Guten Tag,
Ein Broker, ein Angreifer und viele Profiteure - wie die Bank am Bellevue zur Drehscheibe einer Firmenattacke wurde.
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Der Gegner hatte Ass und KΓΆnig, er nur Ass und Dame: Am 8.βMai um 22.40 Uhr war der diesjΓ€hrige Grand Final der European Poker Tour in Madrid fΓΌr Dieter Albrecht zu Ende. Β«Den Schweizern geht hier langsam die Puste ausΒ», ist im PokerStarsBlog nachzulesen, Β«Dieter Albrecht verlor einen grossen Pot und musste seinen Stuhl rΓ€umen.Β»
Pokern ist die Leidenschaft von Dieter Albrecht, GrΓΌndungsmitglied der Bank am Bellevue. Der Banker gehΓΆrt zur Top-Gruppe der internationalen Pokergemeinschaft. In Turnieren wie in Madrid β Buy-in-Summe: 10β600 Euro β wird um hohe BetrΓ€ge gespielt. Adrenalin pur.
Um an Pokerturniere zu reisen, meldet er sich regelmΓ€ssig fΓΌr einige Tage von seinem Job bei der Bank ab. Als GrossaktionΓ€r der Bank β Albrecht hΓ€lt 6,37 Prozent an der Bellevue Group β ist er lΓ€ngst zum reichen Mann geworden. Doch der 50-JΓ€hrige war immer auch an der Front tΓ€tig: die letzten eineinhalb Jahre als Privatkundenberater, zuvor lange als Broker, also als Makler fΓΌr Wertpapiere, fΓΌr eine exklusive Klientel. Einer der Kunden: Giorgio Behr, Unternehmer und Investor aus Schaffhausen.
Wie wechselhaft das GlΓΌck sein kann, hat Albrecht zuletzt nicht nur am Pokertisch erfahren β auch fΓΌr seine Bank steht derzeit viel auf dem Spiel. Die Bank am Bellevue ist in den Fokus der Finanzmarktaufsicht (Finma) geraten. Am 14.βMΓ€rz publizierte diese eine VerfΓΌgung, in der sie der Bank vorwirft, Giorgio Behr aktiv beim heimlichen Aufbau eines grossen Aktienpaketes am Thurgauer Schleifmittelhersteller Sia Abrasives unterstΓΌtzt zu haben. Dies, indem die Bank Aktien von Sia fΓΌr Behr Β«geparktΒ» habe β bei Freunden und Vertrauten. Dadurch habe der Firmenangreifer unter Missachtung der Meldepflicht auf einen Schlag 22 Prozent der Aktien sammeln kΓΆnnen. Als Dreh- und Angelpunkt des Ganzen hat die Finma den fΓΌr Behr zustΓ€ndigen Broker identifiziert: Poker-Crack Dieter Albrecht.
Angesichts schwerer MΓ€ngel in den Organisations- und GewΓ€hrspflichten droht die Finma der Bank nun im Wiederholungsfalle mit der Schliessung. Die Bank weist den Vorwurf von sich und hat Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.
Auch wenn die abschliessende juristische Bewertung noch aussteht, manifestiert der Fall doch exemplarisch, wie unzimperlich und handfest es in der Schweizer Finanzwelt zugeht. Der Kampf um Sia wirft ein schlechtes Licht auf fast alle Protagonisten: ZunΓ€chst auf die Bank am Bellevue, deren Akteure den Eindruck machen, sie lebten noch in Zeiten des GrΓΌndungsfiebers der neunziger Jahre, als schnelle Deals unter Vertrauten die Regel waren. Aber auch auf Firmenangreifer Giorgio Behr, der sich Unternehmer nennt, aber wie ein Raider vorgeht. Auf Freunde und Vertraute, die als Trittbrettfahrer mitverdienen. Auf das Sia Management, das seine PfrΓΌnde schΓΌtzt und sich einigelt. Und nicht zuletzt auch auf die Finma, die in diesem heiklen Fall mit Verfahrensfehlern patzt.
1.βAkt: Die Vorbereitung. KΓΌsnacht, β¨Firmensitz der Bank am Bellevue, β¨November 2007
Ihren Anfang nimmt die Geschichte am Firmensitz der Bank am Bellevue, idyllisch am Ufer des ZΓΌrichsees gelegen. Das ehemalige IndustriegebΓ€ude mit seinem grossen Kamin ist heute WirkungsstΓ€tte von knapp hundert Bankern.
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Auch Dieter Albrecht ist in diesen Tagen im Herbst 2007 oft im BΓΌro anzutreffen. SpezialitΓ€t der Bank ist der Blockhandel in Schweizer Aktien, also die Vermittlung grΓΆsserer Pakete von Wertpapieren. In diesem Business mit institutionellen Investoren und vermΓΆgenden Privatkunden, das auf einem engen persΓΆnliche Netzwerk und Vertraulichkeit basiert, sind Erfahrung und GespΓΌr gefragt. Albrecht ist seit ΓΌber zwanzig Jahren im Business β und er gilt wegen seines Instinkts fΓΌr die MΓ€rkte als einer der besten Vertreter seiner Gattung. Allerdings hat er seine Arbeitszeit zuletzt etwas reduzieren mΓΌssen. Er β¨leidet an Parkinson, einer langsam fortschreitenden neurologischen Erkrankung, und muss sich deswegen wiederholt Ruhephasen gΓΆnnen.
In der Bank gehΓΆrt er zur Crew der alten KΓ€mpen aus der GrΓΌnderzeit. Als Studienfreund von Bellevue-Group-CEO Martin Bisang zΓ€hlt er zum innersten Kreis. Die Freundschaft wuchs unter anderem am Pokertisch, haben die Kommilitonen doch wΓ€hrend der Uni-Zeit nΓ€chtelang zusammen gezockt. Als Bisang 1993 zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Ernst MΓΌller-MΓΆhl sowie den Freunden und Bankerkollegen Hans-JΓΆrg Graf, JΓΌrg SchΓ€ppi und Daniel Schlatter die Bank am Bellevue grΓΌndete, war Albrecht mit im Boot.
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Zu den Mitstreitern der frΓΌhen Stunde gehΓΆrt auch Giorgio Behr. Bisang war bei der GrΓΌndung 1993 auf Behr zugegangen, um einen industrieerfahrenen Verwaltungsrat an Bord zu holen. Von 1998 bis im Mai 2008 sass Behr im Verwaltungsrat der Bellevue Holding β also auch in der Zeit, als das Sia-Paket aufgebaut wurde. Zudem war der MultimillionΓ€r auch Kunde. Einer, den MitgrΓΌnder Albrecht sehr engagiert betreut.
Am 15.βNovember 2007 um 14.25 Uhr schickt Dieter Albrecht an Giorgio Behr eine E-Mail mit einer Β«Liste der grΓΆssten Publikumsfondsholder von SiaΒ». Es sollte nur eine von vielen Mails in Sachen Sia sein, mit denen Albrecht Behr bis im FrΓΌhling 2008 eindeckt. Mit seinen Mails wird Albrecht noch fΓΌr einigen Γrger sorgen. Denn fΓΌr die Finma sind diese spΓ€ter Indizien fΓΌr den Vorwurf des heimlichen Anschleichens an Sia.
Eine Liste mit den grΓΆssten AktionΓ€ren zeigt, wie die Aktienpakete verteilt sind. NΓΌtzliche Informationen fΓΌr einen kommunen Investor β unerlΓ€ssliche aber fΓΌr jeden, der sich gross in eine Firma einkaufen will. Was die Finma bei der spΓ€teren Untersuchung allerdings nicht findet, ist ein konkreter Auftrag von Behr an die Bank, diese Liste zusammenzustellen. Ging der Anstoss also von Albrecht aus?
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Einen Kunden mit Telefonanrufen oder Mails zu Transaktionen zu bewegen, gehΓΆrt zum Daily Business eines Brokers, der Blockhandel betreibt. FΓΌr die Bank springen Kommissionen heraus, fΓΌr den Kunden β wenn der Tipp aufgeht β ein Investitionsgewinn. Besonders lukrativ sind solche Deals, wenn die Bank mehr weiss als der Markt β wenn sie etwa weiss, was andere Investoren planen, und eventuell sogar Insiderinformationen ΓΌber das Unternehmen hat. Genau dies war im Grunde stets das GeschΓ€ftsmodell der Bank am Bellevue gewesen: mit sensiblen Informationen ihr Brokerage anzukurbeln.
Sia ist eine Firma, die Gewinn versprechen kΓΆnnte. Der Kurs ist von 500 Franken auf unter 400 Franken abgesackt. Das Unternehmen aus Frauenfeld produziert mit rund 1100 Mitarbeitern Schleifsysteme. Der Kurs ist in jenen Wochen gar tief, in der Branche munkelt man lΓ€ngst, das Management sei trΓ€ge, aus Sia sei mehr zu machen.
Das ist offenbar auch die Meinung eines Mannes, der Behr besonders nahe steht: Heinrich Fischer, genannt Heini, Ex-CEO des Textilmaschinenunternehmens Saurer, wo Behr als VerwaltungsratsprΓ€sident wirkte. SpΓ€testens seit den gemeinsamen Tagen bei Saurer sind Behr und Fischer enge Vertraute. Fischer wird denn auch zum Ausgangspunkt in Sachen Sia, wie Insider berichten. Er ist es, der Behr auf Sia aufmerksam macht und ihn darauf hinweist, da schlummere verstecktes Potenzial. Behr reagiert pragmatisch: Broker Albrecht teilt er mit, Sia auf die Watchlist zu nehmen. Sollte der Kurs unter eine gewisse Grenze fallen, dann wolle er eventuell einsteigen
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Im November 2007 kauft Behr 22β495 Sia-Aktien. Das sind 2,99 Prozent der Stimmrechte β also haarscharf unter der Meldegrenze. Es ist der Startschuss einer Operation, mit der Behr einige Monate spΓ€ter einen Gewinn von 36 Millionen Franken einstreichen wird.
Ob es auch Teil eines gezielten Plans war, ist ungeklΓ€rt. In der Befragung durch die Finma verneinen Behr als auch Albrecht dies. Es sei ein privates Investment gewesen, so Behr, eine Strategie in Bezug auf Sia sei nicht dahinter gestanden. Behr habe ihm gegenΓΌber die Karten nicht offengelegt, sagte Albrecht aus. Β«Durch die Information von Herrn Heini Fischer und durch den Positionsaufbau von Herrn Behr auf 2,99 Prozent wurde das Ganze fΓΌr mich zu einem Projekt, ohne dass ich damals wusste, was das Endziel des Projektes warΒ», ist in den Einvernahmeprotokollen nachzulesen.
Dennoch kommt jetzt Bewegung in die Sache. Zwischen Ende November 2007 und Ende Januar 2008 baut die Bank am Bellevue eine Position von 9,81 Prozent an Sia-Namenaktien auf. UngewΓΆhnlich viel angesichts der Bedeutung der Firma. Das Paket an Sia-Aktien wird im Dispobestand der Bank gehalten.
Die Mails an Behr werden nun konkreter. Am 24.βJanuar 2008 abends um 17.04 Uhr schickt Albrecht eine Mail an Giorgio Behr: Β«3*3 % TierschΓΌtzer done β still more @350 available.Β» Im Broker-Jargon heisst das, dass drei Pakete Γ drei Prozent unter Dach und Fach sind. Weitere Aktien zum Kaufpreis von 350 Franken wΓ€ren auftreibbar.
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Β«TierschΓΌtzerΒ» ist der Codename fΓΌr Sia. GewΓ€hlt hat ihn Behr, der dafΓΌr bekannt ist, seine Projekte mit mysteriΓΆsen Bezeichnungen zu versehen. Am nΓ€chsten Morgen legt Albrecht nach. In seiner Mail vom 25.βJanuar 2008, 10.05 Uhr, an Behr heisst es: Β«TierschΓΌtzer jetzt total 6*2,9 % (habe aber noch nicht alle Titel).Β»
Mit dieser Mail wird die Sache fΓΌr die Finma endgΓΌltig verdΓ€chtig. Von sechs Paketen ist die Rede, jedes knapp unter der Meldeschwelle von drei Prozent und daher nicht sichtbar β zusammengefΓΌhrt in einer Hand wΓΌrde dies fast 18 Prozent ergeben. Eine Summe, mit der man Sia schon fast im Sack hΓ€tte. Denn eine Analyse von PrΓ€senz und Abstimmungsverhalten an bisherigen Sia-Generalversammlungen zeigt, dass Stimmrechte von rund 23 Prozent genΓΌgen, um das Aktionariat zu dominieren. Diesen Sachverhalt sollte Albrecht seinem Kunden spΓ€ter in einer Mail mitteilen.
Auch auf diese Mail antwortet Behr nicht. Wiederum stΓΆsst die Finma auch auf keine schriftliche Vereinbarung und keine Telefonnotiz, mit der sich eine ΒAktivitΓ€t von Behr nachweisen liesse.
Ab Anfang Februar 2008 erhΓ€lt die Sache Dynamik: WΓ€hrend die Bank weiter zukauft, werden schrittweise Pakete aus dem Dispobestand der Bank am Bellevue an verschiedene Personen ausgelagert. Auffallend viele davon stehen in Beziehung zu Behr.
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Am 6.βFebruar 2008 sinkt der Anteil Sia-Aktien im Dispobestand der Bank am Bellevue um 22β495 Aktien β genau 2,99 Prozent. Diese Aktien werden im Namen der Grapal Holding AG registriert. PrΓ€sident mit Einzelunterschrift ist kein Geringerer als Hans-JΓΆrg Graf, GrΓΌndungsmitglied und nach Bisang mit 9,19 Prozent der zweitgrΓΆsste Teilhaber der Bank am Bellevue.
Am 14.βMΓ€rz werden 2000 Aktien auf den Namen der Drusatsch Finanz AG eingetragen. VR-PrΓ€sident ist Robert Heberlein. Der Gatte von Ex-FDP-StΓ€nderΓ€tin Trix Heberlein ist nicht nur ein bekannter Wirtschaftsanwalt, er war auch mehrere Jahre PrΓ€sident der Bellevue Holding. 3000 Aktien gehen an die GK-Invest in Appenzell. VR-PrΓ€sident ist GΓΌnter Kreissel. Er war bis 1998 Verwaltungsrat von Bellevue Asset Management. 1200 Aktien werden im Namen von JΓΆrg Ruff, Kadetten Investment Pool, registriert. PrΓ€sident des Handballclubs Kadetten Schaffhausen ist Giorgio Behr.
Wie heikel der Deal mit dem Einbezug verschiedener Personen aus dem engsten Umfeld der Bank geworden ist, hΓ€tte Albrecht eigentlich bewusst sein mΓΌssen. Er liefert damit der Finma eine Steilvorlage fΓΌr den Vorwurf des Β«ParkierensΒ».
Umso mehr, als die Aufsicht davon ausgehen muss, dass zwischen Behr und den Bellevue-Bankern auch informell so einige Informationen geflossen sind. Schliesslich hat man im vertrauten Umfeld von Gleichgesinnten so manche Schlacht zusammen geschlagen β und dabei ordentlich Geld verdient. Beim Deal mit Metalor vor einigen Jahren etwa, als Bisang, Behr und andere Vertraute zusammen 55 Prozent an der Neuenburger Goldschmelzerei erwarben.
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Am 14.βMΓ€rz 2008 unterlΓ€uft der Bank am Bellevue ein peinlicher Fehler, infolgedessen Investor Behr in Sachen Sia beinahe geoutet wird. An diesem Tag erfolgen zwei Eintragungen im Aktienregister: 22β495 (2,99 Prozent) im Namen von Giorgio Behr und 600 (0,08 Prozent) im Namen von Giorgio Behr. Damit hat Behr 3,07 Prozent und eigentlich die Meldeschwelle ΓΌberschritten. Dass die BΓΆrsenmeldestelle dennoch nichts davon erfΓ€hrt, liegt daran, dass er den Eintrag umgehend korrigieren und die Aktien auf den Kadetten Investment Pool registrieren lΓ€sst. Β«Ein Fehler der BankΒ», so Behr spΓ€ter lakonisch.
In seiner Euphorie produziert Albrecht in jenen Wochen weitere E-Mails, die der Finma verdΓ€chtig erscheinen. Etwa jene vom 15.βJanuar an MitgrΓΌnder JΓΌrg ΒSchΓ€ppi: Β«Willst du da dabei sein oder willst du lieber von nichts wissen?Β» Albrecht erklΓ€rt spΓ€ter, damit sei nicht Sia, sondern ein anderes mΓΆgliches Projekt von Giorgio Behr gemeint, nΓ€mlich der Aufbau eines Industriekonglomerats im Sinne einer GE Europa. SchΓ€ppi taucht nicht als Investor in Sachen Sia auf.
Wiederholt hΓ€lt Albrecht auch seinen CEO Martin Bisang in Sachen Behr auf dem Laufenden. Vereinzelt mit dem Vermerk versehen: Β«Strictly confidentialΒ». Auch Bisang spielt keine aktive Rolle, zeigt aber andererseits wenig Bestreben, den Deals ein Ende zu setzen. Die PassivitΓ€t des Chefs erstaunt Beobachter in der Branche. Β«Ich verstehe nicht, warum er seinen an sich guten Ruf ohne Not aufs Spiel gesetzt hatΒ», sagt ein Investor. ΒBisang hΓ€tte die heiklen Deals mit Behr Β«unbedingt unterbinden mΓΌssenΒ».
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Andererseits: Albrechts Wirken zeigt auf den ersten Blick wenig andere Merkmale als jene Brokerage-Aktionen, welche die Bank am Bellevue seit der GrΓΌndung betrieben hat. Solche Deals waren vielleicht mitunter in der NΓ€he des rechtlichen Graubereichs, aber doch nicht verboten β und was nicht explizit verboten ist, gilt als erlaubt. Sollte die Bank am Bellevue ihr GeschΓ€ftsmodell, mit dem die GrΓΌnder um Bisang reich geworden sind, beerdigen?
An der Bank muss vorbeigegangen sein, dass sich die Zeiten geΓ€ndert hatten. Nach 2007 wurde β unter dem Eindruck mehrerer feindlicher Γbernahmen β die Gesetzgebung in der Schweiz verschΓ€rft, etwa mit der Senkung der Meldepflichtgrenze von fΓΌnf auf drei Prozent. Parallel dazu stieg auch die SensibilitΓ€t der AufsichtsbehΓΆrden. Sie wirken heute nΓ€her am Vorbild der amerikanischen BΓΆrsenaufsicht SEC. Im Aufsichtsrecht kann generell schneller zu Strafen geschritten werden als im Strafrecht, wo stets Β«im Zweifel fΓΌr den AngeklagenΒ» gilt. Wenn es zu viele ZufΓ€lle gibt, wenn eine Indizienkette bei nΓΌchterner Betrachtung keinen anderen Schluss zulΓ€sst, dann genΓΌgt das fΓΌr die Aufsicht als BeweisfΓΌhrung.
Da ist jeder gut beraten, vom Graubereich deutlich Abstand zu halten.
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WΓ€hrend in ihrem Aktienregister namhafte Mutationen stattfinden, ahnen die Chefs von Sia offenbar nichts vom Sturm, der sich ΓΌber ihren KΓΆpfen zusammenbraut. So kommt es denn auch zu einem freundlichen Treffen zwischen Bellevue-Bankern und Sia-ReprΓ€sentanten. Am 20.βMΓ€rz macht Albrecht zusammen mit seinem Brokerkollegen Bruno Teta bei Sia Abrasives einen Β«Research-BesuchΒ». Die beiden treffen Roland Eberle, den CEO, und Gerhard Mahrle, den Finanzchef. Der Eindruck, den das Management ΓΌber Sia vermittelt, scheint nicht der beste gewesen zu sein. Der Eindruck, es bestehe Potenzial fΓΌr Verbesserungen, bestΓ€tigt sich. Und einer sollte bald zum grossen Kauf ansetzen: Giorgio Behr.
2.βAkt: Die Attacke. Villmergen, Sitz von Behr Bircher Cellpack, β¨MΓ€rz 2008
Der in Villmergen ansΓ€ssige Industriekonzern Behr Bircher Cellpack von Giorgio Behr ist ein Mischkonzern mit ΓΌber 1200 Mitarbeitern, tΓ€tig in der Sensorik und der Verpackungstechnik. Vom Firmensanierer zum Unternehmer geworden war der studierte WirtschaftsprΓΌfer 1991, als er keinen KΓ€ufer fΓΌr den von ihm restrukturierten Apparatebauer Bircher fand β und deshalb die Firma selber ΓΌbernahm, zusammen mit dem Industriellen Anton Bucher-Bechtler.
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Danach baute Behr stetig weiter an seiner Industriegruppe. Auch in diesen Monaten Anfang 2008 wΓ€lzt Behr mehrere Projekte: Verkauf von Firmenteilen, Investition der mΓΆglicherweise frei werdenden Mittel in den Apparatebauer Ascom, Kauf mΓΆglicher Beteiligungen und so weiter β viele Optionen sind offen.
Freie Mittel von 130 Millionen fliessen ihm schliesslich aus dem Verkauf einer Tochtergesellschaft zu. Weil andere Verhandlungen scheitern, vor allem auch die 100-Millionen-Investition bei Ascom, steht Behr am Ende all seiner Planspiele mit einer vollen Kasse, aber nur noch wenigen ΓΌbrig gebliebenen Projekten da. Eines davon: TierschΓΌtzer.
Am 26.βMΓ€rz kommt es in Sachen Sia zu einem wichtigen Treffen. Behr kontaktiert Peter Lehner, Manager des Anlagefonds SaraSelect. Dieser Fonds ist mit 8,4 Prozent der Stimmen der mit Abstand grΓΆsste AktionΓ€r von Sia. Als grosser institutioneller Anleger ist er in seinem Anlageentscheid unabhΓ€ngig. Lehner ist mit seinem Paket bei Sia nicht mehr glΓΌcklich, zeigt Zweifel an der Investitionsstrategie von Sia. Behr signalisiert Lehner, er wolle sich als Ostschweizer Unternehmer engagieren. Die Anfrage von Behr kommt fΓΌr Lehner offenbar in einem guten Moment. Die Finanzkrise hat viele Investoren unter Druck gesetzt, LiquiditΓ€t ist wichtig.
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So kommen die beiden zum Handschlag. Lehner verkauft Behr mit 3,8 Prozent den bisher grΓΆssten Brocken im Spiel um Sia β und ermΓΆglicht dem Projekt TierschΓΌtzer den Quantensprung. Bei Behrs spΓ€terem Angriff auf den Kunststoffproduzenten Quadrant wird Lehner wieder an Behrs Seite stehen.
Bei Sia muss es nun Schlag auf Schlag gehen, denn damit kann sich Behr nicht mehr unter der Meldeschwelle verstecken. Und der Investor geht auf tutti.
FΓΌr Banker Albrecht brechen nun arbeitsame Tage an, denn nach und nach mΓΌssen Aktienpakete von bisherigen Investoren zu Behr wechseln β der BlockhΓ€ndler ist in seinem Element. Zwei weitere institutionelle Investoren, die Unfallversicherungsanstalt Suva und die Nationale-Suisse-Versicherung, Durchlaufkunden, welche die Bank als Broker betreut, verkaufen ihre Pakete β mit 2,8 Prozent und 2 Prozent sind dies auch wichtige Brocken.
Doch auch in die Pakete der Β«Friends und FamilyΒ» kommt Bewegung. Am 28.βMΓ€rz etwa werden die 22ββ495 Aktien von Bellevue-MitgrΓΌnder Hans-JΓΆrg Graf und anderen, kleineren Investoren aus dem Aktienregister ausgetragen und gleichentags 23β400 Aktien fΓΌr Behr Bircher Cellpack und 2605 Aktien fΓΌr Giorgio Behr im Aktienregister eingetragen. Die Aktien von der GK-Invest von Ex-Bellevue-Asset-Management-Verwaltungsrat GΓΌnter Kreissel wechseln ebenso die Hand wie jene von Ex-Bellevue-Holding-PrΓ€sident Robert Heberlein oder jene des Kadetten Investment Pool. Auffallend: Mehrere Investoren zeigen bezΓΌglich Ein- und Ausstieg ein Parallelverhalten.
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Wie heikel der Deal auch in dieser Hinsicht in den Augen eines Regulators aussehen muss, ist offensichtlich. In der Tat machen die reibungslosen VerkΓ€ufe der Pakete von den Vertrauten den Eindruck, bislang Β«parkierteΒ» Positionen wΓΌrden nun einfach Β«abgerufenΒ» β und Behr ΓΌbertragen. Zum Beispiel kommen am 3.ββApril mehrere Aktienpakete zurΓΌck zur Bank am Bellevue von exakt denselben Parteien, denen die Bank exakt dieselben Pakete vier Wochen zuvor verkauft hat. Eine dieser Parteien ist etwa Kreissels GK-Invest.
Dass er sich der Problematik bewusst war, zeigt die Mail von Albrecht an Behr vom 25.βMΓ€rz, 10.45 Uhr, in der er vor allzu naheliegenden Verbindungen warnt: Β«Toni/Heini sind suboptimale LΓΆsungen mit Gefahr dass diese in deine NΓ€he gebracht werden.Β» Mit Toni ist Anton Bucher-Bechtler gemeint, der Partner von Behr beim Kauf von Bircher, Heini bezieht sich auf Heini Fischer, den Freund aus gemeinsamen Saurer-Zeiten.
Am 1.βApril meldet Behr auf einen Schlag 22 Prozent an Sia. Am Abend geht die Meldung des Grosseinstiegs von Behr ΓΌber den Ticker. Broker Albrecht reagiert auf seine Weise auf die frohe Nachricht β er schickt eine E-Mail an Martin Bisang, Hans-JΓΆrg Graf und weitere Exponenten der Bank: Β«Heute nach BΓΆrsenschluss/ man darf ΓΌber die wunderbare Harmonie schmunzeln!Β»
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3.βAkt: Der Streit. β¨AutobahnraststΓ€tte Thurau, β¨MΓ€rz 2008
Die Ostschweizer AutobahnraststΓ€tte Thurau ist ein wenig einladender Ort. Am 29.βMΓ€rz um sieben Uhr frΓΌh, an einem kΓΌhlen Morgen, trifft sich hier Giorgio Behr mit Sia-PrΓ€sident Peter Schifferle. Am Tag zuvor, Schifferles 64.βGeburtstag, hat ihn Behr angerufen und ihm mitgeteilt, dass er Sia-Aktien in grΓΆsserem Stil gekauft habe. Seine wie ΓΌblich zum Geburtstag geplante Woche Golfurlaub stellt Schifferle zurΓΌck.
An der RaststΓ€tte kommt Behr schnell auf den Punkt: Er wolle stΓ€rkster AktionΓ€r bei Sia werden. Der PrΓ€sident freut sich, dass die verwundbare Sia einen neuen AnkeraktionΓ€r bekommen sollte. Per Handschlag verabschiedet man sich.
DarΓΌber, was des Weiteren besprochen wurde, herrscht Uneinigkeit. GemΓ€ss ΒGiorgio Behr wurde verabredet, dass er 30 bis 32 Prozent der Aktien kaufen wolle, zwei von fΓΌnf Sitzen im Verwaltungsrat, inklusive des PrΓ€sidentenamtes, besetzen wolle und Sia an der BΓΆrse bleiben solle. GemΓ€ss Peter Schifferle sprach Behr von maximal 20 Prozent, Γ€usserte keine Ambitionen auf einen Sitz im Verwaltungsrat und bekam zudem eine klare Ansage, dass die bei Sia gΓΌltige StimmrechtsbeschrΓ€nkung von fΓΌnf Prozent auch bei ihm angewandt werde. Enge Beobachter schliessen heute nicht mehr aus, dass es Β«tatsΓ€chlich ein komplettes MissverstΓ€ndnis zwischen Behr und Schifferle gegeben haben kΓΆnnteΒ».
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Bald beginnt ein Powerplay: Sia hΓ€lt den neuen GrossaktionΓ€r auf Abstand, Behr kauft weitere Aktien zu. Er sagt spΓ€ter zur ErklΓ€rung, er habe in der Zwischenzeit zu seiner Γberraschung erkennen mΓΌssen, dass die Vereinbarungen nicht umgesetzt wΓΌrden. Β«Ich musste dann mein Investment schΓΌtzen.Β» In dieser Zwischenzeit ging es heftig zur Sache. Im Sia-Verwaltungsrat, berichtet einer von damals, habe Behr Β«uns beschimpft, als dumme Schulbuben bezeichnet und erklΓ€rt, dass er auf uns alle verzichten kΓΆnneΒ». Eine industrielle Strategie fΓΌr Sia habe Behr nie vorgestellt. Andererseits bestΓ€tigen andere Beobachter, dass Sia seinerzeit zwar gute Produkte hatte, aber Β«eine ziemlich undynamische Firma warΒ».
Γber die BΓΆrse und durch die Vermittlung weiterer Pakete durch die Bank am Bellevue steigert Behr den Anteil an Sia bis auf 38 Prozent. Im August 2008 schreitet er zur finalen Attacke: Er macht ein ΓΆffentliches Γbernahmeangebot und bietet 385 Franken pro Aktie. Die EmpΓΆrung bei den Sia-Chefs Schifferle und Eberle ist gross, denn damit wΓΌrde sich Behr die Firma zum SchnΓ€ppchenpreis sichern.
Die Sia-Oberen machen sich auf die Suche nach einem Β«weissen RitterΒ», der das belagerte Unternehmen vor dem Raider schΓΌtzen sollte. Man nimmt Kontakt mit dem Grosskunden Bosch auf. Zwei Jahre vor Behrs Angriff hatte Bosch bereits bei Sia angeklopft: Die Ostschweizer wollten allerdings nicht verkaufen, und Bosch scheute eine feindliche Γbernahme. Nun, unter den neuen Vorzeichen, nimmt Schifferle das GesprΓ€ch wieder auf. Bosch legt ein Γbernahmeangebot vor und bietet den freien AktionΓ€ren 435 Franken. Richtig Reibach aber macht Behr: Er lΓ€sst sich sein Paket mit 515 Franken pro Aktie vergolden β ein enormer Aufschlag als BlockprΓ€mie, der vielen KleinaktionΓ€ren aufstΓΆsst.
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FΓΌr Behr aber ist die Operation Β«TierschΓΌtzerΒ» aufgegangen. Bosch zahlt ihm fΓΌr seine Aktien 154 Millionen Franken β Behr macht unter dem Strich einen Gewinn von 36 Millionen Franken. Auch die Trittbrettfahrer im Pokerspiel um Sia profitieren, allerdings deutlich weniger ΓΌppig als Behr. Hans-JΓΆrg Graf verkauft seine Aktien 2,92 Prozent ΓΌber dem Einstandspreis, Robert Heberlein 3,24 Prozent. Einen hΓΆheren Schnitt erzielt die Suva mit einem Plus von 8,95 Prozent.
Andere beteiligte Investoren beklagen sich hinterher im kleinen Kreis, vom Gewinn im Vergleich zu Behr nur einen kleien Teil abbekommen zu haben. Die Freundschaft zwischen Behr und einzelnen ReprΓ€sentanten der Bank scheint sich inzwischen deutlich abgekΓΌhlt zu haben.
Sia, durch Behrs Attacke in die Arme von Bosch getrieben, verliert dafΓΌr ihre UnabhΓ€ngigkeit. Im September 2008 reicht die Sia Abrasives Holding AG Anzeige bei der EidgenΓΆssischen Bankenkommission ein, Β«betreffend Verdacht auf Meldepflichtverletzung durch Herrn Giorgio Behr et al.Β».
4.βAkt: Die Strafe: Bern, β¨Sitz der Finanzmarktaufsicht Finma, β¨November 2009
David Wyss ist einer der jΓΌngeren Beamten bei der Finanzmarktaufsicht Finma und gilt als ehrgeiziger Mann. Der Abteilungsleiter im Bereich Enforcement ist mit der UntersuchungsfΓΌhrung in Sachen Bank am Bellevue betraut. Im November 2009 erΓΆffnet die Finma aufgrund der Untersuchung bereits das zweite Verfahren in Sachen Sia: gegen Investor Giorgio Behr wegen mΓΆglicher Meldepflichtverletzungen. Einige Monate zuvor, im Juni 2009, ist bereits ein Verwaltungsverfahren gegen die Bank am Bellevue erΓΆffnet und ein Untersuchungsbeauftragter eingestellt worden. Hintergrund dafΓΌr war die Vermutung, die Bank habe Behr unzulΓ€ssigerweise beim Beteiligungsaufbau unterstΓΌtzt.
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Die von der Finma angeheuerten Untersuchungsbeauftragten β ein Team der ZΓΌrcher Anwaltskanzlei Bill, Isenegger und Ackermann β gehen ihre Aufgabe forsch an. Im Juni 2009 klopfen sie an die Pforten der Bank und begehren Einlass. Sofort machen sie sich an die Kontrolle von Akten und ComputereintrΓ€gen. In der Presse sollte spΓ€ter von einer regelrechten Β«RazziaΒ» gesprochen werden.
Laut Reglement muss der Untersuchte die Kosten der Untersuchung selber tragen. Die Anwaltskosten der Bank sollen inzwischen in die MillionenhΓΆhe gehen.SpΓ€ter mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontiert, wird der Bank klar, dass sie in der Bredouille ist. Die Finma kommt zum Schluss, Bellevue habe Behr beim heimlichen Aufbau einer Sia-Position unterstΓΌtzt, Aktien parkiert und abgerufen. Die Strafe, die folgen wird, ist hart, droht die Aufsicht doch im Wiederholungsfall mit Lizenzentzug. Erschwerend kommt hinzu, dass eine solche mΓΆgliche aufsichtsrechtliche Liquidation, der juristische Tod der Bank sozusagen, ohne VerjΓ€hrungsfrist, also auf unbestimmte Zeit, angedroht wird. Ausserdem stellt die VerfΓΌgung in keiner Weise klar, was denn genau als Wiederholungsfall gewertet wΓΌrde.
Die Bank ist dadurch faktisch unverkΓ€uflich. FΓΌr die GrΓΌnder steht ihr ΒLebenswerk auf dem Spiel.
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Derweil kΓ€mpfen sich Bisang und seine Mitstreiter durch schwere Zeiten. In der Branche ist es ΓΌblich, dass einzelne institutionelle Kunden die Zusammenarbeit mit einer Bank auf Β«freezeΒ» setzen, wenn sie im Clinch mit der Aufsicht liegt. Gemeint ist, dass die Compliance-Verantwortlichen ihren Portfoliomanagern auftragen, die Bank zu meiden und auf andere Broker zu setzen, bis die Sache geklΓ€rt ist. Im ohnehin durch die lauen MΓ€rkte gedrΓΌckten Brokerage-Business ein gewichtiger Nachteil.
Angesichts der Bedeutung des Falles fΓ€llt auf, wie schludrig die Finma teilweise vorgegangen ist β und so selber AngriffsflΓ€che bietet. So ist der Tonfall, den sie in der VerfΓΌgung wΓ€hlt, in Rechtsschriften unΓΌblich und wirkt unprofessionell. In der VerfΓΌgung finden sich Wendungen wie Β«schaltete und walteteΒ» oder Β«TΓΌr und Tor ΓΆffnenΒ». Zudem treten Verfahrensfehler auf. Wichtige Zeugen wurden bis heute nicht einvernommen, Sia-GrossaktionΓ€r Peter Lehner von SaraSelect etwa, der mit dem Verkauf von 3,8 Prozent Behr den grΓΆssten Brocken lieferte.
Generell herrscht bei der Bank der Eindruck vor, Entlastungszeugen seien zu wenig stark einbezogen worden. Dem Ganzen liegt ein struktureller Mangel zugrunde: In aufsichtsrechtlichen FΓ€llen wie diesem sind die untersuchende und die strafende BehΓΆrde dieselbe.
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Schon frΓΌh reichte die Bank in dieser Teilfrage Beschwerde ein und bekam letztes Jahr vor Bundesverwaltungsgericht recht. Β«Indessen stellt insbesondere das Ignorieren des wiederholten Antrags auf Zeugeneinvernahme einen offensichtlichen, nicht leicht zu nehmenden Verfahrensmangel darΒ», schreiben die Bundesrichter. Einen Beweis fΓΌr Voreingenommenheit sehen die Richter darin aber nicht. In der Hauptfrage hat die Bank denn auch juristisch bisher nicht an Boden gewinnen kΓΆnnen.
Bankintern haben die Finma-Untersuchungen und die hohe MedienprΓ€senz fΓΌr Missmut gesorgt. Doch nicht nur den Regulatoren und Journalisten gilt der Groll, auch die Kritik der jΓΌngeren Banker im Team gegen die alten KΓ€mpen wΓ€chst. Hat CEO Bisang mit unglΓΌcklichen Interviews zum GeschΓ€ftsverlauf der Bank am Bellevue schon einiges Geschirr zerschlagen, so belastet das Nachbeben des Wirkens von Albrecht die Bank zusΓ€tzlich. Viele wΓΌnschen sich einen Neuaufbruch, ohne die Lasten der Vergangenheit β und auch ohne manche ihrer Vertreter.
FΓΌr die Protagonisten stehen VerΓ€nderungen an. Finma-Beamter David Wyss wurde im MΓ€rz zum Chef des Bereichs Enforcement befΓΆrdert. FΓΌr Giorgio Behr sind die Voruntersuchungen abgeschlossen. Nun wird das Finanzdepartement eine VerfΓΌgung erlassen und gegebenenfalls eine Busse verhΓ€ngen. SchΓ€tzungen gehen von mindestens einer Million Franken aus. Bank-CEO Martin Bisang hat mit einer Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht den Verteidigungskampf verstΓ€rkt und kΓ€mpft um den Ruf der Bank.
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Der wichtigste Mann rΓ€umt das Feld: Broker Dieter Albrecht wird die Bank am Bellevue per 1.βJuni verlassen. Er wird danach zumindest mehr Zeit fΓΌrs Pokerspiel haben. Das nΓ€chste grosse Turnier der Pokerwelt steht bereits an. Es findet ab Ende Mai in Las Vegas statt.
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