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Start-up

Ava: Es war ein Notverkauf

Gewinne gab es nie, zwei Finanzierungsrunden platzten, am Schluss ging das Geld aus: Das Ende von Ava ist deutlich weniger heroisch als dargestellt.

Marc Kowalsky

SCHWEIZ LEA VON BIDDER
Der Fruchtbarkeitstracker mit Armband und App richtet sich an Frauen mit Kinderwunsch und ist das einzige Produkt, das Ava unter CEO Lea von Bidder (l.) entwickelt hat. Keystone

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In der Start-up-Szene hatte es sich schon seit Wochen herumgesprochen, Ende Juli wurde es dann offiziell: Ava, lange Zeit eines der hoffnungsvollsten Schweizer Jungunternehmen, wird zu einem unbekannten Preis übernommen durch die amerikanische FemTec Health. Über den Verkauf eines «europÀischen Vorzeigeunternehmens» jubelte die Presse, die «NZZ» rÀumte für ein Interview mit der Co-Gründerin und langjÀhrigen CEO Lea von Bidder gleich eine Dreiviertelseite frei.
Β«Jedes MΓ€rchen hat ein Ende. Und jedes erfolgreiche Start-up hat im besten Fall einen erfolgreichen ExitΒ», hiess es an anderer Stelle. Das freilich ist nur die halbe Wahrheit. Die andere, deutlich weniger schΓΆne HΓ€lfte: Ava befand sich seit Jahren in Schwierigkeiten. Denn der Hersteller von ArmbΓ€ndern zur Messung der Fruchtbarkeit hatte zwar in mehreren Finanzierungsrunden (zuletzt 2018) insgesamt 42,4 Millionen Franken an Venture Capital eingesammelt, konnte aber nie Gewinne einfahren. Erstmalig ins Trudeln geriet Ava zu Beginn der Corona-Krise im MΓ€rz 2020, als eine geplante Finanzierungsrunde platzte.
Durch die Herausgabe eines Convertible verschaffte man sich zwar etwas Luft zum Atmen, dennoch waren harte Einschnitte unvermeidlich: Ava trennte sich von insgesamt 40 der damals 100 Mitarbeiter. Trotz Sparkurs hΓ€tte das Kapital von Ava nur noch bis etwa Ende dieses Jahres ausgereicht. Die neue VR-PrΓ€sidentin Barbara StΓ€helin, seit Herbst im Amt, gleiste daher fΓΌr diesen April eine neue Finanzierungsrunde auf. Doch diese scheiterte, als wegen Ukraine-Krieg, Inflation und RezessionsΓ€ngsten die Tech-Aktien abstΓΌrzten. Und eine weitere Ausgabe von Convertibles als BrΓΌckenfinanzierung schien den knapp 100 Investoren, die rund drei Viertel der Ava-Aktien halten, zu riskant.

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Somit blieb nur noch der Verkauf: Die Kontakte zu FemTec Health, die als stategischer Investor gilt und mit ihrer Grâsse bessere Überlebenschancen haben dürfte, waren seit Langem vorhanden. Die Übernahme ist ein Aktientausch, Cash fliesst in dem Deal nicht. Auch wenn ihn die grosse Mehrheit der Investoren angesichts der ausweglosen Lage unterstützte, sind viele nur mÀssig zufrieden mit dem Exit. «Er war nicht toll, aber er war auch nicht grottenschlecht», sagt einer von ihnen.
Β«Die ganze Firma hat sich sicher etwas anderes erhofftΒ», ein anderer. Auf der Erfolgsseite verbucht werden kann die Tatsache, dass der neue EigentΓΌmer den zuletzt noch 50 Angestellten die WeiterbeschΓ€ftigung angeboten hat, was aber nicht alle angenommen haben. Auch Lea von Bidder nicht. Sie will, so hΓΆrt man, jetzt erst mal eine lΓ€ngere Auszeit nehmen und sich danach neuen Start-up-Projekten zuwenden.

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