wichtigsten seiner Dossiers lassen sich nicht wegdiskutieren. Die fast mit Händen greifbare Orientierungslosigkeit der Landesregierung in der Europapolitik ist schwergewichtig dem führungsschwachen Aussenminister anzulasten.»
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«Der Bund»:
«Obwohl ein Berufspolitiker, war der Neuenburger nicht mit Haut und Haaren Politiker. Hinstehen und lustvoll für seine Sache kämpfen, die Dinge hundertmal erklären, Skeptiker umgarnen, Kritikern charmieren ... das behagte dem zurückhaltenden Freisinnigen nicht. Es schien, als habe sich Didier Burhalter als Bundesrat gar nie richtig wohlgefühlt.»
«Blick»:
«Didier wer? Noch nach Jahren schien FDP-Bundesrat Didier Burkhalter nicht in seinem Amt angekommen zu sein ... auf dem internationalen Parkett machte Burkhalter einen guten Job. Er versäumte es leider nur, seine Aussenpolitik im Inland zu erklären. Im Bundesrat manövrierte er sich ins Abseits, weil er an einem institutionellen Rahmenabkommen mit der EU festhielt, das keiner mehr will.» «Frieden in der Welt zu vermitteln, das war ein echtes Anliegen von Burkhalter. Man merkte es ihm an: Die Schicksale der Menschen, die unter dem Krieg litten, gingen ihm nahe.»
«Basler Zeitung»:
Die «Basler Zeitung» beschreibt Burkhalter als scheuen Staatsmann. «In den rauer werdenden Zeiten von Trump wirkt Didier Burkhalter wie ein Mensch aus einer anderen Epoche: höflich, fein, intelligent und sensibel, ohne Frage integer, nie zu laut, vielleicht ab und an etwas zu leise, in der Regel gut gestimmt, aber nie euphorisch. ... Freiwillig – auch wenn er das am Mittwoch fast angestrengt heiter beteuerte – dürfte dieser Rücktritt nicht gewesen sein. In der EU-Frage kam er nicht mehr weiter».
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«Aargauer Zeitung»:
«Bundesrat Didier Burkhalter erklärte gestern, er habe Lust auf etwas Anderes. ...Und das zu einem Zeitpunkt, da ganz Bundesbern darauf wartet, wie der bilaterale Weg mit der EU weitergeführt werden soll. ... Seit vier Jahren versprüht er Optimismus, das Abkommen sei auf gutem Weg. ... Nun geht er unverrichteter Dinge: ohne die politische Auseinandersetzung gesucht, ohne für seine Herzensangelegenheit gekämpft zu haben.»
«Le Temps»:
Didier Burkhalter habe eigentlich nie Bundesrat werden wollen. Er zögerte nach dem Rücktritt von Pascal Couchepin. Und er zögerte auch, während seiner Amtszeit sein Verhalten zu ändern. So sei er immer ein Getriebener geblieben.
«La Tribune de Genève»:
Für die Zeitung «La Tribune de Genève» hat der Chef des Aussendepartements immer mit dem Spagat gekämpft, eine öffentliche Person im Rampenlicht zu sein und die damit verbundenen Einschränkungen zu akzeptieren. Er habe zwar mit Energie, Stil und Ehrlichkeit regiert, aber die politische Bühne ohne viel Charisma und ohne zwingenden Grund verlassen. Er wurde immer unsichtbarer, bis er schliesslich völlig verblasste.